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Zunehmende Hochwasserschäden : Land unter im Zuge des Klimawandels

  • -Aktualisiert am

Heftige Überflutungen werden im Zuge des Klimawandels in Deutschland zunehmen – hier überschwemmte 2013 die Elbe in Sachsen Felder und Äcker. Bild: dpa

Der Zusammenhang zwischen Klimawandel und Überflutungen ist komplex. Der Trend aus 50 Messjahren zeigt nun: In Nordwesteuropa nehmen Hochwasserereignisse großer Flüsse zu.

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          Eine internationale Studie, basierend auf Daten aus insgesamt 50 Messjahren zwischen 1960 und 2010, zeigt nun deutlich: Der Klimawandel in Europa wirkt sich bereits auf großflächige Flussüberschwemmungen aus. Dabei sind unterschiedlichen Trends auszumachen. Großräumige Flussüberflutungen nehmen in Mittel- und Nordwesteuropa aufgrund vermehrter Regenfälle in Herbst und Winter und höherer Bodenfeuchte zu. In Osteuropa hingegen nehmen sie ab, unter anderem weil es weniger schneit und damit die mit der Schneeschmelze erzeugten Wassermengen geringer sind. Auch in Südeuropa werden Hochwasserereignisse großer Flüsse seltener, denn dort führt der Klimawandel zu sinkenden Niederschlägen und einer erhöhten Verdunstung des Bodenwassers.

          Trends zunehmender (blau) und abnehmender (rot) Überflutungen großer Flüsse relativ zum Zehnjahresdurchschnitt. In Nordwesteuropa (1) werden zunehmende Regenfälle und sinkende Bodenfeuchte erwartet, in Südeuropa (2) abnehmende Regenfälle und steigende Verdunstung. In Osteuropa (3) wird dagegen mit abnehmenden Niederschlägen und früher einsetzender Schneeschmelze gerechnet.

          Bruno Merz vom Helmholtz Zentrum für Geowissenschaften in Potsdam betont, dass sich die abnehmende Tendenz der großräumigen Flussüberflutungen in Südeuropa nicht auf die verhältnismäßig viel kleineren mediterranen Sturzfluten bezieht. Solche, durch lokalen Starkregen verursachten Überschwemmungen können zwar auch erhebliche Schäden anrichten, sind aber nicht von der gegenwärtigen Studie erfasst.

          Der Hydrologe Merz, einer der insgesamt 47 Autoren der Studie, war überrascht vom klaren Trend der Daten aus über 3700 Hochwasserstellen in ganz Europa. Modellierungs-Studien sagten zwar schon lange, dass es deutliche Veränderungen der Hochwasserflüsse geben sollte. Andererseits gab es auch Hypothesen, dass man den Klimawandel in Beobachtungsdaten nicht sehen könne, weil ihn andere Einflüsse überlagerten.

          Wenn beispielsweise Flächen im Einzugsgebiet des Flusses versiegelt werden oder sich die Praktiken der Landwirtschaft verändern, ändert sich damit auch jeweils das Abflussverhalten, sowie die Verdunstung und damit die Bodenfeuchte.

          Der umfassende Datensatz ermöglichte den klaren Befund

          So war lange unklar, ob sich überhaupt ein Einfluss des Klimawandels auf großräumige Flusshochwasser nachweisen ließe. Erst der umfassende Datensatz, den die Autoren über mehrerer Jahre von etlichen europäischen Behörden zusammen sammelten, machte diesen Nachweis möglich. Laut Merz machte dies auch tatsächlich den größten Teil der Arbeit aus. „Das besondere ist, dass man überhaupt Muster sieht, die man mit klimatischen Variablen oder Prozessen erklären kann“, so Merz.

          Das Ausmaß der Hochwasseränderungen reicht hierbei von einem Rückgang des erwarteten Hochwasserniveaus um 23 Prozent pro Jahrzehnt bis zu einem Anstieg um 11 Prozent pro Jahrzehnt. Die Implikationen sind wichtig für das Hochwasser-Risikomanagement, denn Flussüberflutungen verursachen weltweit jedes Jahr einen Schaden von etwa 100 Milliarden Dollar. Der Hochwasserschutz wird zudem oft an Abflusshöhen festgemacht. Wenn sich diese Trends zukünftig fortsetzen, dürften viele europäische Regionen mit erheblichen Auswirkungen auf das Hochwasserrisiko rechnen.

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