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Klima-Ökonom Ottmar Edenhofer : „Kein Wunder, dass wir nicht vorankommen“

Auch Aktivisten sind immer dabei, wenn der Weltklimarat tagt. Bild: AP

Ist der Weltklimarat IPCC reif für Reformen? Einer aus der ersten Reihe, der Potsdamer Ökonom Ottmar Edenhofer, spricht im Interview über den bevorstehenden Umbruch und das „Klingelbeutelsystem“ der Klimapolitik..

          Vor wenigen hatten hat das Plenum des Weltklimarates IPCC beim Treffen der Regierungsvertreter und IPCC-Experten über die Neubesetzung an der Spitze entschieden. Es wurde überraschend ein Südkoreaner: Hoesung Lee. Ottmar Edenhofer, der bisherige Kovorsitzender der dritten Arbeitsgruppe ist ausgeschieden, Hans-Otto Pörtner vom Alfred-Wegener-Institut ist neuer Kovorsitzender der Arbeitsgruppe zwei geworden. Wir haben den Klima-Ökonomen Edenhofer über seine Einschätzung zur Zukunft befragt, nachdem er zuvor öffentlich eine Neuausrichtung des Weltklimarates gefordert hatte (siehe hier).

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          FRAGE: Trauen Sie dem Weltklimarat mit seinem neuen Vorsitzenden Hoesung Lee die großen Reformen zu, die Sie und andere zuletzt öffentlich gefordert haben?

          Die Vorschläge, die wir unterbreitet haben, sind ein machbares Reformprogramm, man wird sehen, ob Hoesung Lee es sich zu eigen macht. Die Spielräume für den neuen Vorsitzenden sind extrem eng. Die Regierungen haben schon im Februar in Nairobi erkennen lassen, dass sie den status quo am liebsten beibehalten möchten. Wenn Lee die Reformen will, muss er sehr schnell und kraftvoll handeln. Er ist allerdings extrem abhängig davon, dass das Panel des IPCC zustimmt, in dem nur die Regierungen stimmberechtigt sind und das Sagen haben.

          Prof. Ottmar Edenhofer

          Insgesamt sollen die Lösungen der Klimakrise jetzt deutlich im Vordergrund stehen. Was muss sich beim IPCC ändern?

          Das erste Ziel des IPCC muss sein, den gesamten Lösungsraum der Klimapolitik auszuleuchten. Die Entscheidungsträger müssen verstehen, wie sie sich an den unvermeidbaren Klimawandel anpassen können und wie sie gefährlichen Klimawandel vermeiden können. Dazu müssen die Arbeitsgruppen zwei und drei stärker zusammen arbeiten. Wenn Lee das anpacken will, muss er eine gewaltige Managementaufgabe meistern. Die zweite große Aufgabe bestünde darin, die bisherigen Klimapolitiken der Regierungen auszuwerten. Dazu muss Lee allerdings einen intensiven Dialog mit den Regierungen führen, denn die Regierungen haben bislang immer wieder signalisiert, dass ihnen das eigentlich gar nicht so recht ist. Im Grunde braucht Lee einen großen Plan mit langfristigen und kurzfristigen Reformen, die er umsetzen kann.

          Ist damit zu rechnen, dass sich etwas an den Strukturen ändert? Sein Vorgänger Pachauri war wegen einiger Fehler gezwungen worden, den IPCC transparenter und effizienter zu machen.

          Der IPCC ist während des letzten Sachstandsberichtes viel effizienter und transparenter geworden. Hoch interessant wird jetzt sein, welche Sonderberichte er bis zum sechsten Sachstandsbericht durchsetzen kann. Das entscheidet darüber, welche inhaltliche Linie eingeschlagen wird. Dazu hat er noch nichts gesagt.

          Was könnte das große Thema der nächsten Jahre werden?

          Es liegt der Vorschlag eines Sonderberichtes vor, zur Ausgestaltung von Kohlendioxidsteuern und Emissionshandelssystemen. Das ist sein Thema. Ob die Delegierten da mitmachen werden, wissen wir noch nicht. Nahrungsmittelsicherheit und Klimawandel, auch die Rolle der Ozeane sind weitere Themen. Welche Sonderberichte angepackt werden, wird im Februar nächsten Jahres entschieden, denn auch Sonderberichte sind sehr zeitaufwendig. Wenn er relevante Sonderberichte will, muss er schnell einen Konsens unter den Regierungen herbeiführen.

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