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Arktis : Eisschelf in der Arktis zerbrochen

  • Aktualisiert am

Wird es ihnen auch bald zu warm? Bild: AP

Das größte Schelfeis in der Arktis, das 443 Quadratkilometer große Ward-Hunt-Schelfeis, bricht auseinander. Ein Opfer: einer der größten Süßwasserseen der kanadischen Arktis.

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          Das größte Schelfeis in der Arktis, das 443 Quadratkilometer große Ward-Hunt-Schelfeis, bricht auseinander. Das haben Forscher aus Kanada und den Vereinigten Staaten jetzt bei der Auswertung von Radarbildern und bei Expeditionen an den Nordrand der zur kanadischen Provinz Nunavut gehörenden Ellesmere-Insel festgestellt. In den vergangenen drei Jahren ist diese seit mindestens 3000 Jahren weitgehend stabile Eismasse in zwei Teile zerbrochen und hat mehrere große Eisinseln gekalbt. Die jeweils einige Quadratkilometer großen Gebilde stellen eine mögliche Gefahr für die Schiffahrt und die Ölförderanlagen in der Beaufort-See dar.

          Die meisten Eisschelfe kommen im Südpolargebiet vor. Dort entstehen solche "schwimmenden Gletscher", weil aus dem antarktischen Hochland Eisströme zur Küste fließen. Sie schmelzen beim Kontakt mit der See nicht, sondern beginnen, auf dem dichteren, kalten Meerwasser zu schwimmen. Die größten Eisschelfe, das Ross- und das Filchner-Ronne-Schelfeis, füllen große Teile der Randmeere des Südpolarmeeres. Kleinere Eisschelfe gibt es in nahezu jeder Bucht. Weil auf der Nordhalbkugel eine Landmasse im eigentlichen Polargebiet fehlt, gibt es dort auch keine ausgedehnten Gletscher, die Eisschelfe "füttern" könnten. Dennoch kommen auch im arktischen Raum Eisschelfe vor. Der amerikanische Polarforscher Peary stellte bei seinen Expeditionen in das Nordpolarmeer vor gut hundert Jahren fest, daß nahezu der gesamten nordamerikanischen Küste ein riesiges Schelfeis vorgelagert war. Seit Pearys Erkundungsfahrten ist der größte Teil dieses Eisschelfs entweder geschmolzen oder in mächtige Treibeistafeln zerbrochen, die in andere Gebiete des Arktischen Ozeans gedriftet sind. Das dem Norden der Ellesmere­Insel vorgelagerte Ward-Hunt-Schelfeis blieb aber weitgehend stabil. Derek Mueller und Warwick Vincent von der Universität Laval in Québec-Stadt haben nun zusammen mit Martin Jeffries von der Universität von Alaska in Fairbanks die Ausdehnung und den Zustand dieses Schelfeises untersucht. Sie werteten dazu Aufnahmen des kanadischen Satelliten Radarsat aus. Darüber hinaus überflogen sie das Schelfeis im Sommer 2002 mit einem Hubschrauber. Wie die drei Forscher in einer der nächsten Ausgaben der "Geophysical Research Letters" schreiben, ist das Eisschelf in zwei Teile zerbrochen. Die beiden etwa gleich großen Teile zeigen viele weitere Bruchlinien. Außerdem sind vom nördlichen Rand des Schelfeises mehrere jeweils einige Quadratkilometer große Eisinseln abgebrochen, die nun in Richtung Beaufort-See treiben.

          Das Auseinanderbrechen hat auch dazu geführt, daß einer der größten Süßwasserseen der kanadischen Arktis trockengefallen ist. Solche Seen entstehen, wenn sich Süßwasser landeinwärts hinter einem Schelfeis staut. Der jetzt abgelaufene See befand sich im 30 Kilometer langen und 400 Meter tiefen Disraeli-Fjord, dem das Ward-Hunt-Schelfeis vorgelagert ist. Er bestand aus einer etwa 40 Meter mächtigen Süßwasserschicht, die sich dem Salzwasser des Fjordes überlagert hatte. Dieser außergewöhnliche See beherbergte ein einzigartiges Ökosystem, in dem es sowohl Süßwasser- als auch Salzwasserplankton gab. Die Forscher werten das Auseinanderbrechen des Ward-Hunt-Schelfeises als weiteren Beweis für die seit einigen Jahrzehnten anhaltende Erwärmung des arktischen Raumes.

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