https://www.faz.net/-gwz-a3ffc

Quarantäne bis Reisekontrolle : Was gegen die Corona-Pandemie wirkt

Corona-Massentest an der Uni Wien Bild: EPA

Tausende Studien zur Corona-Pandemie sind bislang erschienen. Dutzende Vorgaben wurden ergriffen, abgesetzt und wieder eingesetzt – und doch herrscht noch immer keine Klarheit, was am besten vor der Ausbreitung des Virus schützt. Ein paar Erkenntnisse gibt es dennoch.

          4 Min.

          Es scheint wie ein Widerspruch, ist es aber nicht: Einerseits vermehrt sich Wissen weiter explosionsartig, andererseits hadern auch Forscher mit der Studienflut. Zehntausende Forschungsstudien zum Pandemie-Virus Sars-CoV-2 und zu der von ihm verursachten Krankheit Covid-19 sind in nur neun Monaten dieser Pandemie erschienen, Dutzende Maßnahmen wurden weltweit ergriffen, abgesetzt und wieder eingesetzt, um die Ausbreitung des neuen Erregers einzugrenzen – und doch herrscht nach all diesen Groß- und Kleinexperimenten noch immer nicht vollkommene Klarheit, was am besten vor der Ausbreitung des Virus schützt. Aus den vielen Einzelbefunden ergibt sich noch kein klares, endgültiges Bild. Doch wie sollte es auch? Selbst an der Influenza-Grippe wird nach Jahrzehnten noch weltweit geforscht.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Immerhin hat jetzt eine Gruppe von Gesundheitsforschern im Auftrag der Cochrane Stiftung Deutschland eine Zusammenfassung gewagt, was bestimmte nicht-pharmazeutische Corona-Maßnahmen gegen die Verbreitung des neuen Coronavirus betrifft: Dabei geht es um Quarantäne, Reisebeschränkungen und um breit angelegte Test-Screenings – Massentests an symptomlosen und symptomarmen Personen.

          „Die Forschung zu Covid-19 schreitet rasch voran“

          Die in Freiburg ansässige Cochrane Stiftung unterhält seit Jahren ein hoch angesehenes internationales Netzwerk von  Wissenschaftlern, das die wissenschaftlichen Grundlagen für Entscheidungen in Gesundheitsfragen kritisch hinterfragt. Ihre Gutachter sind veritable Rosinenpicker: Sie verwerfen Befunde, die auf dünner Datenbasis oder schlechten Studien beruhen, und lassen nur „belastbare Evidenzen“ für ihre Bewertungen gelten.

          F.A.Z.-Newsletter „Coronavirus“

          Die ganze Welt spricht über das Coronavirus. Alle Nachrichten und Analysen über die Ausbreitung und Bekämpfung der Pandemie täglich in Ihrem E-Mail-Postfach.

          Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

          Zu den drei Anti-Corona-Maßnahmen heißt es in ihrer Zusammenfassung: „Die Forschung zu COVID-19 schreitet rasch voran, aber die Evidenzbasis ist noch immer sehr unsicher. Es fehlt an Belegen für die wirtschaftlichen und sozialen Schäden, die sich aus diesen Maßnahmen ergeben.“ Nicht nur die Datenbasis für die Wirkung staatlicher Maßnahmen schätzen sie also als dünn ein, sondern auch die vorliegenden Belege dafür, dass die Maßnahmen übertrieben und gesellschaftlich abträglich sein könnten.

          Grundsätzlich halten die Cochrane-Gutachter es für ein Manko, dass bei der Überprüfung der Corona-Schutzmaßnahmen die mathematischen Modelle noch immer das Hauptinstrument vieler Studien sind: Sie beruhten auf unsicheren Annahmen. „Real-life-Evidenz“ dagegen – sprich: empirische, „gemessene“ und kohärente Daten aus Pandemiestudien im Alltag – nimmt zwar zu, doch sie sind für die Cochrane-Gutachter oft immer noch mit „methodischen Schwächen“ behaftet und ihre Aussagekraft deshalb „gering und sehr gering“.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Besucherinnen bei der Kampagnenveranstaltung Donald Trumps Mitte September in Phoenix.

          Wahlkampf in Amerika : Mein Latino, dein Latino

          Amerikas Demokraten haben im Wahlkampf Arizona, einst eine republikanische Bastion, im Visier. Der demographische Wandel ist auf ihrer Seite. Doch Donald Trump hält dagegen.
          Bas Dost traf für die Eintracht zum 2:0.

          3:1 bei Hertha BSC : Die starke Eintracht stürmt auf Platz eins

          Hertha BSC wollte den Schwung vom Auftaktsieg mitnehmen. Der Plan geht gewaltig nach hinten los. Frankfurt verliert zwar früh einen Spieler, nutzt aber die Torchancen – und steht vorerst an der Tabellenspitze.
          Pandemie in der Luft: Eine Flugbegleiterin auf einem Flug von Kairo nach Scharm al Scheich

          Reisewarnungen wegen Corona : Wie wird eine Region zum Risikogebiet?

          Das Auswärtige Amt tüftelt an den neuen Regeln für Reisen während der Corona-Pandemie. Einige Warnungen könnten wegfallen. Aber das ist kein Grund für allzu große Freude mit Blick auf Herbst- und Winterferien.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.