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Zukunft des Sex : Wo bleibt da die Erotik?

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Kein Wunder, dass auch das älteste Gewerbe der Welt da mitspielt. Viele Prostituierte bieten ihre Dienstleistungen inzwischen lieber auf einer Homepage an statt auf dem Straßenstrich oder im Bordell. Oder sie lassen sich über Plattformen wie Adultwork und Punternet vermitteln. Der Kunde kann bestimmte Präferenzen eingeben, die gern spezieller sein dürfen. Ein „German Fraulein“ beispielsweise, bisexuell veranlagt und erotischen Rollenspielen nicht abgeneigt, wäre ihrem Profil zufolge bereit, sich für dreihundert Euro pro Stunde fotografieren zu lassen, sofern man das Copyright teilt. Ersatzweise könnte man mit ihr über Philosophie und schöne Künste diskutieren; Mahatma Gandhi oder Francis Bacon wären adäquate Gesprächsthemen. Aufs gehobenere Segment setzt auch der Escortdienst Peppr, der 2014 in Berlin mit dem Ziel gegründet wurde, „die Grenzen von E-Commerce und Online-Sex zu verschieben“. Gepflegte Manieren sind erwünscht, romantische Dinner im Sternerestaurant inklusive Champagner sollten drin sein. Da findet er sich dann unverhofft doch noch, der Horx’sche Gourmetsex.

Selbst extreme Phantasien kommen ans Tageslicht

„Der Economist“ hat das Geschäftsmodell Internetprostitution unter die Lupe genommen und kommt zu dem Ergebnis, dass nicht nur die Kunden davon profitieren („more bang for your buck“), sondern auch die Dienstleistenden. Weil Freier nicht mehr anonym bleiben, sondern sich in aller Regel registrieren müssen, können Übeltäter identifiziert und auf eine schwarze Liste gesetzt werden. Prostituierte können Netzwerke aufbauen und gegenseitig Hilfestellung leisten. Es werde auch in Zukunft immer Menschen geben, die für Sex bezahlen, prophezeit das Wirtschaftsmagazin, ohne sich damit all zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Je einfacher das zu arrangieren sei, desto mehr würden es werden. Das Internet habe schon ganz andere Branchen von Grund auf umgekrempelt.

Dass der weltweite Strom von Informationen nicht nur alte Bedürfnisse befriedigt, sondern neue und ausgefallenere Wünsche wecken wird, ist ebenfalls keine gewagte Prognose. Begriff und Suchmaske reichen, um genügend Freunde des rimming oder spanking oder drowning zusammenzuführen. Selbst extreme Phantasien kommen ans Tageslicht, wie eine schockierte Öffentlichkeit erfuhr, als es um den „Kannibalen von Rotenburg“ ging, der in einem einschlägigen Forum auf einen Mann gestoßen war, dessen größte Sehnsucht darin bestand, getötet, zerstückelt und restlos verzehrt zu werden.

Derart bizarre Motive sind allerdings nicht ganz neu, sie kommen schon in den Erzählungen des Marquis de Sade vor. Neu ist, dass sie jetzt auf ein Massenpublikum stoßen, das kaum zum literarischen Werk und erst recht nicht zur Nachahmung gefunden hätte - allein deshalb, weil es in früheren Zeiten ohne die enorme Reichweite des Mediums Internet praktisch unmöglich war, jemanden zu finden, der solche Neigungen teilt.

Für Exhibitionisten sind das rosige Zeiten

Das Internet trägt im Kern die Botschaft, dass alles öffentlich werden muss. Das führt dazu, dass Scham und Schranken fallen. „Your dick pics are about to be all over the internet“, hieß es vor einiger Zeit im Magazin Wired. Der Autor fand es vollkommen in Ordnung, dass es üblich geworden sei, sich gegenseitig Nacktaufnahmen zu schicken. Weil nun aber nicht zu verhindern sei, dass Postfächer und Facebook-Profile gehackt werden, solle man sich in Zukunft auch nicht mehr darüber aufregen, wenn die eigenen intimen Fotos an jeder Ecke auftauchen.

Für Exhibitionisten und Voyeure aller Art sind das rosige Zeiten. Wer sich zum Beispiel immer schon gefragt hat, wie er beim Sex im Vergleich zu anderen abschneidet, kann sich eine Applikation fürs Smartphone herunterladen, die während des Geschlechtsverkehrs Geräusche, Bewegungen und Pulsfrequenz registriert. Das Ergebnis wird auf einer Skala von 0 bis 10 bewertet und ohne Umschweife in alle Welt herausposaunt.

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