https://www.faz.net/-gwz-88yak

Klima-Ökonom Ottmar Edenhofer : „Kein Wunder, dass wir nicht vorankommen“

Auch Aktivisten sind immer dabei, wenn der Weltklimarat tagt. Bild: AP

Ist der Weltklimarat IPCC reif für Reformen? Einer aus der ersten Reihe, der Potsdamer Ökonom Ottmar Edenhofer, spricht im Interview über den bevorstehenden Umbruch und das „Klingelbeutelsystem“ der Klimapolitik..

          Vor wenigen hatten hat das Plenum des Weltklimarates IPCC beim Treffen der Regierungsvertreter und IPCC-Experten über die Neubesetzung an der Spitze entschieden. Es wurde überraschend ein Südkoreaner: Hoesung Lee. Ottmar Edenhofer, der bisherige Kovorsitzender der dritten Arbeitsgruppe ist ausgeschieden, Hans-Otto Pörtner vom Alfred-Wegener-Institut ist neuer Kovorsitzender der Arbeitsgruppe zwei geworden. Wir haben den Klima-Ökonomen Edenhofer über seine Einschätzung zur Zukunft befragt, nachdem er zuvor öffentlich eine Neuausrichtung des Weltklimarates gefordert hatte (siehe hier).

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          FRAGE: Trauen Sie dem Weltklimarat mit seinem neuen Vorsitzenden Hoesung Lee die großen Reformen zu, die Sie und andere zuletzt öffentlich gefordert haben?

          Die Vorschläge, die wir unterbreitet haben, sind ein machbares Reformprogramm, man wird sehen, ob Hoesung Lee es sich zu eigen macht. Die Spielräume für den neuen Vorsitzenden sind extrem eng. Die Regierungen haben schon im Februar in Nairobi erkennen lassen, dass sie den status quo am liebsten beibehalten möchten. Wenn Lee die Reformen will, muss er sehr schnell und kraftvoll handeln. Er ist allerdings extrem abhängig davon, dass das Panel des IPCC zustimmt, in dem nur die Regierungen stimmberechtigt sind und das Sagen haben.

          Prof. Ottmar Edenhofer

          Insgesamt sollen die Lösungen der Klimakrise jetzt deutlich im Vordergrund stehen. Was muss sich beim IPCC ändern?

          Das erste Ziel des IPCC muss sein, den gesamten Lösungsraum der Klimapolitik auszuleuchten. Die Entscheidungsträger müssen verstehen, wie sie sich an den unvermeidbaren Klimawandel anpassen können und wie sie gefährlichen Klimawandel vermeiden können. Dazu müssen die Arbeitsgruppen zwei und drei stärker zusammen arbeiten. Wenn Lee das anpacken will, muss er eine gewaltige Managementaufgabe meistern. Die zweite große Aufgabe bestünde darin, die bisherigen Klimapolitiken der Regierungen auszuwerten. Dazu muss Lee allerdings einen intensiven Dialog mit den Regierungen führen, denn die Regierungen haben bislang immer wieder signalisiert, dass ihnen das eigentlich gar nicht so recht ist. Im Grunde braucht Lee einen großen Plan mit langfristigen und kurzfristigen Reformen, die er umsetzen kann.

          Ist damit zu rechnen, dass sich etwas an den Strukturen ändert? Sein Vorgänger Pachauri war wegen einiger Fehler gezwungen worden, den IPCC transparenter und effizienter zu machen.

          Der IPCC ist während des letzten Sachstandsberichtes viel effizienter und transparenter geworden. Hoch interessant wird jetzt sein, welche Sonderberichte er bis zum sechsten Sachstandsbericht durchsetzen kann. Das entscheidet darüber, welche inhaltliche Linie eingeschlagen wird. Dazu hat er noch nichts gesagt.

          Was könnte das große Thema der nächsten Jahre werden?

          Es liegt der Vorschlag eines Sonderberichtes vor, zur Ausgestaltung von Kohlendioxidsteuern und Emissionshandelssystemen. Das ist sein Thema. Ob die Delegierten da mitmachen werden, wissen wir noch nicht. Nahrungsmittelsicherheit und Klimawandel, auch die Rolle der Ozeane sind weitere Themen. Welche Sonderberichte angepackt werden, wird im Februar nächsten Jahres entschieden, denn auch Sonderberichte sind sehr zeitaufwendig. Wenn er relevante Sonderberichte will, muss er schnell einen Konsens unter den Regierungen herbeiführen.

          Weitere Themen

          Das Schöne, Wahre und Schmutzige Video-Seite öffnen

          Physikästhetik : Das Schöne, Wahre und Schmutzige

          Seit 400 Jahren lassen Physiker sich bei der Suche nach brauchbaren Theorien über die Natur von ästhetischen Erwägungen leiten. Heute wird bezweifelt, ob das grundsätzlich eine gute Idee ist. Zu Unrecht.

          Topmeldungen

          Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier gibt seine Stimme bei der Europawahl am Sonntag in Gießen ab.

          Europawahl-Liveblog : Hohe Wahlbeteiligung in Deutschland – ÖVP siegt in Österreich

          +++ Kaum Verluste für FPÖ +++ Nationalistische EU-Kritiker in in einigen großen Ländern vor Triumphen +++ Streit zwischen SPD- und AfD-Kandidaten in Rastatt +++ Alle Informationen im FAZ.NET-Liveblog:
          In diesem Haus in Essen führten die Behörden am vergangenen Freitag ein Razzia gegen „Al-Salam 313“ durch.

          Gegen Clans und Rocker : Kriminelle Vielfalt

          Die irakisch-syrische Bande „Al-Salam 313“ soll unter anderem in Rauschgiftschmuggel und Waffenhandel verwickelt sein. Deshalb gehen die Behörden nun verstärkt gegen sie vor. Die Kontakte reichen bis zu kriminellen Clans.

          Ibiza-Affäre : Aufnahme läuft

          Zur Herkunft des Ibiza-Videos bringt das ZDF wieder das „Zentrum für politische Schönheit“ ins Spiel. Die Aktivistengruppe dementiert. Als Drahtzieher der für die FPÖ-Politiker Strache und Gudenus aufgestellten Video-Falle hat sich der Anwalt Ramin M. eindeutig bekannt.
          Lewis Hamilton gewinnt das Rennen in Monte Carlo und denkt dabei an den verstorbenen Niki Lauda.

          Formel 1 in Monaco : „Das war das härteste Rennen meines Lebens“

          Weltmeister Lewis Hamilton muss alles aufbieten, um einen grandiosen Grand Prix zu gewinnen. Den Sieg widmet er Niki Lauda. Sebastian Vettel profitiert von einer Strafe. Gar nicht gut läuft es für den anderen Ferrari-Piloten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.