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Astronomie : Sonnensturm über der Erde

  • -Aktualisiert am

Ein Bild des Sonnenflare - gemacht vom Sonnenobservatorium der Nasa Soho Bild: dpa/dpaweb

Eine heftige Eruption auf der Sonne wird am Donnerstag einen geomagnetischen Sturm auf der Erde auslösen. Erste Konsequenz: der Flugverkehr wird vorsorglich eingeschränkt. Stromnetze können ausfallen.

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          Wäre der Himmel klar, könnte man derzeit nachts in einigen Regionen Deutschlands vermutlich Polarlichter sehen. Die Voraussetzungen dafür jedenfalls sind gegeben - aber auch für allerlei Durcheinander auf der Erde, die weniger erhebend sind. Die Deutsche Flugsicherung hat am Mittwoch vorsorglich die Anzahl der Flüge im deutschen Luftraum begrenzt, weil sie Störungen im Luftverkehr befürchtet. Und schuld an diesem und manch anderem ist wieder einmal die Sonne.

          Am späten Dienstagvormittag hat sich auf dem Himmelskörper - dort, wo die Astronomen seit Tagen eine große Fleckengruppe mit der laufenden Nummer 486 beobachten - ein heftiger Ausbruch ereignet. Durch die plötztliche Entflechtung zweier Magnetfelder wurde Energie freigesetzt, ein Ereignis, das in Form eines solaren Flares sichtbar wurde. Diese "Explosion" war so hell, daß die Detektoren des amerikanischen Sonnenobservatoriums Soho ("Solar and Heliospheric Observatory") geblendet wurden.

          Wolke von Teilchen ausgeschleudert

          Der Ausbruch hatte aber vor allem zur Folge, daß eine Wolke von Teilchen mit einer Geschwindigkeit von mehr als 2.000 Kilometern pro Sekunde ausgeschleudert wurde, und zwar direkt in Richtung Erde. Die Forscher berechneten sofort, daß sie dort - bei einkalkulierter Abbremsung - spätestens am Donnerstag ankommen und zu einem heftigen geomagnetischen Sturm führen würde. Die ersten Anzeichen dieses Sturms sind schon am frühen Mittwochmorgen in Nordamerika entdeckt worden: Polarlichter, die nach Süden hin bis Bishop in Kalifornien bemerkt wurden.

          Der Flare auf der Sonne sei der energiereichste seit 1976 - als man mit den Aufzeichnungen begann -, hat Leon Golub vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics gemeint, der für eines der Meßinstrumente an Bord von Soho hauptverantwortlich ist. Zumindest als einer der drei heftigsten Flares wird er auch von andern Forschern bezeichnet, was sich in der zu erwartenden Gewalt des geomagnetischen Sturms ausdrücken dürfte.

          Auf der Erde ist mit einigem zu rechnen

          Nach ihrer Leuchtkraft im Röntgenbereich zwischen 1 und 8 Ängström hat man für die Einteilung der Flares drei Klassen (C, M und X) geschaffen. Danach handelt es sich bei dem Ereignis vom Dienstag um X17,2, während zwei andere große Flares - darunter jener, der 1989 das Stromversorgungsnetz in Kanada lahmlegte - als X20,0 eingestuft wurden.

          Nimmt man die Vorfälle in Kanada als Maßstab, wird auch diesmal auf der Erde mit einigem zu rechnen sein. Auch wenn niemand genau weiß, welche Folgen tatsächlich eintreten werden, ob zum Beispiel wieder ein großes, überregionales Stromversorgungsnetz verrückt spielt. Zumindest eines ist den Wissenschaftlern vollkommen klar: Ein Flare der Größe, wie er am Dienstag entdeckt worden ist, verursacht auf der Erde einen geomagnetischen Sturm der Klasse G5.

          Überregionale Stromversorgung betroffen

          Die G-Klassifikation nach einer Skala der amerikanischen NOAA ("National Oceanic and Atmospheric Administration") für geomagnetische Stürme verzeichnet mögliche Konsequenzen für die Erde, wobei die Dauer des Ereignisses die tatsächlichen Gegebenheiten mitbestimmt. Diesmal ist eine Sturmdauer von ungefähr 24 Stunden vorhergesagt worden. Die höchste Stufe, G5, ist viermal in jedem Sonnenzyklus zu erwarten, wobei ein solcher Zyklus rund elf Jahre umfaßt.

          Bei G5 sind Schwierigkeiten mit der Aufrechterhaltung der Spannung in elektrischen Systemen zu befürchten, was die überregionale Stromversorgung beeinträchtigen kann. Auch Transformatoren können beschädigt werden. In einigen Fällen laden sich möglicherweise die Oberflächen von Satelliten oder Raumsonden auf - mit entsprechenden Konsequenzen für deren elektrische Systeme. Die räumliche Ausrichtung dieser Flugkörper kann gefährdet sein, ebenso der Kontakt zu den Bodenstationen. Nicht auszuschließen ist, daß die Reichweite hochfrequenter Radiosignale in einigen Regionen einen oder zwei Tage lang stark eingeschränkt ist, daß die Satellitennavigation beeinträchtigt wird oder die niederfrequente Radionavigation ausfällt. Eindrucksvolle Polarlichter bis herab in gemäßigte Breiten um 40 Grad sind kein angemessener Ausgleich dafür.

          Schon Ende vergangener Woche war nach einer Eruption auf der Sonne vor einem geomagnetischen Sturm (der Klasse G3) gewarnt worden, der sich zum Glück als recht harmlos herausstellte. Auch wenn es in der Luftfahrt einige Schwierigkeiten mit der Kommunikation gegeben hat. Das Beispiel zeigt jedoch, daß genaue Prognosen noch nicht möglich sind. Als Warnung muß man sie ernstnehmen.

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