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El Nino flaut früh ab : Kein Super-Klimachaos

Trockenheit in Nicaragua. Das Wasserreservoir Las Canoas vor Managua ist großteils ausgetrocknet. Eine Folge des aufziehenden El Ninos? Bild: AFP

Bauchlandung für die Klimavorhersagen: Vor wenigen Wochen hatten die Experten noch einen der stärksten El Ninos der letzten Jahre mit globalen Folgen prognostiziert. Jetzt macht sich das Klimaphänomen im Pazifik offenbar voreilig dünne.

          85 Prozent sind keine 100 Prozent. Ganz weit entfernt davon ist es dennoch nicht, zumindest nicht in der Alltagswahrnehmung. Deshalb waren sich in den zurückliegenden Monaten auch die Auguren in den großen El-Nino-Forschungszentren der Welt einigermaßen sicher, ob in den Vereinigten Staaten, Europa oder Australien, dass die Erwärmung des Pazifikwassers in den ersten Monaten des Jahres Vorbote für ein starkes El-Nino-Jahr sein würde. Jetzt herrscht große Ernüchterung.  Selbst wenn sich das Blatt noch einmal wenden sollte prognostiziert kein einziges der mehr als ein Dutzend Modelle einen Super-El-Nino.

          Die Entwicklung der Temperaturanomalien im Zentralpazifik. Deutlich zu erkennen: Die Abkühlung von Juni auf Juli.
          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Im Gegenteil: In der Prognose des amerikanischen Wetterdienstes und Klima- und Ozeanforschungszentrums NOAA von Ende vergangener Woche heißt es jetzt im monatlichen Bulletin: Die von den Bojen gemessenen Temperaturen hätten sich beinahe wieder normalisiert, „das Fehlen kohärenter atmosphärischer El-Nino-Muster und die Rückkehr zu durchschnittlichen Oberflächenwasser-Temperaturen im Zentralpazifik spricht für neutrale El-Nino-Bedingungen“. Immerhin: Einige Klimamodelle erwarten dennoch bis ins Frühjahr 2015 leicht erhöhte, um ein halbes Grad steigende Temperaturen. Die aus allen Modellen errechnete Wahrscheinlichkeit zumindest für einen moderaten El Nino sei auf 65 Prozent gesunken.

          Globale Auswirkungen des El Niño Phänomens von Dezember bis Februar

          El-Nino-Warnungen bedeuten vor allem: Überflutungsgefahren, Dürren und Wetterkapriolen nahezu weltwelt. In vielen Ländern richtet man sich bereits nach den Jahreszeitenvorhersagen, die großteils auf den El-Nino-Prognosen aufbauen.  In den südlichen Teilen der Vereinigten Staaten etwa kann es während eines El Nino zu Extremregenfällen kommen, sogar die Luftmassen und damit das Wetter über Europa werden beeinflusst, in Südostasien und Australien kommt es zu monatelangen Dürren, Ernteausfällen und der Gefahr von Buschfeuern. Nach den jüngsten Super-El-Nino-Prognosen hat man die ersten Dürren des Jahres, etwa in Nicaragua, bereits den ansteigenden Pazifiktemperaturen zugeschrieben.

          Prognosen der El-Nino-Vorhersagemodelle zur Temperaturanomalie des Pazifikwassers..

          El Nino sorgt, wenn er stark ausgeprägt ist, auch für Rekordtemperaturen weltweit. Zur Jahreswende 1997/98 trat so ein starker El Nino auf. Damals waren die gewöhnlich vom kalten, nährstoffreichen Humboldtstrom dominierten Wassermassen vor der Küste Perus und Ecuadors von wärmeren Wassermassen aus dem Westpazifik überdeckt worden. Auslöser ist jeweils, dass die starken Westwinde nachlassen, die den Meeresspiegel vor Indonesien anheben und um bis zu acht Grad stärker aufheizen verglichen mit der südamerikanischen Küste. Dir Folge: Die warmen Wassermassen aus dem Westen überfluten den Osten des Pazifiks. Klimatologen sprechen von einer Art „Klimaschaukel“.

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