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Der Klimawandel in den Medien : Sind Journalisten unfair?

  • -Aktualisiert am

„Gebt uns eine Chance“, bittet die Aktivistin bei einer Fridays for Future Demo in Lausanne. Bild: Reuters

Skeptiker der These vom menschengemachten Klimawandel fordern oft eine faire Behandlung in den Medien. Dass diese aber anders aussähe, als sie es sich wünschen, legt eine wissenschaftliche Studie nahe.

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          Fair sein heißt, Gleiches gleich zu behandeln und Ungleiches ungleich zu behandeln. Diese Weisheit gilt nicht nur beim Spiel, sondern ist Grundsatz unserer modernen Gesellschaft. Eine neue Studie in der Zeitschrift „Nature Communications“ zeigt nun: Wenn es um das Thema Klimawandel geht, spielen zumindest englischsprachige Journalisten anscheinend unfair.

          In der Studie traten 386 der renommiertesten Klimaexperten gegen 386 der prominentesten „Skeptiker“ an, die den anthropogenen Klimawandel in irgendeiner Weise anzweifeln. Zunächst wurde die wissenschaftliche Autorität der beiden Gruppen anhand der Präsenz in Fachzeitschriften verglichen. Dabei kamen zwei interessante Fakten ans Licht: Erstens kam heraus, dass nur gut die Hälfte der berühmten „Skeptiker“ überhaupt Wissenschaftler sind. Zweitens zeigte sich, dass Klimaexperten gut viermal mehr Wissenschaftsartikel veröffentlichen konnten und achtmal so oft zitiert wurden wie ihre „Skeptiker“- Kollegen.

          Experten und „Skeptiker“ liegen gleichauf

          Anschließend werteten die Forscher gut 120 000 Artikel über den Klimawandel aus den Jahren 2000 bis 2016 aus, die sowohl in etablierten Zeitungen als auch auf Internetblogs und anderen neuen Online-Medien erschienen waren. Ergebnis: Etablierte Zeitungen sprachen ebenso häufig über die „Skeptiker“ wie über Experten. Die Journalisten behandelten die beiden Gruppen also trotz ungleichen wissenschaftlichen Renommees gleich. Noch unfairer wurde es, nimmt man alle betrachteten Medien zusammen: Hier tauchten die „Skeptiker“ sogar um satte 49 Prozent häufiger auf. Auch wenn hier eine Gruppe angesehener Wissenschaftler mit der bunten Melange der „Skeptiker“ verglichen wurde - bei so einem Verhalten hätte jeder Fußballspieler längst die Rote Karte erhalten.

          Auch die Debatte um das Rauchen verlief damals unfair

          Die inhaltliche Analyse einer Stichprobe gab den Forschern Hinweise, wie es zu dem „unsportlichen“ Verhalten kommt: Sobald Journalisten sowohl Experten als auch „Skeptiker“ im Artikel erwähnten, behandelten sie beide als gleichwertige Quellen. Sie wollen offenbar besonders fair sein, erreichen aber das Gegenteil. Das Ganze hat ein historisches Pendant: Als man in den fünfziger Jahren feststellte, dass Rauchen Krebs verursacht, geriet die Tabaklobby in Panik und entwickelte die „Tabak-Strategie“: Sie schürte Zweifel an der wissenschaftlichen Faktenlage, indem sie einerseits unbedeutende Studien zugunsten ihrer Position gezielt verbreitete, andererseits selbst voreingenommene Studien durchführen ließ. Auch hier berichteten viele Journalisten zu gleichen Teilen von den unabhängigen und den befangenen Studien und verzögerten so wahrscheinlich wichtige politische Entscheidungen zum Schutz der Gesundheit.

          Bei der amerikanischen Debatte um den Klimawandel zeigt sich ein ähnliches Bild. Während es nirgendwo eine so große Einigkeit über den von uns Menschen verursachten Klimawandel gibt wie unter Experten, konnte über die Jahre eine Verschwörungstheorie Fuß fassen und sich in den Echokammern des Internets weiter verstärken. Dabei sollten doch vor allem Journalisten der Wissenschaft kein Bein stellen.

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