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Eizellspende : Der Trend geht zur Perfektion

Bild: dpa

Wo Eizellen gespendet werden dürfen wie in New York, war den künftigen Eltern bislang vor allem eines wichtig: dass ihnen ihre Kindern ähnlich sehen. Eine neue Studie zeigt, dass heute die Spenderinnen von Eizellen deutlich mehr mitbringen müssen.

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          Seitdem ein australisches Paar im Jahr 1983 das erste Retortenbaby zur Welt brachte,  das nicht mit den eigenen Eizellen der Frau, sondern mit der Eizelle einer fremden Frau im Reagenzglas erzeugt worden war, steht dieser Wunsch ganz oben auf der Liste der unfruchtbaren Paare: Das Kind sollte, auch wenn es genetisch nur zur Hälfte von ihnen abstammt, zumindest äußerlich sehr ähnlich sein. Eizellen einer schwarzen Spenderin waren nur für die wenigsten weißen Paare tragbar. Für die fünf- bis zehntausend Dollar, die unfruchtbare Paare etwa in den Vereinigten Staaten ausgeben müssen, um an eine Eizellspenderin zu kommen, sollte das Ergebnis auch möglichst sozialverträglich sein.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          In Umfragen der letzten dreißig Jahre kam immer wieder heraus, dass sich viele Eltern einfach wünschen, dass ihr Wunschkind möglichst so aussieht, dass es wenigstens äußerlich wie ihr biologischer Sprössling aussieht. Viele Eltern gaben auch an, dass sie den Kindern unangenehme Überraschungen ersparen wollten. Mit anderen Worten: Sie wollten ihren Kindern ihre biologische Herkunft möglichst verheimlichen. Etwa die Hälfte der Paare hält nichts davon, ihren Kindern die Wahrheit über die Zeugung mitzuteilen. Das war damals so, und ist es heute offenbar auch noch, wenn man einer neuen Studie glauben darf, die ein Team von New Yorker Reproduktionsmedizinern in der Zeitschrift „Journal of Women's Health“ jetzt veröffentlicht hat. Im Hinblick auf die Offenlegung sind die Paare allerdings eher ungern auskunftsfreudig, die Daten sind nicht völlig eindeutig.

          Künstliche Befruchtung im Labor: Unter einem Mikroskop werden Spermien des Vaters in eine Eizelle der Mutter injiziert

          Was sich allerdings  aus der Befragung von 438 Eizell-Empfängerinnen der Jahre 2008 bis 2012 offenbar eindeutig verändert hat, ist  die Wunschliste der Spendermerkmale. Der genetische Hintergrund, sprich die ethnische Zugehörigkeit, spielt zwar immer noch für etwa die Hälfte der Empfängerinnen eine wichtige Rolle. Aber immer stärker werden Wunscheigenschaften genannt, die noch vor ein paar Jahren kaum eine Rolle spielten. So gaben in der Befragung 2012 55 Prozent der Empfängerinnen an,  die Intelligenz der Spenderin spiele für sie eine essentielle oder bevorzugte Rolle, vier oder fünf Jahre davor waren es nicht einmal ein Viertel der Frauen. die Gesundheit der Spenderin ist mittlerweile der wichtigste Faktor für die Auswahl der Eizellspenderin. Drei Viertel akzeptieren nur gesunde Spenderinnen. Vor fünf Jahren war es gerade einmal die Hälfte.  Und zum ersten Mal deutlich spürbar wird der Wunsch der unfruchtbaren Paare, nicht nur gesunde und kluge, sondern dazu auch noch sportliche Frauen auszuwählen: Die Eigenschaft „Athletik“ wurde früher von  einem Prozent der Paare, mittlerweile von siebzehn Prozent angegeben.

          Für Homero Flores, einen der Autoren der New Yorker Studie, spielen für die Paare „zunehmend praktische Erwägungen“ bei der Auswahl der Spenderinnen eine Rolle. Der Grund: Frauen, die selbst unfruchtbar sind, fühlen sich nach den Erfahrungen der Mediziner oft selbst verletzlich, anfällig, schwach und ängstlich. Aus dieser Erfahrung heraus wollten sie für den eigenen Nachwuchs das optimale Ergebnis erzielen und die größtmögliche Widerstandskraft gegen Anfeindungen und körperliche Mängel im Alltag herstellen. Die Mediziner glauben, dass sich dieser Trend in den nächsten Jahren noch verstärken werde, und zwar ganz einfach deshalb, weil Eizellspende dort, wo sie erlaubt ist wie in den Vereinigten Staaten, „sozial zunehmend akzeptiert„ werde. In Deutschland und Österreich sind Eizellspenden grundsätzlich verboten, in vielen anderen Ländern eingeschränkt oder nur als altruistische Spende (wie in Frankreich) möglich.

          Die Zahlen sprechen tatsächlich zumindest in den Vereinigten Staaten für eine Fortpflanzungspraxis für unfruchtbare Paare, die zunehmend nachgefragt wird. Einer Studie der Emory University and des nationalen Centers for Disease Control and Prevention zufolge, die vergangenes Jahr publiziert worden war, ist die Zahl von Befruchtungsversuchen nach einer Eizellspende innerhalb einer Dekade von  10.801 auf 18.306 angestiegen. Eizellspenden werden wie in der New Yorker Studie in der großen Mehrzahl  von Frauen jenseits der 40 in Anspruch genommen - häufig nachdem sie schon mehrere erfolglose künstliche Befruchtungen mit eigenen Eizellen hinter sich haben. In etwas mehr als der Hälfte der künstlichen Befruchtungen nach Eizellspende kamen der Statistik zufolge Kinder zur Welt. Meistens jedoch handelt es sich nicht  wie von den meisten Eltern gewünscht um Einzelkinder, sondern um Zwillinge oder Drillinge.

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