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Der richtige „Ton“ im Netz : Der Mensch als Emoji ;)

Besucher einer Mall im südchinesischen Guangzhou Bild: AP

Mehr als 90 Prozent derer, die im Netz kommunizieren, nutzen Emojis und Emoticons. Doch was wollen und können sie uns damit sagen? Die Forschung hilft weiter. Eine Glosse.

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          Nicht viele werden sich noch erinnern, aber es gab einmal eine Zeit, in der die Menschen zwar schon schriftlich kommunizierten, doch auf gänzlich andere Weise als wir, das moderne Online-Volk, es heute tut. Damals war es durchaus schwierig, nur mit Hilfe der schriftlich verfügbaren Begriffe den richtigen emotionalen Ton zu treffen. Fast unmöglich schien es, die in Gesten und Gesichtsausdrücken enthaltene Reichhaltigkeit des persönlichen Kontakts in schriftliche Zeichen zu transferieren und damit dem Gegenüber nicht nur die eigene Persönlichkeit nonverbal zu offenbaren, sondern auch allenthalben lauernde Missverständnisse zu vermeiden. Mittlerweile müssen wir uns mit all diesen Problemen Gott sei Dank nicht mehr herumschlagen. Emojis und Emoticons, diese mittlerweile jede Lebenslage illustrierenden Bildchen und Zeichenfolgen, kommunizieren in den Weiten der Online-Welt das, was uns früher zu Zeiten menschlicher Real-kontakte noch analog ins Gesicht geschrieben stand. Was das genau ist, darüber lässt sich freilich im Einzelfall streiten, damals wie heute. Doch auch hier naht Rettung. Cyberpsychologen haben das Problem der Emoticon-basierten Kommunikation genau wie dessen wissenschaftliches Potential für sich entdeckt.

          Sibylle Anderl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Drei Vertreter ihres Faches, die Psychologinnen Linda K. Kaye, Stephanie A. Malone und Helen J. Wall, forderten jetzt in ihrem in „Trends in Cognitive Sciences“ erschienenen Forumsartikel, dass die noch in den Kinderschuhen steckende Emoji-Forschung verstärkt dafür genutzt werden solle, das menschliche Verhalten unserer Zeit zu verstehen. Die Daten dazu liegen quasi auf der digitalen Straße und müssen aus den sozialen Medien nur noch zusammengetragen werden, um die emotionale Hintergrundfolie unserer Online-Kommunikation zu entschlüsseln und Ähnlichkeiten sowie Unterschiede zum bereits gut erforschten direkten Gespräch zu ermitteln. Erste Schritte sind bereits unternommen. Wie die Autorinnen in früheren Studien demonstrieren konnten, zeigt beispielsweise die regelmäßige Verwendung von „Happy“-Emoticons dem Adressaten, wie offen, gewissenhaft und liebenswürdig der virtuell Kommunizierende ist. Es ist wahrscheinlich nur noch eine Frage der Zeit, bis wir nicht mehr in Rhetorikkursen, sondern stattdessen in Emoji-Trainings unser öffentliches Auftreten optimieren. Auf dem Twitter-Profil der Erstautorin finden sich übrigens fast ausschließlich lachende Emoticons. Wenn alle anderen Cyberpsychologen auch so liebenswürdig wirkende Menschen werden wie sie, befinden sich unsere digitalen Persönlichkeitsdaten immerhin in guten Händen.

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