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Cybersex : Mein zweites Liebesleben

  • -Aktualisiert am

Die moderne Datenbrille sieht nach wie vor bescheuert aus. Ermöglicht aber echtes Miterleben. Bild: Getty

Bisher war Cybersex ein ziemlich schales Vergnügen. Jetzt kommen neue Hilfsmittel auf den Markt. Manche rufen schon das Zeitalter der Robophilie aus.

          Ganz so weit wie in der Vorstellungswelt von Helen Driscoll ist die Menschheit noch nicht. Aber vielleicht auf dem besten Wege dahin. In fünfzig Jahren, so prophezeite die Psychologin von der University of Sunderland kürzlich in einem Interview mit dem britischen Mirror, sei Sex mit Robotern ganz normal. Die virtuellen Partner könnten dann Wünsche erfüllen, die sogar die ausgefallensten Phantasien übertreffen. Selbst echte Liebe zwischen Mensch und Maschine sei nicht ausgeschlossen. Der Stoff hat auch den amerikanischen Oscar-Preisträger Spike Jonze fasziniert: In seinem 2013 in die Kinos gekommenen Film „Her“ verliebt sich der schüchterne Hauptdarsteller in Samantha, die Stimme seines Betriebssystems, einfühlsam gesprochen von Scarlett Johansson.

          Von Cybersex ist seit zwanzig Jahren die Rede. In der Praxis reichte es anfangs gerade mal zum Austausch von erotisch gefärbten E-Mails und pornographischen Bildern. Oder zu grobschlächtigen Computerspielen wie „Strip-Poker“. Etwas konkreter wurde es nach der Jahrtausendwende, als durch die Entwicklung des Online-Rollenspiels „Second Life“ die Möglichkeit aufkam, virtuelle Avatare ins Rennen zu schicken. Die Betreiber richteten zu intimen Zwecken eigens einen Bereich für Erwachsene ein.

          Bloß schauen ist nur das halbe Vergnügen

          Nun ist Sex, der sich auf visuelle Reize beschränkt, bestenfalls das halbe Vergnügen. Die futuristisch wirkenden Datenbrillen, die seit Jahren durch die Medien geistern, bieten da auch nicht viel mehr. Ganz anders soll das bei einer Brille sein, die von der Firma Oculus entwickelt wurde, die inzwischen von Facebook einverleibt wurde. Die „Oculus Rift“ wurde im März 2013 der Öffentlichkeit vorgestellt und kann nicht nur Videos abspielen, sondern ist zudem mit Sensoren ausgestattet, welche die Eigenbewegung des Trägers erfassen und mit dem Gesehenen abgleichen. Dadurch wird dem Nutzer das Gefühl vermittelt, sich tatsächlich in der virtuellen Landschaft zu bewegen. Zu einem virtuellen Tête-à-Tête fehlt dann nur noch der taktile Reiz. Es wird bereits daran gedacht, entsprechende Hilfsmittel wie Vibratoren oder Ganzkörperanzüge per USB-Stick anzuschließen. Ohne derartiges Zubehör soll die Brille Anfang des nächsten Jahres auf den Markt kommen.

          Kalifornien gilt allgemein als Hochburg der „Virtual Reality“. Dort finden regelmäßig Messen statt, auf denen Innovationen vorgestellt werden. Eine davon, die XBiz 360, hat sich rein auf den Sex-Markt spezialisiert. Aber auch konventionelle Technikmessen haben den sexuellen Nutzen als nettes Nebenprodukt für sich entdeckt. Man trifft dort die typischen Informatiker-Nerds im Karohemd und wird insgeheim den Gedanken nicht los, dass sie vor allem der Wunsch antreibt, sich mittels Technik ihre sonst nie zu erreichende Traumfrau zu programmieren.

          Es fehlt nur noch das Taktile. Man arbeitet daran.

          Der 19-jährige Filmproduktions-Student Cosmo Scharf ist einer von ihnen. Er bewundert den Weitblick von Facebook, das gerade noch rechtzeitig auf den Zug aufgesprungen sei. „Facebook hat verstanden, wo die Zukunft der Kommunikation liegt und sie für zwei Milliarden Dollar einfach gekauft“, sagt Scharf. Man könne das Internet jetzt zu einem realen Ort machen. Sex habe er auf diese Weise zwar noch nicht ausprobiert, doch sein Schmunzeln lässt eine gewisse Vorfreude ahnen. Firmen, die Pornofilme oder Sexspielzeuge vertreiben, stellen sich bereits auf den neuen Markt ein. Das Unternehmen „VirtualRealPorn“ dreht nur noch Filme, die mit der bewegten Datenbrille kompatibel sind. Echte Darsteller sollen virtuell verfügbar gemacht werden und den Zuschauer förmlich in die Handlung hineinsaugen. Seit drei Monaten kooperiert die Firma mit dem Teledildo-Hersteller „Lovense“. Deren Sexspielzeuge werden über eine Bluetooth-Verbindung aktiviert und mit der Brille verbunden. Freilich sind die Erfahrungen, die man auf diese Weise machen kann, recht begrenzt.

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