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Die Debatte: KI-Medizin : Wir werden von Computern geheilt

  • -Aktualisiert am

Erlöser aus Stahl und Blut? Leonardo DaVincis vitruvianischer Mensch als KI-Roboter dargestellt. Bild: Picture-Alliance

Der Arzt Ihres Vertrauens hat längst einen zweiten Schatten: Lernende Maschinen erobern Klinik, Pflege und Praxen. Wie weit geht das? „Die Debatte“ heute Abend im Livestream aus Berlin.

          „Prognose, Diagnose, OP: Wo kann Künstliche Intelligenz in der Medizin helfen?“ fragt diesmal „Die Debatte“. Auf dem Berliner Podium werden der Neurochirurg Dietmar Frey von der Charité Berlin, der Neuroethiker Philipp Kellmeyer von der Universität Freiburg und der Physiker Oliver Stegle vom Deutschen Krebsforschungszentrum sein. Die im Kino Babylon stattfindende Live-Diskussion übertragen wir an diesem Montag ab 18.30 Uhr im Livestream auf FAZ.NET. 

          Ganz gleich ob im Verkehr, im Online-Handel oder im militärischen Bereich – Künstliche Intelligenz (KI) spielt in immer mehr Bereichen unserer Gesellschaft eine immer größere Rolle. Das gilt auch für die Medizin. Dort hat Künstliche Intelligenz das Potential eine Branche von Grund auf zu verändern und zwar gleich in mehrfacher Hinsicht.

          „Es gibt drei große Anwendungsbereiche, in denen Künstliche Intelligenz in der Medizin eingesetzt werden könnte: In der Grundlagenforschung, in der Translation und im klinischen Alltag”, sagt Prof. Dr. Thomas Neumuth, Vizedirektor am Innovation Center Computer Assisted Surgery (ICCAS) der Universität Leipzig und Mitglied der Plattform Lernende Systeme. Während es im Bereich der Grundlagenforschung vor allem darum geht, die Daten aus Laboruntersuchungen besser zu verarbeiten und zielgerichteter zu untersuchen, geht es im Bereich der Translation vor allem darum die Entwicklung neuer Medikamente zu verbessern. „Hier nutzt man die Künstliche Intelligenz quasi als Puzzler, der aus bestehenden Molekülstrukturen Medikamente zusammensetzt”, erklärt Neumuth.

          Im klinischen Alltag kommt Künstliche Intelligenz derzeit noch primär im Bereich der Diagnose und Vorsorge zum Einsatz. „Am weitesten ist in diesem Bereich die Radiologie. Das liegt vor allem daran, dass dieser Bereich schon seit Jahren digitalisiert ist und damit die Voraussetzungen für den Einsatz ideal sind”, sagt Prof. Dr. Michael Forsting, Chef-Radiologe an der Uniklinik Essen. Ein Bereich, in dem KI schon heute zum Einsatz kommt, ist die Auswertung und Analyse von Bildern. Eine Arbeit, die relativ monoton und zeitintensiv ist. „KI kann hier den Menschen entlasten und ist vor allem auch weniger fehleranfällig, da sie sich im Gegensatz zu Menschen nicht von Langeweile und Monotonie beeinflussen lässt”, sagt Forsting. „Darüber hinaus haben wir es mit immer mehr Patienten zu tun, also auch mit immer mehr Bildern und Daten. Gerade in diesem Fall ist die KI also ein absoluter Gewinn für die Medizin.”

          Radiologie als Vorreiter

          Darüber hinaus sieht Forsting großes Potenzial für ein weiteres Einsatzgebiet in der Radiologie: „Die künstliche Intelligenz schaut viel tiefer in die Biologie eines Tumors, als es das menschliche Gehirn vermag. Sie erkennt Muster, die wir nicht sehen. In diesem Bereich, den wir Radionomics nennen, sehe ich das größte Potenzial.” Allerdings sind sich Neumuth und Forsting einig, dass die Künstliche Intelligenz künftig auch in Bereichen außerhalb der Radiologie vermehrt zum Einsatz kommen wird. „Es geht im Allgemeinen darum, die Medizin besser zu machen”, sagt Forsting. „In der technischen Medizin, also der Radiologie oder im Labor, passieren allerdings schon heute eher wenige Fehler. Deshalb wird sie dort eher zur Effizienzoptimierung eingesetzt. Ich sehe in der sprechenden Medizin ein noch größeres Potenzial, da dort mehr Fehler gemacht werden.” Ein Bereich, der Forsting zufolge zu oft zu unkritisch betrachtet wird: „Wir haben dieses Idealbild von empathischen Arzt, der gleichzeitig der beste Arzt ist. In der Realität hängen Empathie und medizinische Qualität aber leider nicht immer zusammen und letztendlich glaube ich, dass sich jeder eher für die richtige Diagnose als für die emphatische Fehldiagnose entscheiden würde.”

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