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Noble Exoplaneten : Es war der Erste von Tausenden

Eine Reise zu der neuen Welt kann man leider noch nicht buchen. Bild: Imago

Zum ersten Mal ist eine Entdeckung aus der beobachtenden Astronomie mit einem Physik-Nobelpreis geehrt worden. Allerdings fehlt ein Name, und das leider aus gutem Grund.

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          Cool! Die Astronomie hat endlich einen Nobelpreis!“ So twitterte am Dienstag der deutsche Astronom Heino Falcke. Da waren gerade die diesjährigen Physik-Preise verkündet worden. Die eine Hälfte geht an den Astrophysiker Jim Peebles aus Princeton für seine theoretischen Beiträge zur „Präzisions-Kosmologie“, dank der aus Messungen am Himmel auf physikalische Prozesse im frühen Universum geschlossen werden kann. Die andere Hälfte aber erhalten Michel Mayor und Didier Queloz von der Universität Genf – für die Entdeckung eines Planeten.

          Ulf von Rauchhaupt

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das war in der Tat neu. Denn diese Errungenschaft änderte eigentlich kein Iota am physikalischen Kenntnisstand. Dass Sterne von kleineren, nicht selbst leuchtenden Himmelskörpern umkreist werden können, wissen wir seit Kopernikus anhand unserer eigenen Erde. Und doch besteht kein Zweifel an der Nobelpreiswürdigkeit der Entdeckung, die Mayor und sein damaliger Doktorand Queloz Ende 1994 machten, am 6. Oktober 1995 auf einer Tagung bekanntgaben und am 23. November des gleichen Jahres in Nature veröffentlichten. Denn erstens haben die beiden damals nicht einfach nur durchs Fernrohr geguckt. Mayor und sein Team hatten ein ausgeklügeltes Instrument entwickelt, einen Spektrographen namens „Elodie“, mit dem sich winzige Verschiebungen in den Spektrallinien eines sich entlang der Sichtlinie bewegenden Sterns nachweisen ließe und zwar über Jahre hinweg – ein Meisterwerk physikalischen Apparatebaus.

          Die Planetensuche war schon in Verruf geraten

          Und nur mit einem solchen Gerät bestand damals eine Chance, das winzige Hinundherwackeln eines Sterns nachzuweisen, der mit einem Planeten um einen gemeinsamen Schwerpunkt kreist. Elodie war so effizient, dass die Genfer Astronomen damit eine Liste von 142 Sterne abklappern konnten. Bei 51 Pegasi wurden sie fündig. An diesem Stern in der Konstellation Pegasus zerrt ein Planet von mindestens der halben Jupitermasse. Aber zur Überraschung aller Fachleute, mussten die Genfer nicht Jahre abwarten, bis der Planet einen Orbit vollendet hatte, sondern nur etwas mehr als vier Tage. Also umkreist er seinen Stern in einem Hundertstel des Abstands, den die Sonne vom Jupiter trennt. Doch die eigentliche Sensation von 1995 war, dass da überhaupt ein anderer Stern als die Sonne einen Planeten beherbergt.

          Danach sah es damals nämlich nicht aus. Jahrzehnte schon hatte man versucht, planeteninduziertes Sterngewackel nachzuweisen – allerdings nicht spektrographisch, sondern astrometrisch, das heißt, durch den Nachweis entsprechender periodischer Änderungen von Sternpositionen am Himmel. Vergeblich. Das Feld begann in Verruf zu geraten. Wer sich damit beschäftigte, riskierte, für einen Spinner gehalten zu werden und Forschungsgelder oder Teleskopzeiten verweigert zu bekommen. Selbst das Wort „Planet“ wurde verdächtig, wenn es nicht um das Sonnensystem ging. Man sprach lieber von „substellar companions“ oder „low-mass companions“. Und noch im September 1995, Wochen bevor Mayor und Queloz ihre Entdeckung bekanntgaben, schrieb der Astrophysiker David Black vom Lunar and Planetary Science Institute in Houston: „Bis heute sind keine anderen Planetensysteme nachgewiesen, und das Fehlen einer solchen Entdeckung beginnt statistisch signifikant zu werden.“ Das sollte heißen: Wenn es Exoplaneten gibt, müssten wir schon welche gefunden haben. Also gibt es keine. Vielleicht hatte also doch der britische Physiker James Jeans (1877 bis 1946) recht, der vermutet hatte, unser Planetensystem könnte einen raren Sonderfall darstellen, entstanden aus einer ganz besonders gearteten Beinahekollision der Sonne mit einem anderen Stern.

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