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Filmfestival State Experience : Die Kunst will es wissen

Szene aus dem Science-Fiction-Film „On/Off“ von Thierry Lorenzi Bild: Imagine Science Films / Thierry Lorenzi

Ein junges Festival der besonderen Art: Kunst und Wissenschaft treffen diese Woche in Berlin aufeinander und zeigen ihre Erkenntnisse in Kurzfilmen. FAZ.NET stellt die besten Filme vor.

          7 Min.

          Ein forschender Fuchs erschießt sich im Wald, weil er an seinem unfertigen Atommodell verzweifelt. Eine afrikanische Albino trainiert für die Mondlandung, in dem sich in der Blechtonne einen Hügel hinab stürzt. Eine Frau ist auf der Suche nach sich selbst und sammelt tote Tiere in Plastiktüten. Eine Astronautin erfährt während eines Außenbordeinsatzes eine Metamorphose. Nein, die beschriebenen Szenen kommen nicht in Filmen eines Fantasy-Festivals vor. Sie sind Elemente von Kurzfilmen, die das Experience Science Festival „State of Time“ in Berlin im Rahmen seines Filmfestivals zeigt. Es beginnt an diesem Dienstag, der zweite Teil findet am Mittwoch statt.

          Marco Dettweiler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dieses Festival ist ein Experiment. Zum ersten Mal treffen in Deutschland Künstler und Wissenschaftler an drei Tagen an einem Ort aufeinander, um sich gegenseitig inspirieren zu lassen. Das Thema des Festivals ist „Zeit“. Durch Gespräche, Ausstellungen, interaktive Experimente, Workshops und eben Filme soll eine konstruktive Atmosphäre entstehen, von denen sowohl die Kunst als auch die Wissenschaft profitieren soll.

          Die Veranstalter setzen auf die riesige wissenschaftliche Gemeinschaft, die mittlerweile in Berlin gewachsen ist, zu der ein mindestens genauso großer künstlerischer Kreis hinzu kommt. An diesem Freitag und Samstag sollen die Neugierigen aus beiden Bereichen eine temporäre Heimat finden. Und es soll all diejenigen neugierig machen, die noch keine Gemeinsamkeiten zwischen Wissenschaft und Kunst sehen.

          State Festival : Kunst trifft Wissenschaft

          Das Kurzfilmfestival ist gewissermaßen der vorweggenommene, visualisierte Erkenntnisprozess, der aufgrund seiner geschlossenen Form im Vorfeld zeigen wird, wie die Erträge des gesamten Festivals aussehen könnten. Die 26 Kurzfilme und ein Film mit Spielfilmlänge, die in der Berliner Platoon-Kunsthalle am Dienstag ab 19 Uhr und am Mittwoch ab 20 Uhr gezeigt werden, sind aus zirka 1000 Einsendungen ausgewählt worden. Die Ausschreibung haben die Veranstalter des Berliner Festivals zusammen mit „Imagine Science Films“ organisiert, die dieses Jahr bereits zum siebten Mal in New York ein Festival veranstaltet haben.

          Die Voraussetzung, um mitmachen zu dürfen, war ein Beitrag, der das Thema „Zeit“ behandelt. Die Darstellungsform ist offen. So findet man Feature-Filme genauso wie Dokumentation und Animationen. Der kürzeste Film („Head Space“) dauert gerade mal eine Minute, der längste („The Creeping Garden“) hat mit 81 Minuten Spielfilmlänge und feiert in Berlin Europapremiere. Die Filme unterscheiden sich nicht nur in Darstellungsform und Länge. So zeigen einige Filmemacher ihr Werk das erste Mal, andere konnten ihre Filme bereits auf der Berlinale („Symphony no. 42“), dem Sundance Festival („Blame it on the seagull“), dem SXSW-Filmfestival („Magnetic Reconnection“) oder der Biennale in Venedig („Living Still-Life“) zeigen.

          Ebenso variiert der Grad der künstlerischen Innovation. Filme wie „Copper“ nutzen einen klassischen dokumentarischen Stil, um auf die gefährliche Arbeit von Kindern in Indien aufmerksam zu machen. „Living Still-Life“ hingegen erzählt die fiktive Geschichte einer Frau, wobei sich die narrative Ebene den bildgewaltigen Sequenzen unterordnet, sodass der Zuschauer stark auf seine Assoziationen angewiesen ist, um überhaupt eine erzählerische Perspektive entdecken zu können.

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