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Haustiere : Von Katzen und Menschen

Die Beziehung zwischen Mensch und Katze ist unter Umständen aber so zerrüttet, dass den Stubentigern das Tierheim droht. Zum Beispiel wenn sie teures Mobiliar mit ihren Krallen traktieren oder ihre Aggressionen an ihren Besitzern auslassen, was spanische Tierärzte in einem Review wiederum als bemerkenswert erachten und eine Behandlung empfehlen, wenn nicht vorgebeugt werden kann. Meist handelt es um Tiere, die ausschließlich drinnen gehalten werden oder die aus Tierhandlungen stammen, wo sie sich nicht an Menschen gewöhnen konnten. Deshalb drohe manchen sogar der Tod, weil ihre Halter mit dem aggressiven Verhalten überfordert seien und sie einschläfern lassen wollen.

Angesichts solch drastischer Maßnahmen ist die Idee, psychoaktive Arzneimittel an die Katze zu bringen, vielleicht nicht so abwegig, wie es auf den ersten Blick erscheint. Zumindest stellten Tiermediziner aus den Vereinigten Staaten und Kanada in einer Umfrage fest, dass Halter eher bereit wären, ihre Katzen mit Cannabinoiden oder Pheromonen zu versorgen, wenn sie selbst einmal psychoaktive Medikamente erhalten haben. Die meisten wussten allerdings nicht, dass diese Möglichkeit auch für Haustiere existiert, würden jedoch eine kurze, schnell wirkende Therapie gegenüber einer langfristigen vorziehen. Überhaupt würden nur sehr wenige Besitzer Hilfe suchen, wenn sich ihre Katzen seltsam verhielten, mussten die Veterinäre besorgt erkennen.

Ein Muster an Gelassenheit

Womöglich sehen die meisten deshalb keine Notwendigkeit, weil Katzen im Ruf stehen, exzentrisch zu sein. Sperrt man sie rund um die Uhr ein, muss das furchtbar langweilig sein. Welche Katze hat schon Personal, das mit ihr spielt, oder kann sich mit den Leuten bei einem Fotoshooting ablenken? Heilige Birmas wie Choupette sind zumindest nicht für ein aggressives Verhalten bekannt. Diese Rasse gilt zwar auch als nicht sehr aktiv, doch ängstlich ist sie ebenso wenig. Für ein vorsichtiges Verhalten sind vor allem Perserkatzen bekannt, und das haben zuletzt finnische Forscher versucht, auf eine genetische Basis zu stellen. Das Team um Mila Salonen und Hannes Lohti von der Universität in Helsinki wollte außerdem einmal einen europäisch geprägten Blick auf das feline Geschehen werfen und ließ die Besitzer von mehr als 5700 Katzen in Finnland umfangreiche Fragebögen ausfüllen. Ziel ihrer im Mai in den „Scientific Reports“ veröffentlichten Studie war, bestimmten Rassen erbliche Verhaltensweisen zuzuordnen, und die Genetiker konnten tatsächlich Cluster benennen und Korrelationen erkennen, insbesondere für die Scheu gegenüber Fremden, Ängstlichkeit und Aggressivität.

Karl Lagerfeld bei der Vernissage „Corsa Karl und Choupette“ 2015 in Berlin. Choupette war Muse und Model des am 19. Februar 2019 verstorbenen Modeschöpfers.

Die Domestizierung der Katze verlief anders als die des Hundes, und ihre mehr als siebzig Rassen wurden nicht gezüchtet, um jeweils andere Aufgaben zu übernehmen. Trotzdem unterscheiden sie sich: Die Türkische Van ist aggressiv, während Korat- sowie Bengal-Katzen recht aktiv sind und für die Gruppe von Britischer Kurzhaar, Norwegischer Waldkatze, Ragdoll, Perser und Birma wiederum das Gegenteil gilt. Zu klären wäre nun noch, was ihr Cluster an Gelassenheit mit langen Fellhaaren zu tun hat.
Sie sieht gut aus, und Schönheit wird bezahlt. Der König ist tot. Lang lebe Choupette, seine Königin.

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