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Alarmierende Bedrohung : Was kann ich gegen Artensterben tun?

Tote Bienenkönigin: Seit 1990 ist der Bestand der Insekten um 75 Prozent zurückgegangen. Bild: dpa

Die Nachricht ist alarmierend: Eine Million Tiere und Pflanzen drohen auszusterben. Auch in Deutschland zeigt sich ein Verlust an Vielfalt. Dagegen kann jeder etwas unternehmen – acht Tipps.

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          Das Aussterben von Arten ist keine ferne Erzählung aus dem Urwald, sondern eine Realität, die (auch) für den Menschen dramatische Konsequenzen haben wird. Laut einem globalen Bericht des Weltbiodiversitätsrats (IPBES) vom Montag sind eine Million Tier- und Pflanzenarten bedroht, unwiderruflich den Planeten Erde zu verlassen. Für die Neuauflage trugen 145 Autoren aus 50 Ländern drei Jahre lang Wissen aus Tausenden Studien und Dokumenten zusammen. Insekten, Säugetiere und Pflanzen erfüllen wichtige Aufgaben in ihren Ökosystemen. Die Tatsache, dass sie vom Aussterben bedroht sind, hat Folgen, wie der Vorsitzende des Weltbiodiversitätsrates Robert Watson eindrücklich warnt: „Wir erodieren global die eigentliche Basis unserer Volkswirtschaften, Lebensgrundlagen, Nahrungsmittelsicherheit und Lebensqualität.“

          Johanna Dürrholz
          Redakteurin im Frankfurter Allgemeine Magazin
          Martin Franke
          Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.
          Manfred Lindinger
          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Auch in Deutschland ist die Tier- und Pflanzenwelt vom Menschen bedroht. Was kann jeder Einzelne tun, um die Artenvielfalt zu erhalten? Wir haben acht Tipps für Sie:

          1. Weniger Fleisch essen

          „Ohne Fleisch ist's für mich keine Mahlzeit“ – aber mal ehrlich, brauchen wir wirklich jeden Tag ein Stück totes Tier auf dem Teller? Wenn nur jeder seinen Fleischkonsum ein bisschen einschränken würde – etwa dem unbeliebten Vorschlag der Grünen folgend und einen Veggie-Day einlegend –, dann wäre dem Klima schon ein ganzes Stück weitergeholfen. So wird etwa der Regenwald in Brasilien immer weiter abgeholzt, um Raum für die Sojaproduktion zu schaffen. Ein Großteil des Sojas wiederum landet nicht auf den Tellern der Vegetarier, sondern wird zu Viehfutter verarbeitet. Ein bisschen weniger Fleisch wäre da durchaus angebracht, denn: ganz ohne Verzicht geht's nicht! An welchem Tag man fleischfrei lebt, kann natürlich jeder selbst entscheiden.

          2. Öfter mal das Auto stehen lassen

          Eigentlich ist man es leid, immer wieder darauf hinzuweisen, dass man zum Briefkasten oder zum Bäcker auch zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren kann. Doch offenkundig sind einige Zeitgenossen nach wie vor taub. Zudem geht der Trend klar zum Drittwagen, wobei ein Fahrzeug oft ein SUV ist. Wenn Sie Fahrrad fahren, nutzen Sie Ihre eigene Muskelkraft und keinen Hilfs-E-Motor. Denn Lithium-Ionen-Batterien halten gewöhnlich nur fünf Jahre lang, dann müssen sie aufwendig entsorgt und wiederaufbereitet werden. Das kostet Energie, erzeugt Kohlendioxid und schadet damit der Umwelt und dem Klima. Ihre Muskelkraft ist nachhaltig – vorausgesetzt, sie wird ständig trainiert.

          3. Weniger mit dem Flugzeug reisen

          Muss es immer gleich Thailand sein? Zwar kommen die Urlaubsbilder von der obligatorischen Schaukel vorm türkisfarbenen Meer unter Umständen ein bisschen geiler als die von der Nordsee. Doch zur puren Entspannung muss man, gerade in einem Sommer wie dem vergangenen, gar nicht immer um die halbe Welt jetten. Am Strand in der Sonne liegen geht dann nämlich auch an der Nordsee. Und die erreicht man sogar per Zug. Flüge stoßen im Vergleich sehr viel CO₂ aus – eine Transatlantikreise von Düsseldorf nach New York City und zurück bedeuten etwa 3,5 Tonnen CO₂-Verbrauch pro Passagier. Das ist sehr viel, wenn man bedenkt, dass der Pro-Kopf-Konsum in Deutschland im Jahr 2016 bei 8,88 Tonnen lag.

          4. Den Rasen nicht/weniger mähen

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