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Klimawandel : Grönlands Eispanzer auf dem Rückzug

  • -Aktualisiert am

Ein wolkenloser Himmel gibt den Blick frei auf die größte Insel der Erde. Bild: Nasa

Grönland ist oft wolkenverhangen. Ein von der Nasa veröffentlichtes Satellitenbild zeigt die Insel jetzt aber bei schönstem Wetter. Diese Aufnahme ist etwas ganz Besonderes.

          Fotos aus den polaren Gebieten der Erde sind oft irreführend. Meist zeigen sie herrlichen Sonnenschein und einen klaren, tiefblauen Himmel, der sich wunderbar vom glitzernden polaren Eis abhebt. Gemeint ist hier nicht, dass solche Bilder nachträglich mit einer Software geschönt worden wären. Vielmehr sind in den hohen geographischen Breiten solche sonnigen Tage ohne Bewölkung äußerst selten. Stattdessen ist das polare Wetter während des größten Teils des Jahres meist miserabel mit tiefhängenden Wolken, Niederschlag und pfeifendem Wind oder dichtem Nebel. An solchen Tagen - und das sind die meisten - bleiben die Fotoapparate meist wohlverpackt im Rucksack verstaut.

          Deshalb ist das hier gezeigte Satellitenbild von Grönland etwas ganz Besonderes. Abgesehen von ihrem äußersten Nordwesten (oben links am Bildrand), ist die mit mehr als 2,1 Millionen Quadratkilometern größte Insel der Erde vollkommen wolkenfrei. Das Bild wurde bereits am 26. Juli dieses Jahres aufgenommen, als der amerikanische Forschungssatellit „Aqua“ die Insel überflog. Es ist aber erst jetzt von der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa veröffentlicht worden.

          Westgrönlandstrom ist deutlich wärmer als Ostgrönlandstrom

          Auffällig ist unter anderem die unterschiedliche Verteilung des Eises an den beiden Küsten Grönlands. Während das Eis auf der gesamten Ostseite der Insel bis fast an das Nordpolarmeer reicht, hat es sich im Westen der Insel erheblich weiter von der Küste zurückgezogen. Der Eisrand befindet sich an vielen Stellen mehr als hundert Kilometer von der Küste entfernt. Die Ursache dieser Asymmetrie liegt hauptsächlich in den großräumigen Meeresströmungen. Auf der Ostseite beherrscht der Ostgrönlandstrom das Wettergeschehen. Von Norden kommend, bringt er eiskaltes Wasser vom Arktischen Ozean in den nördlichen Nordatlantik.

          Der westliche Küstenbereich Grönlands wird dagegen vom Westgrönlandstrom beeinflusst, der von Süden aus der Labrador-See kommend, durch die Davisstraße bis in die Baffin Bay fließt. Auf unserem Bild ist die Davisstraße, die Grönland vom kanadischen Festland trennt, mit einem Wolkenband verhangen. Der Westgrönlandstrom ist deutlich wärmer als sein östliches Gegenstück, weil er unter anderem wärmeres, aus den nordamerikanischen Küstengewässern stammendes Wasser mit sich führt. Wegen dieses wärmeren Stromes sind die Lufttemperaturen auf der Westseite Grönlands deutlich höher als im Osten. Als Folge kann im Sommer im Westen mehr Eis als im Osten schmelzen.

          „Blüte“ des Phytoplanktons

          Wer genau hinschaut, wird auf dem Satellitenbild auch etwas Grün entdecken. Es befindet sich allerdings nicht auf der nach dieser Farbe benannten Insel selbst, sondern vielmehr in den Küstengewässern wie in der Labrador-See im Südwesten sowie unmittelbar vor der südlichen Ostküste. Dabei handelt es sich um die sogenannte „Blüte“ des Phytoplanktons. Mit dem Schmelzwasser aus den riesigen Gletschern Grönlands gelangen nämlich viele Nährstoffe in das Meerwasser. Sie werden dort vom Phytoplankton aufgenommen, das sich dabei rasch vermehrt. Da diese mikroskopischen Algen, Flagellaten und Cyanobakterien Chorophyll enthalten, erscheint das Meerwasser grün.

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