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Die Pyramide des Sahure : Leuchten und erleuchtet werden

Im Totentempel erlaubten es variable Dachhöhen, die Fenster strategisch zu plazieren. Die Schmalseite des Säulenhofs in der Mitte maß etwa zehn Meter. Bild: Felix Arnold, DAI

Die gigantischen Pharaonengräber von Giseh? Schön, aber das Alte Reich hat noch erheblich mehr zu bieten. Hundert Jahre nach Cheops ließ sich ein anderer König ein ganzes Stück exquisiter bestatten.

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          „Achtung, hier gibt es Schlangen." Tarek El Awady steigt behutsam in die Senke hinter den Palmen. Von fern erscheint die Stelle wie eine Mini-Oase, aus der Nähe ähnelt sie mehr einem verfallenen Freibad, in dem hüfthoch das Schilf wächst. "Sehen Sie, Flusspferde!", ruft der Ägyptologe. Im gleißenden Mittagslicht sind die Tiere kaum zu erkennen. Reliefs wirken eher im Streiflicht, vor allem da diese in großkristallinem Rosengranit gearbeitet sind.

          Ulf von Rauchhaupt

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Granitquader sind Reste eines Tempels, der vor 4500 Jahren direkt am Wasser lag. Bis hierher, wo heute das Dorf Abusir 30 Kilometer südlich von Kairo liegt und wo das fruchtbare Grün des Niltales abrupt der kalkgelben Wüste weicht, hatten Arbeiter des Pharao einen Kanal gebaut und Seitengewässer des Nils schiffbar gemacht, auf dass der lebenspendende Fluss ihren König per Barke auf seiner letzten Reise bis an den Tempel seiner Pyramide bringe. Der Name jenes Königs ist in Türpfosten hinter der einstigen Anlagestelle gemeißelt, darunter Hieroglyphenbänder: "Sahure, di djed was aut-ib neb anch, djet", liest El Alwady fast andachtsvoll vor. "Sahure, möge ihm Dauer und Glück und alle Freude des Herzens gegeben sein und Leben in Ewigkeit."

          Die „vergessenen Pyramiden“

          Sahure (gesprochen Sáhu-Re) war der zweite Pharao der 5. Dynastie. Er herrschte vor Jahrtausenden während des Alten Reiches, der ersten von drei Blütezeiten, die Ägypten beschieden waren. Trotzdem dürften sein Name und seine Pyramide bislang nur wenigen Ägypten-Besuchern ein Begriff sein, ebenso wie die Grabstätten seiner drei Nachfolger in Abusir. "Wir nennen sie auch ,die vergessenen Pyramiden'", sagt Zahi Hawass, Generalsekretär der ägyptischen Antikenbehörde. Das heißt, vor allem Hawass nennt sie so. Denn damit kann der sendungsbewusste Chefägyptologe diese Pyramiden effektvoll der Vergessenheit entreißen: "In zwei Monaten", erklärte er Anfang Mai in Abusir, "werden wir das Areal für Touristen öffnen."

          Fünf Wandreliefs, die seit 1994 am Aufweg zur Pyramide des Sahure gefunden wurden. Hier segelt der Pharao während seines Thronfests eigenhändig ein Schiff.

          Ob vergessen oder nur vernachlässigt: Warum der Blick nach Abusir lohnt, zeigt eine erlesene Ausstellung, die kommende Woche im Frankfurter Liebieghaus eröffnet. Sie wird einen Pharao ins Licht rücken, der den Vergleich mit seinen bekannteren Vorgängern Cheops oder Chephren aus der 4. Dynastie nicht scheuen muss.

          Allerdings, die Aussicht von der schilfbewachsenen Senke auf die 240 Meter entfernte Pyramide offenbart deren Bedeutung nicht. Der Bau gleicht mehr einer Schutthalde als den Weltwundern, deren strenge Formen sich sechs Kilometer nordwestlich im Dunst abzeichnen. Zudem ist Sahures Pyramide viel kleiner als die Giganten von Giseh: Selbst als sie ihren Mantel aus Kalkstein noch besaß, zuoberst die mit Weißgold überzogene Spitze, ragte sie gerade mal 48 Meter auf. Das ist nur ein Drittel der Höhe der Cheopspyramide. Kein Wunder, dass der deutsche Ägyptologe Ludwig Borchardt von einigen Kollegen nur Kopfschütteln erntete, als er im Jahr 1902 begann, die Tempelanlage des Sahure auszugraben. Doch auf was er dabei stieß, passte gar nicht zu der noch heute verbreiteten Ansicht, in der 5. Dynastie sei es mit dem Alten Reich bereits bergab gegangen.

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