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Antarktis : Singende Eisberge

  • Aktualisiert am

Die Schwingungen entstehen, wenn Eisberge den Meeresboden rammen Bild: picture-alliance/ dpa

Erdbebenforscher haben in der Antarktis Schwingungen wie bei Vulkanausbrüchen gemessen. In der Gegend gibt es aber keine aktiven Vulkane. Nur Eisberge, die sich bewegen.

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          Als Mitarbeiter des Alfred-Wegener-Institutes (AWI) in Bremerhaven kürzlich die Aufzeichnungen der Erdbebenstationen in der Nähe der Neumayer-Polarstation in der Antarktis näher untersuchten, glaubten sie ihren Augen nicht zu trauen.

          Immer wieder zeigten die Meßgeräte während der Polarnacht Schwingungen der Erde, wie sie bis dahin nur von Vulkanen bekannt waren. Nicht nur hielten diese harmonischen Brummtöne mit äußerst tiefer Frequenz, der sogenannte Tremor, oft stundenlang an.

          Kein Vulkan, sondern ein Eisberg

          Es fanden sich auch Erschütterungen, die in den Seismogrammen den von vielen Vulkanen bekannten „Schraubenbeben“ täuschend ähnelten. Die nächsten Vulkane - auf Deception Island und Mount Erebus - sind allerdings Tausende von Kilometern von der Neumayer-Station entfernt. War man daher einem bisher unbekannten, unter dem Polareis verborgenen aktiven Vulkan auf die Spur gekommen?

          Wie die Forschergruppe um Christian Müller in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift „Science“ berichtet, entdeckte man zwar keinen neuen Vulkan, dafür aber etwas mindestens ebenso Interessantes, nämlich einen „singenden Eisberg“: Der Herd des Tremors, den die Bremerhavener Erdbebenkundler aus Seismogrammen berechneten, hatte kein festes Epizentrum.

          Kollision mit dem Meeresboden

          Vielmehr folgte er genau jenem Weg, den der große Tafeleisberg B-09A entlang der Küste des Dronning-Maud-Landes der Antarktis in Richtung Westen zurücklegte. Die Bewegung des Eisberges konnte auf den Aufnahmen von Radarsatelliten selbst in der Polarnacht genau verfolgt werden. Immer wenn der Eisberg den flachen Meeresboden rammte und dabei auf Grund lief, gab es Erschütterungen, die zunächst einem Erdbeben glichen.

          Die Kollision mit dem Meeresboden versetzte den Eisberg in lang anhaltende Schwingungen. Diese sahen auf den Seismogrammen genauso aus wie vulkanische Schraubenbeben. Wenn anschließend Meeresströmungen durch die Spalten und Risse des gestrandeten Eisberges flossen, begannen deren Wände ebenfalls zu schwingen.

          Ergebnisse könnten der Vulkanforschung nutzen

          Offenbar trugen auch Turbulenzen in der Wasserströmung dazu bei, daß der Eisberg in Schwingungen versetzt wurde. Die dabei entstehenden seismischen Signale sahen dem vulkanischen Tremor verblüffend ähnlich und waren so stark, daß sie noch in 800 Kilometer Entfernung vom Eisberg registriert werden konnten.

          Obwohl die Seismologen den Tremor an Vulkanen schon seit Jahrzehnten messen, fällt es ihnen äußerst schwer, seine Signale mit sinnvollen Modellen der physikalischen Vorgänge in einem Feuerberg zu interpretieren.

          Die Forscher des Alfred-Wegener-Institutes glauben, die zum Tremor führenden Mechanismen nun besser untersuchen zu können, beispielsweise, indem sie Seismometer auf den großen Tafeleisbergen und Eisinseln aufstellen. Das Fließen von Wasser durch Eisberge könnte damit zum besseren Verständnis des Flusses von Magma durch die Klüfte und Spalten eines Vulkans beitragen.

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