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Bewaldete Sahelzone : Der Traum von der großen grünen Mauer

Pflanzen heißt Hoffnung haben. Ein Mädchen wässert einen Gemeinschaftsgarten für Mitarbeiter der „Great Green Wall“ in Mbar Toubab, Senegal. Bild: Jane Hahn/Redux/laif

In Westafrika gedeihen am Südrand der Sahara mehr Bäume als erwartet. Tatsächlich wird die Sahelzone grüner. Die Frage ist, ob das den Menschen auch dauerhaft etwas nutzt.

          5 Min.

          Manchmal sieht man vor lauter Wüste die Bäume nicht. Mit diesem Satz lassen sich in etwa die Forschungsergebnisse zusammenfassen, die der Geograph Martin Brandt von der Universität Kopenhagen und seine Kollegen in der Zeitschrift „Nature“ veröffentlicht haben. Anhand von hochauflösenden Satellitenbildern zählten sie zum ersten Mal freistehende Bäume außerhalb bewaldeter Regionen in Westafrika. Auf 1,3 Millionen Quadratkilometern im Süden Mauretaniens sowie Teilen der sich südlich anschließenden Staaten Senegal, Gambia und Mali – einem Gebiet, das Abschnitte der Sahara, der Sahelzone und der subfeuchten Areale des südlichen Westafrikas umspannt – erfassten Brandt und seine Mitautoren mehr als 1,8 Milliarden Bäume. Dieses Ergebnis ist einigermaßen unerwartet. Vor allem in der Wüste stehen davon mehr als bislang gedacht. Bedeutet das, um die fragilen Landschaften am Südrand der Sahara ist es besser bestellt als erwartet?

          Rebecca Hahn

          Freie Autorin in der Wissenschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Spätestens seit den Dürreperioden in den 1970er und 1980er Jahren wird die Vegetation der Sahelzone genau beobachtet. 2018 stellten amerikanische Forscher fest, dass die Sahara sich seit 1920 um rund zehn Prozent ausgedehnt hat. Das nährte die Befürchtung, die weitere Ausbreitung der Wüste und der Verlust fruchtbarer Böden könnten Millionen von Menschen in der Sahelzone ihrer Lebensgrundlage berauben.

          Bäume sind hier vor allem potentielles Feuerholz

          So spielen Holzressourcen für die ländliche Bevölkerung im Sahel eine wichtige Rolle, vor allem Feuerholz zum Kochen. „In der Sahelzone kochen achtzig bis neunzig Prozent der Menschen mit Holz“, sagt Hannelore Kußerow, Biogeographin an der Freien Universität Berlin. Die Holzressourcen zu managen ist umso wichtiger, als manche Staaten der Sahelzone einige der höchsten Geburtenraten der Welt verzeichnen. Bislang blieben einzeln stehende Bäume jedoch unter dem Radar der Forscher, weil herkömmliche Satellitenbilder nur Gruppen von Bäumen erfassen.

          Das Aussäen ist eine Gemeinschaftsarbeit.
          Das Aussäen ist eine Gemeinschaftsarbeit. : Bild: Great Green Wall

          Die neue Studie liefert erstmals eine detaillierte Kartierung einzelner Bäume. Mit Hilfe eines Algorithmus durchsuchten die Forscher hochauflösende Satellitenbilder des Untersuchungsgebiets entlang eines Gradienten von null bis tausend Millimeter Niederschlag pro Jahr auf Bäume mit einer Kronenfläche von mindestens drei Quadratmetern. Je feuchter der jeweilige Landschaftsabschnitt, umso häufiger wurden die Wissenschaftler fündig. Doch selbst in den sehr trockenen und trockenen Gebieten zählten sie noch 0,7 bis nahezu zehn Bäume pro Hektar. Von dem Ergebnis sind die Wissenschaftler selbst überrascht: „Man denkt, die Sahara besteht nur aus Sand und Steinen“, sagt Martin Brandt. „Aber es gibt Gegenden mit einer sehr hohen Baumdichte, obwohl dort kaum Regen fällt. Das ist faszinierend.“

          Allerdings ist eine solche Baumzählung zunächst einmal nur eine Momentaufnahme. Um Aussagen treffen zu können, wie sich der Baumbestand entwickelt, bedürfte es ähnlicher Untersuchungen über längere Zeiträume hinweg, sagt Brandt. Lokale Studien verdeutlichten aber durchaus, dass die Baumdichte – verglichen mit den Dürreperioden vor einigen Jahrzehnten – wieder zunehme. Über einen längeren Zeitraum betrachtet, zeigt sich hingegen ein etwas anderes Bild. Wenn man sich Unterlagen und Kartenmaterial aus den 1950er Jahren anschaue, gebe es deutliche Hinweise darauf, dass die Vegetation damals noch wesentlich dichter gewesen sei, sagt Hannelore Kußerow. Damals habe es noch mehr Niederschläge als heute gegeben – und wesentlich weniger Menschen, die Holz einschlagen.

          Der Klimawandel kann auch anders

          Das beobachtete „Greening“, das Ergrünen der Sahelzone, trat erst in den vergangenen zwei Jahrzehnten auf. Nach den Dürrejahren fiel wieder mehr Niederschlag, so dass sich einige der ausgedörrten Landschaften wieder etwas erholen konnten.

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