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Supervulkanismus : Wahrscheinlich der Weltuntergang

Gesichert scheint immerhin, dass Supereruptionen nicht einfach nur große Vulkanausbrüche sind, sondern qualitativ andere Ursachen haben als reguläre Eruptionen wie die des Pinatubo. Zu diesem Schluss kamen zwei Arbeiten Schweizer Forschergruppen, die Anfang 2014 in Nature Geoscience erschienen. Das eine Team ermittelte im Labor die Dichte von Magma unter Drücken wie sie im Erdinneren herrschen. Sie erwies sich als so gering im Vergleich zu dem umgebenden Gestein, dass eine ausreichend große Magma-Ansammlung allein durch ihren Auftrieb aufsteigt – ähnlich einem unter Wasser gehaltenen und dann losgelassenen Ball. Dann beult sich die Erde aus, der Druck auf die Magma sinkt, wodurch gelöste Gase ausperlen wie in einer rasch geöffneten Sprudelflasche. Die Gase reißen die Erde ringförmig um die Beule auf, worauf die zentrale Gesteinsdecke über der Magmakammer nach unten sackt und enorme Mengen an Magma aus dem Spaltenring an die Oberfläche drückt, wo sie in kürzester Zeit als Lava und Asche austreten – eine Supereruption.

Die üblichen Verdächtigen

Solch große Magmamengen können sich aber nicht in jungen Vulkansystemen sammeln, schloss das zweite Schweizer Team aus theoretischen Berechnungen. Denn dort ist die obere Erdkruste noch so kalt und spröde, dass aufsteigendes Magma die Kammerwände nur elastisch verformt. Dabei entstehen feine Risse, durch die das Magma immer wieder in kleinen Eruptionen entweicht. Erst wenn die Wände einer Magmakammer im Laufe der Zeit plastisch verformbar werden, kann sich die Kammer ohne die Bildung entlastender Risse ausdehnen. Nun sammelt sich Magma, bis eine kritische Grenze erreicht ist und die glutflüssige Soße Auftrieb bekommt.

Wie im Fall von Yellowstone kann sich an einem Ort die Kruste durchaus mehrfach mit entsprechenden Magmamassen füllen. Dennoch muss der Herd der nächsten Supereruption nicht notwendig unter den üblichen Verdächtigen – Yellowstone, Toba, Taupo – schlummern. Es kann auch eine Vulkanprovinz sein, die bisher nur normale Aktivität gezeigt hat.

Kommt das Verderben aus den Anden?

Eine solche ist die Lazufre-Region am Vulkan Lastarria in den chilenischen Anden. Dort haben Forscher des GFZ mittels Satellitenmessungen eine 50 Kilometer große Beule gesichtet, die seit 1997 ungewöhnlich schnell anschwillt. Bis zu 2,5 Zentimetern im Jahr hebt sich dort der Boden.

Noch weiß man kaum etwas über die Struktur der Magmakammer darunter. Dazu müsste man ein umfassendes Netz von Seismometern installieren, um mittels Erdbebenwellen auf die Kammergeometrie zu schließen. Bislang waren dort nur 16 solcher Geräte im Einsatz – am Merapi auf Java sind es 130, aber die Beobachtung dieses Vulkans ist wegen dessen Nähe zur Millionenstadt Yogyakarta auch einfacher zu finanzieren. Doch selbst wenn Lazufre einmal so gut untersucht ist wie beispielsweise Yellowstone: ob und wann das Gebiet zum Inferno wird, ließe sich kaum vorhersagen. Und selbst wenn – unternehmen könnte man dagegen noch weniger als gegen einen drohenden Asteroideneinschlag.

Wer also eine Wette darauf abschließen möchte, wie die Welt untergeht, der sollte auf Vulkanismus setzen, zumal kosmische Treffer etwa zehnmal seltener vorkommen als Supereruptionen mit vergleichbaren globalen Auswirkungen. Schon ein neuer VEI-7-Ausbruch des Tambora hätte heute deutlich schlimmere Folgen als 1815, weil Asche und Aerosole Ernten vernichten würden, die ungleich mehr Menschen zu ernähren haben als damals. Und die Folgen für technisch komplexere Wirtschaftszweige lassen sich erahnen, wenn man an den Flugverkehr nach dem Ausbruch unter dem Eyjafjallajökull auf Island zurückdenkt. Ein Ausbruch vom Toba-Format würde unsere Zivilisation wohl kaum überleben. „Die ganze Erde war nur ein Gedanke“, heißt es in Byrons Gedicht „und der war Tod.“

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