https://www.faz.net/-gwz-8g94q

Flugsicherheit : Kanonen gegen Drohnen

  • -Aktualisiert am

Bild: Getty

Immer mehr privates Fluggerät schwirrt in unseren Lufträumen herum. Höchste Zeit, sich Gedanken über eine effektive Abwehr zu machen.

          Was am vergangenen Sonntag am Londoner Flughafen Heathrow passiert ist, dürfte manchen Luftfahrtexperten erschreckt haben. Überrascht hat es vermutlich keinen. Nach der Landung einer Maschine der British Airways aus Genf meldete der Pilot, dass sein Flugzeug beim Anflug von etwas getroffen wurde, wahrscheinlich habe eine kleine Drohne die Front des Airbus A320 mit 132 Passagieren gerammt. Sollte sich das bestätigen, wäre dies der erste dokumentierte Zusammenstoß zwischen einer Drohne und einem Flugzeug.

          Die erste unheimliche Begegnung dieser Art wäre es jedoch nicht. Im Juli 2015 näherte sich eine Drohne einer Lufthansa-Maschine beim Anflug auf Warschau auf etwa 100 Meter. So schilderte es jedenfalls der Pilot. Die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA registrierte allein seit August 2015 über 583 Drohnenbegegnungen. Bei einer davon habe ein Flugzeug eine Drohne in gut zwei Kilometer Höhe um nur einige Meter verfehlt.

          Regulieren und Sabotieren

          Dass sich solche Fälle häufen, überrascht nicht. Drohnen, also kleine, einfach zu steuernde Fluggeräte, haben weltweit Konjunktur. Die Deutsche Presseagentur berichtet von bislang 400000 Drohnen, die hierzulande an private und kommerzielle Kunden verkauft wurden. In den Vereinigten Staaten werden nach Schätzungen der FAA in diesem Jahr 1,9 Millionen private Drohnen über die Ladentische gehen. Dieser Boom hat zwei Reaktionen angestoßen. Zum einen bemühen sich Behörden, seiner mit Regulierungen Herr zu werden. Zum anderen hat ein kleiner Industriezweig die Drohnen-Abwehr als Geschäft entdeckt.

          Denn die unbemannten Fluggeräte können gefährlich werden, etwa dann, wenn sie in das Triebwerk eines Verkehrsflugzeuges geraten. Aber es geht nicht nur um die Luftfahrt. Im Mai 2015 krachte eine Drohne auf einer Autobahnauffahrt in Bochum gegen die Windschutzscheibe eines Autos. Im Januar desselben Jahres stürzte die Drohne eines betrunkenen amerikanischen Geheimdienstmitarbeiters auf den Rasen des Weißen Hauses, was die Angst vor Terroranschlägen mittels Drohnentechnik nährte. Und selbst in Deutschland wurden schon mehrfach auf Gefängnishöfen havarierte Drohnen mit Rauschgift an Bord gefunden.

          Zu klein für das Radar der Flugsicherung

          In Amerika hat der Gesetzgeber bereits reagiert: Seit Dezember müssen sich Besitzer von Drohnen bei der FAA registrieren und eine Art Nummernschild zum Aufkleben beantragen. Wer sein Gerät ohne Registrierung starten lässt, dem drohen bis zu 27500 Dollar Strafe. Vorschriften gibt es auch bei uns: In einem 16-Kilometer-Umkreis um internationale Flughäfen dürfen Drohnen nur mit Freigabe der Flugsicherung abheben. In weniger als 1,5 Kilometer Abstand zum Flughafenzaun sind sie komplett verboten. Außerdem dürfen die Piloten ihre Fluggeräte niemals aus den Augen verlieren.

          Allein, diese Regeln sind kaum durchzusetzen. So sind die Flugroboter für die Radarantennen der Deutschen Flugsicherung (DFS) einfach zu klein. Wie die DFS-Sprecherin Ute Otterbein erklärt, handelt es sich bei den bekannten Vorfällen um Sichtungen durch Piloten. „Und die haben daher eine gewisse Unschärfe.“ Klar sei jedoch, dass sich solche Berichte häufen. „Und wir wollen uns das nicht einfach so anschauen, sondern aktiv werden.“

          GPS könnte helfen

          Nur wie? DFS-Chef Klaus-Dieter Scheurle fordert eine Kennzeichnungspflicht für Drohnen, um Besitzer, die ihre Geräte missbräuchlich benutzen, aus dem Verkehr zu ziehen. Bei einer anderen Maßnahme, dem „Geofencing“, müssen die Behörden auf die Hilfe der Hersteller setzen. Dabei wird den Drohnen ab Werk einprogrammiert, welche Areale sie nicht überfliegen dürfen. Wird eine verbotene Zone angesteuert, landet die Drohne entweder oder bleibt wie vor einem unsichtbaren Zaun stehen. Mehrere Hersteller haben ihre Fluggeräte bereits mit solchen Systemen ausgestattet.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          „Fridays for Future“-Demonstration vom vergangenen Freitag in Berlin

          „Fridays for Future“ : Glaube an die eigene Macht

          Eine Studie zeigt, wie die Demonstranten der „Fridays for Future“-Proteste ticken. Was ihre Motive sind, welchen sozialen Hintergrund sie haben – und für welche Parteien sie stimmen würden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.