https://www.faz.net/aktuell/wissen/erde-klima/auf-der-schneeball-erde-t-waren-die-meere-auch-am-aequator-ganz-zugefroren-18101260.html

Schneeball-Erde : Das Wort für Welt war Eis

Vor 700 Millionen Jahren sah es am Äquator aus wie heute in der Antarktis (dieses Bild), nur ohne Pinguine. Bild: Ulf von Rauchhaupt

Auf der „Schneeball-Erde“ der Erdurzeit waren die Meere tatsächlich auch am Äquator ganz zugefroren, wie neue Modellierungen zeigen.

          3 Min.

          Im Jahre 1987 bekam die amerikanische Geologiestudentin Dawn Sumner – heute eine prominente Forscherin – von ihrem Professor eine Probe 635 Millionen Jahre alten marinen Sedimentgesteins zur Analyse. Es kam aus der Elatina-Formation in Südaustralien und enthielt „Dropstones“, eingeschlossene Steine, die nur an Land gebildet und von Gletschern aufs hohe Meer verfrachtet worden sein konnten, wo sie beim Abschmelzen der Eisberge in die Tiefsee plumpsten. Die Steine zeugten also von Vergletscherungen. Sumners Untersuchungen bestätigten nun aber etwas, was ihr Professor zuerst angezweifelt hatte: Die Elatina-Formation musste nahe dem damaligen Äquator abgelagert worden sein – als die Erde aus einer planetenweiten Eiszeit erwachte.

          Ulf von Rauchhaupt
          Redakteur im Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dieser Befund heißt heute „Snowball-Earth-Hypothese“, ist aber inzwischen zu Lehrbuchwissen geronnen. Die erdgeschichtliche Epoche vor 720 bis 635 Millionen Jahren heißt sogar „Cryogenium“, weil sich auch an vielen anderen Orten der Erde Belege dafür fanden, dass die Erde damals während zweier 62 und 20 Millionen Jahre langer Phasen global vergletschert war. Doch war der Planet seinerzeit tatsächlich ein „harter Schneeball“, dessen Ozeane selbst am Äquator durchgängig zugefroren blieben? Oder war sie eher ein in den Tropen immer mal wieder tauender „Slushball“? Oder blieb stets ein äquatorialer Gürtel offenen Wassers? In „Nature Geoscience“ wurden nun neue Modellrechnungen veröffentlicht, nach denen es wohl doch auf den harten Schneeball hinausläuft.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          Nicht mehr ganz so glänzend: Neue Tesla-Autos in der staubigen Grünheider Landschaft

          Tesla-Fabrik in Grünheide : Nicht mehr ganz so Giga

          Die Produktion stockt, die Personalsuche auch: Bei Tesla läuft es nicht rund. Jetzt formiert sich auch noch Widerstand gegen die Erweiterung des Werks, denn der Wald, der dort jetzt steht, war nie als Gewerbefläche gedacht.
          Verletzte sich auf dem von vielen Reitern gelobten Kurs: Allstar, hier mit Reiterin Rosalind Canter

          Chaos bei Reit-Veranstaltung : Blut und Tränen

          Ein totes Pferd sorgt für Bestürzung beim CHIO in Aachen, dem eigentlich größten Fest der Reiterei. Auch um die deutsche Dressur-Größe Isabell Werth gibt es reichlich Wirbel.
          Betrügerisch und böse: Leonardo DiCaprios Filmfigur in „The Wolf of Wall Street“ basiert auf dem echten Börsenmakler Jordan Belfort.

          Geschlechtergerechtigkeit : Männer kosten ein Vermögen

          Wie Männer sich verhalten, ist für die Gesellschaft irre teuer. Ein Männerberater beziffert die volkswirtschaftlichen Kosten typisch männlicher Verhaltensweisen auf über 63 Milliarden Euro im Jahr. Trotzdem sind Männer auch für etwas gut.