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Die Debatte: Digitale Kindheit : Wie behalten wir den Anschluss?

  • -Aktualisiert am

Jugendliche im Klassenraum. Bild: dpa

Die Klassenzimmer in Deutschlands Schulen sind digital minderbemittelt und die Lehrer unzufrieden. Schadet das unseren Kindern? „Die Debatte“ beschäftigt sich heute Abend ab 19 Uhr im Livestream mit der digitalisierten Kindheit. Sie können mitdiskutieren.

          7 Min.

          Wann schadet Medienkonsum eher und wo bietet er Chancen? Was können Eltern richtig und falsch machen? Wie und ab welchem Alter sollten digitale Medien in Kindergärten und Schulen eingesetzt werden? Diese und auch Ihre Fragen rund um das Thema „Digitalisierte Kindheit” diskutieren wir bei „Die Debatte“. Auf dem Podium zu Gast sein werden die Medienpädagogin Prof. Dr. Paula Bleckmann von der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, der Neurowissenschaftler Prof. Dr. Martin Korte von der Technischen Universität Braunschweig und der Medien- und Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Peter Vorderer von der Universität Mannheim. Christoph Koch und Dr. Mai Thi Nguyen-Kim moderieren die Veranstaltung. Die im Haus der Wissenschaft in Braunschweig  stattfindende Live-Debatte übertragen wir an diesem Donnerstag ab 19 Uhr im Livestream. 

          Rechnen am Tablet im Mathematikunterricht, virtuelle Museumsbesuche im Geschichtsunterricht und Trickfilme erstellen im Fremdsprachenunterricht. Keine Utopie, sondern die Realität an vielen Schulen. Digitale Medien halten Einzug in die Klassenzimmer und das Thema kommt allmählich auch auf die politische Agenda, wie der Vorschlag des Bundesforschungsministeriums für den DigitalPakt#D zeigt. Allein fünf Milliarden Euro sollen laut diesem in den nächsten fünf Jahren in die Digitalisierung der deutschen Schulen fließen. Eine Summe, die zeigt, dass das Thema an Gewicht gewinnt.

          In der Grundschule schon?

          Doch sollte digitale Bildung auch in der Grundschule schon fest verankert sein? Häufig wird der Digitalisierung der Schule mit Skepsis und auch Ängsten begegnet. Für Klaus Zierer, Ordinarius für Schulpädagogik an der Universität Augsburg, ist jedoch klar:  „Wer der Auffassung ist, dass Digitalisierung kein Thema für Bildung ist, verkennt die Realität.“ Damit sollte man schon früh anfangen, findet Stefan Aufenanger, Professor für Erziehungswissenschaften und Medienpädagogik an der Universität Mainz. „Immer jüngere Kinder nutzen digitale Medien. Deswegen ist die Grundschule oder die Kindertageseinrichtung ein pädagogischer Ort, an dem wir Kindern den sinnvollen Umgang mit digitalen Medien zeigen können.“

          Dabei müsse das Ziel der Schulen vor allem die Vermittlung von Medienkompetenz sein. „Darunter versteht man den kompetenten Umgang mit Medien allgemein. Das heißt, dass man weiß, wie sie funktionieren, für was sie eingesetzt werden, dass man sie sozial verantwortlich benutzt und selbstständig damit umgehen kann“, sagt Aufenanger.

           Schüler der vierten Klasse der Grundschule «Wilhelm Busch» in Altenburg.

          Was heißt schon Medienkompetenz?

          Doch sind Kinder im Grundschulalter überhaupt schon in der Lage solche Kompetenzen zu erlernen? Und falls ja, wie vermittelt man sie? „Es ergibt Sinn, bei Kindern zunächst mit einfacheren Medien, wie Büchern und Bildern, in den Medienkontext einzusteigen. In dem Maße jedoch, in dem Kinder bereits in digitalen Welten unterwegs sind, sollte man auch medienerzieherisch tätig werden“, sagt Rudolf Kammerl, Lehrstuhlinhaber des Lehrstuhls für Pädagogik und Leiter des Instituts für Lern-Innovation an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Medienerzieherisch insofern, als dass man versuchen sollte, die Inhalte und den Umfang der Mediennutzung zu beeinflussen. Eine kritische Reflexion im Umgang mit Medien könne in dem Alter aber noch nicht stattfinden. Zierer sieht das anders, er betont, „besonders der kritisch-reflektierte Umgang, das Wissen um die Grenzen der Digitalisierung und das Vermögen, Technik nicht nur einzuschalten, sondern auch auszuschalten, sollten bereits in der Grundschule im Fokus stehen.”  In der kreativen Gestaltung digitaler Medien und der Zusammenarbeit sehen sowohl Kammerl, Aufenanger wie auch Zierer ein großes Potenzial für den Grundschulunterricht: „Das Ziel ist, Kindern zu vermitteln, dass sie nicht nur Rezipienten der digitalen Medien sind, sondern auch Gestalter sein können.“

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