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Frühgeschichte : Die schicksalhaften Wälder

  • -Aktualisiert am

Immer mehr Regenwald muss für die Landwirtschaft Platz machen - mit fatalen Folgen für die Ökologie. Bild: Joachim Müller-Jung

Wurde eine ökologische Katastrophe übersehen? In der Erdgeschichte spielen die komplex gebauten Bärlappbäume eine maßgebliche Rolle - früher wie auch heute.

          Das Schicksal der Dinosaurier wurde wohl durch einen Meteorit besiegelt. Dank extraterrestrischer Zutat und prominenter Opfer ist das massenhafte Artensterben vor 66 Millionen Jahren das bekannteste in der gesamten Erdgeschichte. Das größte geschah schon, ehe die ersten Dinosaurier auf der Erde herumspazierten, vor etwa 252 Millionen Jahren, an der Grenze vom Perm zur Trias.

          Anders als bisher angenommen, hat sich die Flora an Land dann aber rasch wieder erholt. Und schon nach rund 500.000 Jahren - nach geologischen Maßstäben also recht bald - wurde die Pflanzenwelt womöglich von einer noch viel heftigeren Katastrophe getroffen. Das berichten Peter Hochuli, Anna Sanson-Barrera, Elke Schneebeli-Hermann und Hugo Bucher von der Universität Zürich in den „Nature Scientific Reports“.

          Gemeinsam vertieften sie sich in mehr als vierhundert Meter mächtige Gesteinsschichten aus dem Osten von Grönland, die einen aufschlussreichen Einblick in die fragliche Zeit erlauben.

          Auf den Spuren der Vegetation

          Über die Vegetation, die sich nach der großen Zäsur vor 252 Millionen Jahren entwickelt hatte, war bislang wenig bekannt. Kein Wunder, denn fossile Blätter, Blüten und Zweige machen sich rar. Die Züricher Wissenschaftler studierten deshalb die Sporen und Pollen, die sich in den ostgrönländischen Ton- und Sandsteinschichten finden. Fachkundig unter die Lupe genommen, geben diese mikroskopisch kleinen Fossilien detailliert Auskunft über die Pflanzenwelt zu Beginn der Trias.

          Prähistorischer Forst, dargestellt in einem Bild aus dem Jahr 1868

          Die untersuchten Gesteinsproben beginnen in einer Zeit, als sich die Flora schon wieder erstaunlich üppig entfaltet hatte. Als häufigste Mikrofossilien enthalten sie Pollenkörner, größtenteils von sogenannten Samenfarnen ausgestreut. Diese mittlerweile ausgestorbenen Farnpflanzen hatten ihre Samenanlagen und Pollenbehälter noch nicht zu Blüten arrangiert.

          Daneben lassen sich aber auch verschiedenartige Blütenpflanzen nachweisen. Bestimmte Pollen können urtümlichen Koniferen zugeordnet werden. Andere stammen von Pflanzen, die - wenn überhaupt - nur wenig heute lebende Nachfahren haben, etwa von Ginkgogewächsen oder Cycasgewächsen, irreführenderweise auch Palmfarne genannt.

          Hinweise auf eine globale ökologische Krise

          Sporen, hauptsächlich von Bärlappgewächsen, sind anfangs in der Minderheit. Doch das ändert sich plötzlich: Etwa 500.000 Jahre nach dem großen Artensterben am Ende des Perms nimmt der Anteil der Sporen rapide zu, und die Anzahl der Pollen vermindert sich abrupt. Was nach Einschätzung der Forscher eine drastische Klimaveränderung widerspiegelt.

          Winzige Sporen haben nämlich den Vorteil, dass sich die Pflanzen in Windeseile ausbreiten und frei gewordenes Terrain besiedeln können. Allerdings hat die Vermehrung durch Sporen auch einen Haken: Sie funktioniert nur mit flüssigem Wasser. Um einen Siegeszug der Bärlappgewächse zu ermöglichen, muss das Klima also feuchter geworden sein und wahrscheinlich auch wärmer.

          Für Samenfarne und Blütenpflanzen war dieser Umschwung fatal, zumal er auch anderenorts stattfand: Dass fossile Pollen und Sporen aus Pakistan und Australien eine ähnliche Veränderung der Flora belegen, deutet auf eine globale ökologische Krise hin. Hervorgerufen mutmaßlich durch hyperaktive Vulkane in Sibirien, die wohl auch schon bei dem massenhaften Artensterben am Ende des Perms im Spiel waren.

          Der Mensch und der Klimawandel sorgen für neue Desaster

          Nach der Invasion von Bärlappgewächsen blieb den betroffenen Ökosystemen wiederum wenig Zeit, um sich zu regenerieren: Kaum waren Samenfarne und Blütenpflanzen wieder im Kommen, folgte bereits die nächste Zäsur. Die frühe Trias war offenbar von Natur aus eine Krisenzeit.

          Derzeit scheint die Menschheit auf bestem Weg, ein weiteres ökologisches Desaster auszulösen. Zum einen unmittelbar durch die Zerstörung von Lebensräumen, etwa wenn immer mehr Regenwald der Landwirtschaft weichen muss. Zum anderen verlieren künftig wahrscheinlich umso mehr Tier- und Pflanzenarten ihre Lebensgrundlagen, je mehr der Mensch den Klimawandel anheizt.

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