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Desinfektionsmittel : Das Engelsgesicht der harten Chemie

  • -Aktualisiert am

Soldaten im Desinfektionseinsatz gegen die Pandemie in Südkorea. Bild: dpa

Besser nicht trinken oder injizieren, auch wenn der amerikanische Präsident das öffentlich meint. Desinfektionsmittel erleben jedenfalls einen historischen Boom. Doch was wird davon bleiben – im Körper, in der Umwelt?

          5 Min.

          Großflächige Desinfektionen von Straßen und Plätzen sieht man seit Beginn der Coronavirus-Pandemie immer öfter. Anfang Februar wurden allein in Wuhan, China, 560 Tonnen Desinfektionsmittel in den Straßen versprüht. In Teheran werden zweimal täglich Bordsteine, Bänke, Straßenschilder, Taxen und Busse großzügig desinfiziert. Auch aus Spanien und Italien sind zahlreiche solcher Bilder zu sehen. In Bozen werden nachts ebenfalls Straßen und Plätze mit verdünntem Wasserstoffperoxid besprüht. Und inzwischen wurden auch schon in Deutschland die ersten Stimmen laut, die eine Desinfektion von Straßen fordern: In Rheinfelden forderten Anwohner vor einigen Tagen, dass die Straße um die Corona-Abstrichstelle vor dem örtlichen Krankenhaus regelmäßig desinfiziert würde.

          Der Nutzen, den diese Art der Desinfektion tatsächlich erbringt, ist aber eher gering. Der direkte Übertragungsweg von Mensch zu Mensch ist, darauf deuten die Ansteckungsdaten hin, sehr viel wichtiger als es die Kontaktinfektionen im Freien und auf Gegenständen sind. Die Bilder von  Menschen in weißen Schutzanzügen, die Desinfektionsmittel versprühen, vermitteln dem Betrachter vielmehr ein Risiko, das von den verwendeten Desinfektionsmitteln ausgeht. Bei den Mitteln handelt es sich meist um fünfprozentiges Wasserstoffperoxid oder Chlorbleiche. Beim Haarefärben mit Wasserstoffperoxid wird sechs- bis neun prozentiges Wasserstoffperoxid verwendet, aber auch schon eine fünfprozentige Lösung kann auf der Haut einen weißen Fleck verursachen. Wasserstoffperoxid (H2O2) wurde 2017 in Deutschland in Desinfektionsmittelprodukten für die Desinfektion ohne direkte Anwendung an Mensch und Tier zugelassen.

          Chlorbleiche erst im vergangenen Jahr genehmigt

          Als Wirkstoff wurde es dennoch auch im Bereich der Händedesinfektion, für Innenraumdesinfektion (in verdampfter Form), bei der keimfreien Verpackung von Lebensmitteln und für die Trinkwasserdesinfektion positiv bewertet, wie Mike Kortsch vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mitteilt. Diese Einschätzung lässt zumindest die Bilder aus Asien, die Menschen in Schutzanzügen direkt neben offenen Obst- und Gemüsekisten sowie Fleischständen in Markthallen zeigen, harmlos aussehen. Wasserstoffperoxid ist tatsächlich in geringen Konzentration, wie sie bei der Desinfektion genutzt werden, ohne direkten Hautkontakt ungefährlich. Bei direktem Kontakt und Inhalation hingegen kann es zu geröteten, brennenden Augen, verstopfter Nase sowie juckender, trockener Kehle, Husten und Asthmasymptomen, gereizter Haut und bei längerer Exposition auch zu schweren Lungenerkrankungen kommen, wie eine Bewertung durch die „Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe“ von 2006 zeigt. Dabei ist natürlich die Konzentration des Wasserstoffperoxids entscheidend.

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