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Ab in die Botanik : Gesucht: die Blaue Blume

In welcher Farbe die Blüten erstrahlen, kann man auf viele Arten beeinflussen. Bild: Verena Müller

Schon vor hunderten Jahren faszinierte deutsche Dichter die Vorstellung von blauen Blumen. Heute ist die Faszination in vielen Gärten Realität – oft mit künstlicher Hilfe. Ein neues Sachbuch zeigt, wie es gehen kann.

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          Nicht die Schätze sind es, die ein so unaussprechliches Verlangen in mir geweckt haben, …, fern ab liegt mir alle Habsucht: aber die blaue Blume sehn’ ich mich zu erblicken.“ Die Frühromantiker wären wohl maßlos enttäuscht, meine Deutschlehrerin ,SteWa‘ würde sich die Haare raufen angesichts dieser unpoetischen Interpretation, aber: Auf meinem Balkon wäre Heinrich von Ofterdingen fündig geworden, oder zumindest die Autoren Novalis und Joseph von Eichendorff, Letzterer dichtete 1818:

          Sonja Kastilan

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ich suche die blaue Blume,

          Ich suche und finde sie nie,

          Mir träumt, dass in der Blume

          Mein gutes Glück mir blüh.

          Im Rheingau zog es die Dichter zu den Brentanos, und wären sie zurück in die Zukunft nach Frankfurt gereist, hätten ein paar Pflanzkästen ihre Sehnsucht erfüllen können. Darin versuchte ich erst blau leuchtenden Rittersporn zu ziehen, und als ich einsehen musste, dass der Staude dort nicht nur der Platz zum Wurzeln, sondern außerdem die Sonne fehlte, stieg ich erfolgreich auf Hortensien um. Die gedeihen prächtig, treiben zur Freude aller Nachbarn stets Dutzende Blütenstände auf kleinem Raum, und dass sie inzwischen vom Blau zum zarten Rosa gewechselt sind, ist schrecklich kitschig, aber leider normal.

          Mit Alaun zu hantieren wie ein blausüchtiger Gärtner würde mir nicht einfallen, der Griff zum Aluminiumsalz scheint mir für Balkonien zu übertrieben. Die Geschichte dahinter ist jedoch so faszinierend wie das Farbspiel selbst, denn Metalle spielen eine entscheidende Rolle, wenn Blüten tiefblau und nicht violett oder dunkelrot blühen. Von seltenen Ausnahmen abgesehen, nutzen Pflanzen keine Strukturen, wie Schmetterlinge auf ihren Flügeln, sondern organische Pigmente in Kombination mit Co-Pigmenten nebst Metallionen, die beim Menschen nun mal einen starken Eindruck in Blau hinterlassen. Es sind komplexe Arrangements von Molekülen namens Delphinidin oder Cyanidin.

          Ein bisschen mehr Romantik täte uns gut

          Wie die Blaufärberei und deren Wahrnehmung in der Natur gelingt, welche Mechanismen der Physik, Chemie und Biologie dafür nötig sind und wie schwierig es war, den Geheimnissen von Lein, Kornblume, Prunkwinde, Blaukraut und Rittersporn oder auch von Färberwaid und Indigo fera auf die Spur zu kommen, lässt sich in einem neuen Sachbuch nachlesen: In „Blau. Wie die Schönheit in die Welt kommt“ macht sich der Wissenschaftsjournalist Kai Kupferschmidt auf eine persönliche Suche – nach blauen Blumen, aber über Lapislazuli, Ringwoodit, lebende Opale, Blaumeisen, Cyanwasserstoff, Jeans, Küchenexperimente, Laborbesuche, Sprachtücken, Anilin, Retinal, E133, Ultramarin und das erstaunliche YInMn-Blau ist auch so einiges zu erfahren.

          Letzteres besteht aus den Elementen Mangan, Indium, Yttrium sowie Sauerstoff und wurde vom Autor im Labor des Entdeckers einmal selbst gebacken. Anhand von Anekdoten, Reportagefragmenten und Forschungsgeschichten gelingt es Kupferschmidt, die Wissenschaft vom Blau unterhaltsam und anschaulich zu erklären. Ob Elektronensprünge oder Genetik in der Rosenzucht: der Journalist macht schwierige Materie leicht verständlich und konnte mit Blick auf blaue Chrysanthemen einen Moment im Sinne von Novalis erfahren. Die Welt muss romantisiert werden, forderte dieser und meinte ihre qualitative Potenzierung, so finde man den ursprünglichen Sinn wieder.

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          Zur Literatur

          Kai Kupferschmidt, „Blau. Wie die Schönheit in die Welt kommt“, Hoffmann und Campe, 2019, gebunden, 26 Euro.

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