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Ebola-Epidemie : Die Angst vor der weltweiten Gesundheitskrise

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Krankenpfleger in Monrovia. Bild: AFP

Die Ebola-Seuche zieht immer weitere Kreise, die Opferzahlen steigen ungebrochen. Präsident Obama warnt vor einer weltweiten Gesundheitskrise. Die Bundesregierung will deutsche Infektiologen nach Afrika schicken. Und Sierra Leone verhängt eine umstrittene Ausgangssperre.

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          Der amerikanische Präsident Barack Obama hat sich für größere Anstrengungen im Kampf gegen Ebola ausgesprochen. Die Vereinigten Staaten müssten mehr gegen die Epidemie in Westafrika tun, damit sie nicht zu einer weltweiten Gesundheitskrise werde, sagte er in einem Interview. Die deutsche Regierung kündigte an, Fachleute für Infektionsschutz nach Afrika zu schicken. In Sierra Leone kündigte am Sonntag eine mehrtägige Ausgangssperre wegen der Ebola-Epidemie an. Dann sollen Teams von Haus zu Haus ziehen und mögliche Ebola-Kranke finden. Das Land in Westafrika ist neben Liberia und Guinea am stärksten von Ebola betroffen.

          In dem am Sonntag ausgestrahlten Interview des Senders NBC sagte Obama, dass ein Übergreifen auf die Vereinigten Staaten auf kürzere Sicht zwar unwahrscheinlich sei. Aber wenn die Vereinigten Staaten und andere Länder nicht rasch mehr Hilfen etwa in Form von Ausrüstung oder Personal leisteten, könne sich das ändern. Die Bundesregierung kündigte ein Trainingsprogramm in Zusammenarbeit mit dem Robert-Koch-Institut an - der zentralen Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und -prävention. „Mit Hilfe deutscher Experten wird das medizinische Personal in den Krankenhäusern im Umgang mit hochansteckenden Krankheiten wie Ebola geschult“, sagte Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) der „Rheinischen Post“. Es gehe darum, „eine Ebola-Erkrankung schnell zu erkennen, die Patienten gut und sicher zu versorgen und dafür zu sorgen, dass eine weitere Ansteckung vermieden wird“.

          Eine Wand wird desinfiziert.
          Eine Wand wird desinfiziert. : Bild: AFP

          Bisher hat Deutschland die internationalen Hilfsbemühungen mit 2,4 Millionen Euro unterstützt. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind allein in den drei am schwersten betroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone inzwischen mindestens 2097 Menschen an Ebola gestorben (Stand: 5. September). Die WHO und auch Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen gehen davon aus, dass die Ebola-Epidemie noch mehrere Monate lang dauern kann. Ein Regierungssprecher in Sierra Leone sagte, die Ausgangssperre werde vom 19. bis 21. September dauern. Mediziner-Teams würden von Tür zu Tür gehen, um Ebola-Kranke zu finden. Von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen kam deutliche Kritik an der Idee. Es bedürfe Helfer mit viel Erfahrung, um bei einem solchen Tür-zu-Tür-Screening Menschen mit Ebola-Symptomen auszumachen, hieß es in einer Stellungnahme der Organisation. „Entscheidend aber ist: Selbst wenn potenzielle Patienten ausgemacht sind, wird es nicht genug Ebola-Zentren geben, die sich um sie kümmern könnten.“

          Ohne Platz zur Untersuchung und Behandlung von Verdachtsfällen habe das ganze Vorhaben keinen Sinn. Die Erfahrung der vergangenen Monate habe bei der Ebola-Epidemie in Westafrika zudem gezeigt, dass Quarantänemaßnahmen und Ausgangssperren bei der Eindämmung von Ebola nicht helfen, hieß es weiter. Sie führten zu mehr Misstrauen der Menschen untereinander und gegenüber dem Gesundheitswesen. In der Folge würden erkrankte Familienmitglieder eher versteckt und die Epidemie so noch stärker beschleunigt.

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