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Pandemie und Klimawandel : Was jetzt wohl aus dem Klima wird

  • -Aktualisiert am

Links: Die Stickoxidkonzentrationen über Frankreich im März vergangenen Jahres. Rechts: Die gleiche Situation im Zeitraum vom 14. bis 25. März 2020, wieder gemessen mit Hilfe des Satelliten Copernicus Sentinel-5P Bild: Reuters

Der große Lockdown lähmt die Menschheit und drosselt damit ihre Emissionen. Erste Effekte zeigen sich bereits aus dem All. Aber kann sich der Planet wirklich so schnell von unserem Treiben erholen? Langfristig jedenfalls dürfte die Corona-Krise alles nur noch schlimmer machen.

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          Es ist noch nicht lange her, da war das Neckartor in Stuttgart über die schwäbischen Stadtgrenzen hinaus berühmt. Deutschlands dreckigster Platz wurde die Kreuzung in der Nähe des Hauptbahnhofs genannt, der Ort mit der höchsten Feinstaubbelastung bundesweit. 61.000 Fahrzeuge brettern hier an einem Wochentag normalerweise entlang, aber seit Ausbruch der Corona-Pandemie ist es auch in der Autostadt Stuttgart ruhig geworden. Mittlerweile passieren das Neckartor nur noch 38.000 Fahrzeuge am Tag, die Luftbelastung sei entsprechend zurückgegangen, teilt Rainer Kapp vom städtischen Umweltschutzamt mit. Der Begriff Fahrverbot erfährt in diesen Tagen eine ganz neue Bedeutung.

          Nachrichten von leeren Straßen und stillgelegten Fabriken häufen sich seit Beginn der Krise, mittlerweile steigen auch sie exponentiell an. Immer mehr Länder auf der Welt melden bessere Luft, in den Industriezentren lichtet sich der Smog. Besonders anschaulich wirken Vergleiche von Stickoxidbelastungen vor und nach den Ausgangssperren. Ob Mailand, Paris, Peking oder New York – überall knicken die Werte ein. In Mitteleuropa erfreuen sich die Menschen an einem makellos azurblauen Himmel, von keinem Kondensstreifen verschandelt. Ein stabiles Hoch versorgt Deutschland in diesen schweren Zeiten immerhin mit sonnigem Frühlingswetter. Hinzu kommen sagenhafte Bilder von glasklaren Kanälen in Venedig und zwei neugierigen Delphinen, die in Italiens schwerster Stunde plötzlich am Hafen auftauchten. Hier die Notaufnahmen, dort die Delphine – auch gute Nachrichten schreiben sich da von selbst: Die Natur erholt sich.

          Vorher-Nachher-Vergleiche sind unseriös

          Doch Wissenschaftler sind skeptisch, ob diese Schlussfolgerung so zu halten ist. Dass die Delphine gar nicht in Venedig auftauchten, sondern in Cagliari – geschenkt. Das Hauptinteresse der Forscher richtet sich vielmehr auf den tatsächlichen Effekt, den Corona in der Natur hinterlässt. Ob also der Stillstand des öffentlichen Lebens und Wirtschaftens die Luft wirklich kurzfristig sauberer macht – oder ob es andere Einflüsse gibt, die den Effekt überlagern.

          Nehmen wir die Kondensstreifen. Deren Fehlen ist weniger dem Versiegen des Luftverkehrs zu verdanken als hauptsächlich der knochentrockenen Luft – Kondensstreifen hätten sich derzeit auch bei normalem Betrieb zumeist nicht gebildet. Andererseits klingt es doch zunächst einmal plausibel, dass die Luft sauberer geworden ist. Aber auch hier sind einfache Vorher-nachher-Vergleiche unseriös, können den Effekt übertreiben oder falsch darstellen. So sieht das Florian Pappenberger vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage in Reading bei London, wo das Erdbeobachtungsprogramm Copernicus beheimatet ist. Zu diesem Programm gehört der Umweltsatellit Sentinel 5P, von dem die Daten über die Luftschadstoffe stammen, mit denen hübsche Vorher-nachher-Karten erstellt wurden. Die Aussagen, die aus diesen Karten abgeleitet werden, seien jedenfalls nicht richtig, sagt Pappenberger. „Bislang sehen wir noch keinen großräumigen Impact, höchstens an einzelnen Stationen.“ Dafür ist der Zeitraum der Beobachtung zu kurz, zudem sei auch hier der größte Einflussfaktor überhaupt nicht berücksichtigt: das Wetter.

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