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Nasa-Zwillinge : Im All kommen die Gene ins Fliegen

Expedition 46: Commander Scott Kelly beim Außeneinsatz im Dezember 2015. Bild: dpa

Was wird aus unserem Erbgut, wenn sich Hawkings Traum erfüllt und wir den Weltraum erobern? Die Nasa hat eine Zwillingsstudie aufgesetzt, die geradewegs ins schwarzes Loch taumelt. Eine Glosse.

          Dass die amerikanische Weltraumbehörde Nasa auch mehr als ein Jahr nach der Ablösung ihres Chefs noch führerlos dahinschwebt, hält weder den amerikanischen Präsidenten davon ab, große Weltraumeroberungspläne zu schmieden, noch die Nasa-Forscher, ihr Selbstverständnis als galaktische Führungsmacht zu pflegen. Eines ihrer Leuchtturmprojekte ist allerdings dieser Tage böse unter die Räder geraten. Es geht um die „Nasa-Twin-Study“ – eine Zwei-Mann-Show des Nasa-Astronauten Scott Kelly, der als medizinisches Versuchskaninchen ein Jahr lang im All war, und seines Zwillingsbruders Mark, der gewissermaßen als genetische Referenz am Boden geblieben war. Für die Nasa geht es bei dem Projekt um nichts weniger als um die Überlebensfähigkeit und Gesunderhaltung des Menschen im All. Die Behörde hat deshalb schon mal einige Vitaldaten der eineiigen Zwillinge ausgewertet und manches davon vor dem geplanten Publikationstermin im Herbst durchsickern lassen. Fazit: Der Flug durchs All erzeugt Stress.

          Die Aktivität entsprechender Gene war bei Scott Kelly moderat verändert, und manche wollten sich auch nach Tagen oder Wochen zurück auf dem Boden nicht wieder normalisieren.

          Die Nasa-Astronauten Mark und Scott Kelly.

          Bei Extrembergsteigern ist das ähnlich. Ein mageres Ergebnis also, es gab medizinisch jedenfalls schon aufsehenerregendere Befunde. Wären da nicht auch jene amerikanischen Kommentatoren, die aus Nasa-Mücken regelmäßig Weltraum-Elefanten machen. Von ihnen wurden Scott bleibende Mutationen in sieben Prozent der Gene angedichtet, die – wären sie Realität – aus dem armen Raumfahrer ein genetisches Wrack machen würden.

          Die Nasa war deshalb ein Wochenende damit beschäftigt, die DNA-Gerüchte zu korrigieren. Etwas, das man der Nasa nicht hoch genug anrechnen kann. Denn die Helden der Galaxis müssten fürchten, als ein weiteres Beispiel des unseligen „Domestikationssyndroms“ zu zählen. Ob Kaninchen, Hunde, Schweine oder wilde Hausmäuse – für letztere nun in Zürich nachgewiesen –, wann immer der Mensch für genetische Veränderungen seiner Mitgeschöpfe verantwortlich war, ging etwas schief: Das Fell bekam stets hässliche Flecken, und die Nasen wurden platter. Mit solchen Aussichten steigt doch wohl keiner mehr in eine Nasa-Rakete.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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