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Bodenerosion : Wachsende Sorge um fruchtbare Böden

  • -Aktualisiert am

Der Grenzverlauf zwischen Haiti und der Dominikanischen Republik ist anhand der unterschiedlichen Vegetation leicht zu erkennen. Bild: UNEP - United Nations Environmental Programme

Eine globale Bestandsaufnahme der Erosion zeigt, wie die wirtschaftliche Lage der Länder und fehlende Wälder das Erdreich beeinflussen.

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          Fruchtbare Böden sichern die Ernährung der Weltbevölkerung und bilden die Basis für die Erzeugung pflanzlicher Rohstoffe wie Baumwolle oder Öle und dienen als Kohlenstoffspeicher. Trotzdem geht weltweit immer mehr wertvolles Erdreich verloren – mehr jedenfalls, als neu gebildet wird. Als Hauptursache für den zunehmenden Bodenverlust gelten der moderne Ackerbau und die immer intensivere Landnutzung in vielen Teilen der Welt. Wind und Niederschläge haben dadurch ein leichtes Spiel, Material abzutragen.

          Im weltweiten Mittel liegt die Erosionsrate bei rund 2,4 Tonnen Boden pro Hektar und Jahr, schreiben Schweizer Forscher in der Zeitschrift „Nature Sustainability“. Um sich ein Bild vom globalen Zustand der Böden zu machen, haben David Wuepper von der ETH Zürich und seine Kollegen einen riesigen Satz satellitengestützter und anderer Daten analysiert, in dem die Erosionsraten der Böden an mehr als 35 Millionen Stellen der Erde erfasst worden waren. Die Forscher gingen bei ihrer Untersuchung der Frage nach, inwieweit die wirtschaftliche Lage eines Landes, dessen Umweltpolitik und die verschiedenen landwirtschaftlichen Methoden in den einzelnen Ländern die Bodenerosion beeinflussen.

          Die natürliche Erosion wäre auf ganz Hispaniola fast identisch. Wegen verstärktem Ackerbau auf Haiti (linke Hälfte des Bildes) schnellt sie bereits an der Grenze in die Höhe.
          Die natürliche Erosion wäre auf ganz Hispaniola fast identisch. Wegen verstärktem Ackerbau auf Haiti (linke Hälfte des Bildes) schnellt sie bereits an der Grenze in die Höhe. : Bild: Wuepper et al., 2019, Nat. Sustain.

          Tatsächlich haben sie spezifische „Ländereffekte“ als Ursache für die Erosion ausmachen können. Am stärksten war der Bodenverlust auf der Karibikinsel Hispaniola ausgeprägt, deren östliche Hälfte von der Dominikanischen Republik eingenommen wird, während Haiti im Westen der Insel liegt. Obwohl das Klima und die Topographie in beiden Ländern nahezu identisch sind, gehen in Haiti jährlich mehr als 150 Tonnen Boden pro Hektar verloren. Im Nachbarland beträgt die Erosionsrate dagegen nur etwa ein Fünftel. Der jährliche Verlust liegt dort bei weniger als 30 Tonnen pro Hektar. Schon entlang der politischen Grenze macht die Erosionsrate einen Sprung um mehr als 50 Tonnen Material pro Jahr. Der Grund: In Haiti gibt es anders als im Nachbarstaat nur noch wenige Wälder, die den Boden schützen.

          Deutschlands wertvolle Böden

          Ländereffekte konnten die Schweizer Forscher in vielen Teilen der Welt finden. So haben in der westlichen Hemisphäre neben Haiti noch Brasilien und Mexiko die höchsten Erosionsraten. In Argentinien, Ekuador und den Vereinigten Staaten sind die Schäden am geringsten. In Asien ist der Bodenverlust in China, Burma und Indonesien am größten, während er in Südkorea, Laos und Kambodscha am geringsten ausfällt. In Afrika verzeichnen Zimbabwe und Kamerun die höchsten Erosionsraten, während Moçambique, Tansania und die westafrikanischen Staaten zwischen Benin und Sierra Leone die wenigsten Verluste verzeichnen. In Europa verlieren Italien und Griechenland den meisten Boden.

          Den Zustand der Böden in Deutschland haben unlängst Mitarbeiter des zum Bundeslandwirtschaftsministerium gehörenden Thünen-Instituts in Braunschweig untersucht. Im Laufe der vergangenen sechs Jahre entnahmen sie an mehr als 3100 Stellen in Deutschland mehr als 120.000 Bodenproben. Besonderes Augenmerk richteten die Forscher auf den Gehalt des Bodens an organischem Kohlenstoff. Die zweifellos größten Speicher für Kohlenstoff sind die Moorböden. Obwohl sie nur etwa sechs Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche ausmachen, enthalten die Moore in den oberen zwei Metern bis zu tausend Tonnen organischen Kohlenstoffs pro Hektar.

          Im Vergleich dazu enthalten die deutschen Grünlandböden im Mittel 88 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar. Bei den Mineralböden unter Ackernutzung geht der Kohlenstoffanteil im Mittel auf nur 61 Tonnen pro Hektar zurück. Allerdings gibt es unter den Mineralböden große Schwankungen. Sie reichen von einem Kohlenstoffanteil von 31 Tonnen je Hektar in den Sandböden Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns bis zu 400 Tonnen in den Altmoränenlandschaften des Voralpenlandes. Ein großer Teil der Ergebnisse der bundesweiten Erhebung des Bodenzustands ist jetzt in einer informativen Broschüre unter dem Titel „Humus in den landwirtschaftlich genutzten Böden Deutschlands“ von der Webseite des Thünen-Instituts herunter ladbar.

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