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Die Debatte: Demoskopie : Meinungsforscher in der Krise?

  • -Aktualisiert am

Wahlumfragen sind ein Sonderfall der Demoskopie. Bild: dpa

Bald sind Wahlen, doch nach einigen prominenten Flops fragen viele: Ist den Meinungsforschern noch zu trauen? Fest steht: Die Demoskopie ist am Wendepunkt, das Internet verändert viel. Was genau das sein könnte, ist diesmal Thema von „Die Debatte“.

          6 Min.

          Die Ergebnisse von Meinungsumfragen waren zuletzt nicht immer belastbar: Das Ergebnis der Präsidentschaftswahl in den den Vereinigten Staaten hat viele Menschen ebenso überrascht wie das Brexit-Votum in Großbritannien. Das Wahlverhalten großer Bevölkerungsgruppen wurde falsch eingeschätzt. Liegt das an der Unberechenbarkeit der Wählerinnen und Wähler? Oder an der Methodik der Wahlforscher? Steckt die Meinungsforschung gar in einer Krise? Oder ist sie vielmehr mächtiger als viele vermuten und kann Wahlen beeinflussen – auch die bevorstehende Bundestagswahl? Die Vielfalt der verfügbaren persönlichen Daten verändert die Umfragemethoden. Über diesen Wandel, über die Macht der Meinungsforschung und die Unsicherheit von Wahlprognosen im Hinblick auf die Bundestagswahl diskutieren am morgigen Donnerstag ab 19 Uhr drei Expertinnen und Experten bei „Die Debatte“ in der Berliner Charité (Der Eintritt ins Medizinihistorische Museum/Hörsaalruine ist frei).

          „Meinungsforschung wird es immer geben, weil sie Teil des demokratischen Prozesses ist und auch die Politik an Meinungsforschung interessiert ist“, sagt Dr. Yvonne Schroth von der Forschungsgruppe Wahlen e.V im Interview für „Die Debatte“. Trotzdem sieht sich die Disziplin in Zeiten zunehmender Digitalisierung und veränderten Kommunikationsverhaltens vor großen Herausforderungen und an einem Wendepunkt. „Wahlumfragen über das Internet können in Zukunft eine gute Alternative zu (Telefon-) Interviews sein, da sie möglicherweise einen größeren Teil der potenziellen Wähler erreichen“, sagt Dr. Marcus Groß, Statistiker bei INWT Statistics. Dafür spricht auch, dass die Unternehmen, die Umfragen online betreiben, wie YouGov, Civey und Projekte wie das German Internet Panel, derzeit zunehmen.

          Allerdings haben auch die Onlineumfragen noch einige Hürden zu überwinden. „Wenn man Onlineumfragen macht, ist es ein ganz anderer Ansatz. Man hat keine Zufallsauswahl der Teilnehmer, sondern die Panels rekrutieren sich in der Regel selbst“, sagt Yvonne Schroth: Da entstehe dann ein „verzerrtes Sample von Leuten, die im Internet aktiv und sich freiwillig an Umfragen beteiligen.“ Solche Umfragen seien „nicht repräsentativ“.

          Ein Blick in die Vergangenheit

          Die schlechtere Erreichbarkeit und die Tatsache, dass es schwieriger wird, eine zufällige Stichprobe zusammenzustellen, stellen sowohl die Online- als auch die Offline-Umfrageinstitute vor erhebliche Probleme. Eine mögliche Lösung: Die stärkere Einbindung von weiteren Daten.

          Tatsächlich gibt es in Deutschland immer mehr Projekte aus dem Bereich der Wahlforschung, die diesen Ansatz verfolgen. Vorbild für die meisten Projekte dieser Art sind die Vereinigten Staaten, wo der Statistiker Nate Silver in den vergangenen Jahren eine Methode namens „Poll-Pooling“ etabliert hat und seitdem mit Erfolg für Wahlprognosen einsetzt. Bei den Präsidentschaftswahlen 2008 und 2012 gelang es ihm so, den Gewinner in nahezu allen 50 Bundesstaaten korrekt vorherzusagen. Und auch wenn er bei der Trump-Wahl im November 2016 daneben lag, war das auf der von ihm gegründeten Plattform Fivethirtyeight.com veröffentlichte Modell doch eines der wenigen, das Trump signifikante Chancen einräumte, zu gewinnen.

          An dieser Methode orientieren sich auch Marcus Groß und seine Kollegen von INWT Statistics: „Wir kombinieren und gewichten alle verfügbaren Wahlumfragen zu einer Gesamtprognose. Damit geben wir selbst eine langfristige Prognose für die Bundestagswahl ab, indem wir kurzfristige und langfristige Trends zusammenbringen.“ Ein Grund für dieses Modell: Empirisch hat sich gezeigt, dass der Effekt von politischen Ereignissen auf die Stimmung der Wähler mittel- bis langfristig wieder etwas nachlässt. Solche Effekte versuchen die Statistiker mit Langzeitdaten aufzufangen. Insgesamt sollen die Prognosen so genauer werden. Einen ähnlichen Weg geht das Projekt Signal & Rauschen, das in seine Analysemodelle sowohl die Ergebnisse aktueller Umfragen, als auch Daten über die Wahlen der vergangenen 20 Jahre einfließen lässt.

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