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Blutdrucksenker : Ein Arzneimittelskandal und kein Ende

  • -Aktualisiert am

Durchschnittlich nehmen 80-Jährige acht verschiedene Medikamente am Tag. Bild: Philippe Huguen/AFP

Der Valsartan-Skandal um verunreinigte Blutdrucksenker aus China und Indien hinterlässt Spuren. Patienten sind verunsichert, die Fachleute fordern Qualitätssicherungen.

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          Um die Arzneimittelsicherheit steht es hierzulande offenbar nicht zum Besten. Jedenfalls wirkt wenig vertrauenserweckend, was unlängst im Zusammenhang mit einer Rückruf-Aktion für Blutdruckmedikamente zu beobachten war.

          Begonnen hat alles im vergangenen Sommer. Damals kam ans Licht, dass ein in China hergestellter Blutdrucksenker, der in Deutschland schon millionenfach verschrieben wurde, krebserzeugende Substanzen enthält. Betroffen war hiervon zunächst nur Valsartan, später kamen dann weitere sogenannte Sartane hinzu, darunter Irbesartan und Losartan. Aufgrund ihrer guten Verträglichkeit besonders beliebt, entspannen diese Mittel die Arterien und entlasten das Herz, indem sie das gefäßverengende Hormon Angiotensin von dessen Andockstellen im Herz-Kreislauf-System verdrängen. Wie sich schon bald zeigte, stammen die verunreinigten Medikamente mehrheitlich von derselben chinesischen Firma und manche von einem indischen Produzenten. Bei den giftigen Stoffen handelt es sich um Nitrosamine mit den Kürzeln NMDA und NDEA. Diese Verbindungen, die unter anderem auch im Zigarettenrauch vorkommen, führen bei Tieren in hoher Dosierung zu Krebs und unterliegen daher strengen Grenzwerten. In den zurückgezogenen Blutdrucksenkern wurden zwar nur kleine Mengen dieser kanzerogenen Stoffe gefunden. Da hoher Blutdruck, eine Hypertonie, in aller Regel aber nicht vergeht, müssen die Betroffenen meist ein Leben lang Hochdruckmittel einnehmen. Schon eine geringe Schadstoffbelastung dieser Medikamente birgt daher ernstzunehmende gesundheitliche Gefahren.

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