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Wie sich ein Ritter betragen sollte

Von TILMAN SPRECKELSEN

17.03.2019 · Auch im Mittelalter war längst nicht mehr alles so, wie es einmal war. „Der Welsche Gast“ des Thomasin von Zerklaere ist ein mittelhochdeutsches Stück Ratgeberliteratur, das nur wenig von seiner Aktualität eingebüßt hat.

Lüge, Trunkenheit, Gewalt und viele andere Laster tanzen zur Blasmusik der nackten Untugend (Mitte).

D ie Arbeit ist fast getan, acht von zehn Teilen sind bereits geschrieben, da wendet sich das Werkzeug gegen den Meister. Ob er nicht endlich mal eine Pause machen könne, fragt die Schreibfeder den Autor. Acht Monate lang habe er sie nun schon gequält, „du hast mir keine Ruhe gelassen, ich musste Tag und Nacht schreiben. Du schneidest mich mal breit, mal spitz, und hast eine ganz gewöhnliche Feder aus mir gemacht, die in gleicher Weise von Herren und von Knechten schreibt.“ Einmal im Schwung, schimpft die Feder noch darüber, dass sie ihren Besitzer nicht mehr wie früher zu Festen, zu Turnier und Tanz begleiten dürfe, weil auch der Schreiber sich dort nicht mehr blicken lasse. Und was dieser Arbeitseifer überhaupt solle? „Wenn du in einem einzigen Jahr alles aufschreiben und dichten willst, was du überhaupt zu schreiben hast, kann ich nicht bei dir bleiben.“

Er schreibe ja gar nicht aus Lust und Laune, antwortet der Autor, sondern weil er es muss, aus Sorge um den Zustand der Gesellschaft – „denn ich sehe sehr genau, dass man nicht tut, was man tun soll“.

Achill schleift Hectors Leichnam um Trojas Mauern. Der Fall der Stadt lässt nicht mehr lange auf sich warten.

Dieser Dialog des Autors mit seiner Feder ist gut achthundert Jahre alt. Er findet sich eingeschoben zwischen dem siebten und dem achten Teil von „Der Welsche Gast“, dem einzigen erhaltenen Werk des Thomasin von Zerklaere, und man mag mit einigem Recht die geschilderten Umstände – eine Schreibphase von acht Monaten des zurückgezogen lebenden Autors – für authentisch halten, selbst wenn man davon ausgeht, dass er auf Vorarbeiten zurückgreifen konnte.

Die Tücke dieser Frau („das valsch wip“) symbolisieren die Kleiderfarbe sowie die unvereinbaren Elemente Feuer und Wasser.


Wichtiger ist aber das Signal, das Thomasin hinsichtlich der Dringlichkeit seiner Arbeit gibt. Er stellt sich als Überzeugungstäter dar, der anders als seine schreibenden Zeitgenossen Wolfram von Eschenbach, Hartmann von Aue oder Walther von der Vogelweide ausdrücklich keinen Gönner namentlich oder auf ihn anspielend nennt, in dessen Auftrag er das Buch verfasste oder dem er es zumindest widme. Er betont seinen Abstand zum Gegenstand seines Werks: dem Miteinander der Menschen nicht nur, aber vor allem in der Sphäre des Hofs. Und er gibt seinem Werk den Namen des „Welschen Gastes“, eines Fremden also, dessen Blick umso wacher registriert, was er bei seinem Gastgeber sieht. Und der aus dieser Perspektive heraus eher raten kann, wie man es besser macht.


„Welsch“ – das bedeutet: eine romanische Sprache sprechend – war Thomasin gemäß den Definitionen seiner Zeit selbst. Er stammt aus dem Friaul, und dass er Deutsch nicht als Muttersprache beherrschte, erwähnt er in seinem Werk – er bittet die Leser sogar gleich in der Vorrede darum, eventuelle Fehler zu verbessern. Weiter heißt es einmal, er sei während des Abfassens noch keine dreißig Jahre alt, zudem erwähnt er die Eroberung Jerusalems durch Saladin im Jahr 1187, die nun 28 Jahre zurückliege.


Demnach wurde „Der Welsche Gast“ von Herbst bis Frühling 1215 auf 1216 geschrieben – so exakt kennen wir die Entstehungszeit von keinem anderen Werk des Hochmittelalters. Thomasin wäre dann, nimmt man seine Aussage zum Lebensalter wörtlich, um 1185/86 oder etwas später geboren worden. Sonst wissen wir noch von anderen, verlorenen Werken Thomasins in seiner Muttersprache sowie von einer Rom-Reise im Jahr 1209. Und aus einem Nekrolog geht hervor, dass der Autor, inzwischen Kleriker geworden, an einem 12. Mai gestorben ist – das Jahr wird leider nicht genannt.

Wer die Untugenden (links) besiegt, muss sie auch weiter am Boden halten. Der „reiche Gute“ weiß, wie das geht.

Zwei Publikationen der jüngsten Zeit erinnern nun wieder an den „Welschen Gast“, der in der Altgermanistik sonst weit weniger beachtet wird als die kanonischen Artusromane „Erec“, „Iwein“ und „Parzival“ oder die Lieder etwa Walthers von der Vogelweide, obwohl die Zahl der fünfzehn meist vollständig überlieferten Handschriften die Beliebtheit des Textes im Mittelalter durchaus belegen. Zum einen erschien 2018 Christoph Schanzes Gießener Dissertation „Tugendlehre und Wissensvermittlung“, ursprünglich als Kommentar zum „Welschen Gast“ angelegt und dann weit darüber hinausgewachsen, indem Schanze zentrale ethische Begriffe Thomasins wie „milte“ (Freigebigkeit), „mâze“ (das rechte Maß) und „reht“ (Recht) im Kontext des Werks diskutiert und zudem die Intentionen Thomasins in einer bis dahin kaum erreichten Schärfe beleuchtet. Zum anderen legte der Luzerner Quaternio Verlag eine prächtige Faksimile-Edition der um 1340 entstandenen Gothaer Pergamenthandschrift des „Welschen Gastes“ vor, begleitet von einem Kommentarband, der eine Transkription des mittelhochdeutschen Textes sowie dessen erstmals vollständige Übersetzung durch Eva Willms enthält. Auch die Illustrationen der Handschrift werden jeweils einzeln beschrieben und interpretiert.

Eigentlich will der stolze Mann im gelben Gewand den Bären allein töten. So ganz klappt das noch nicht.

Der Weg zum Himmel führt über die Sprossen der Tugenden. Unten warten schon die Teufel.


„Der Welsche Gast“ ist ein knapp 15.000 Verse langes Lehrwerk – Benimmbuch, Liebesratgeber, Anleitung für ein geglücktes Leben und Gesellschaftsanalyse in einem. Es enthält zehn Abschnitte zu verschiedenen Themen, dazu vorangestellt eine Inhaltsbeschreibung in Prosa sowie Prolog und Epilog. Gerichtet ist es an Adlige und da vor allem an Heranwachsende, weil sich der selbst noch einigermaßen junge Autor davon überzeugt zeigt, dass gute Lehren bei ihnen noch am meisten verfangen und dass außerdem das in der Jugend gelernte Verhalten bis ins Alter Bestand hat, ob es sich nun um Vorzüge oder um Laster handelt: Tugend und Verstand („tugende un sin“) sei jedenfalls das Beste, was Eltern in ihren Kindern fördern könnten.


Dass seine moralischen Prinzipien nicht nur für Adlige gelten, macht Thomasin ebenfalls klar. Und während er sich davor hütet, die Gesellschaftsordnung in Frage zu stellen oder gar an den Herrschaftsverhältnissen zu rütteln, betont er doch, dass kein Mensch völlig unfrei sei,und dass es in der Liebe keine Standesschranken gebe.


Dass Thomasin dennoch ausgiebig die Frage diskutiert, was einen gerechten Herrscher ausmache, welche Fürsorge er an seine Untertanen wenden solle und wie etwa juristische Entscheidungen zu fällen seien, erklärt er selbst damit, dass das Verhalten der Adligen eben auch eine Vielzahl anderer beträfe – hinsichtlich der Anordnungen des Regenten und auch in ihrer Funktion als moralisches Vorbild für ihre Gefolgsleute. Seine Erziehungsmaximen richten sich gegen Angeberei so gut wie gegen Grausamkeit und Falschheit – ein übler Charakter, so schreibt er, könne auf Dauer nicht verborgen bleiben, und sei die Fassade noch so einnehmend: Er faule gleichsam von innen heraus. Thomasin warnt davor, die eine Todsünde – Geiz – durch die andere – Völlerei – abzulösen, schlecht über andere zu reden oder sich in Gesellschaft zwar anständig zu benehmen, zu Hause aber gehen zu lassen, so wie sich überhaupt auf Dauer die Spannung zwischen angemessenem und nachlässigem Verhalten nicht aushalten lasse.


Konkret wird Thomasin auch: Seine Leser erfahren, wie man sich bei Tisch verhält, welche Hand man benutzt, um sie in die gemeinsame Schüssel zu tauchen, und welche Regeln beim Umgang mit Bittstellern gelten. So müsse man sich vorher klar darüber sein, wem man etwas gebe und wie viel, in jedem Fall aber müsse man es schnell und fröhlich tun.


Selten belässt es Thomasin beim schieren Rat, meist begründet er ihn mit grundsätzlichen moralischen Erwägungen. Wenn er etwa beim Umgang der Geschlechter manches geißelt, was er wahrnimmt – schlüpfrige Witze, Anstarren des Gegenübers, allzu leichte Bekleidung, Drängen auf rasche Liebeserfüllung, Prahlen mit zahlreichen Verehrern und dergleichen mehr –, dann verbindet er es gern mit Lehren wie „Schönheit ohne Verstand ist ein wertloses Pfand“. Blinde Liebe jedenfalls, findet Thomasin, schadet allen, und er rät auch in der größten Vernarrtheit zum Gebrauch des Verstandes – „wer zu dicht ans Feuer geht, versengt sich oft den Bart“. Kommt es am Ende zu keiner Liebesbeziehung, dann möge man darauf achten, im Guten auseinanderzugehen, also Freunde zu bleiben, denn das gebiete der Respekt vor dem anderen.


„Man haizet minne ofte daz / daz man unminne hieze baz“ – was „Liebe“ genannt wird, sollte man besser „Un-Liebe“ nennen, schreibt Thomasin, die eigentliche Liebe aber stehe bei Hof nicht sonderlich hoch im Kurs. Und spätestens mit dieser Bemerkung wird deutlich, dass die Liebeslehre des Autors sich keineswegs auf das beschränkt, was zwischen zwei Menschen vorgeht. Thomasins kulturpessimistische Perspektive, die er selbst benennt und im Gespräch mit der Schreibfeder ja auch als Impuls für das Schreiben seines Buchs darstellt, färbt auch Passagen wie diese ein. Es fehle in allen Dingen an Beständigkeit (mittelhochdeutsch „staete“), was sich zerstörerisch auf eine Welt auswirke, die prinzipiell beständig angelegt sei (im gleichförmigen Wechsel von Tag und Nacht oder den Jahreszeiten), von der unbeständigen Dynamik der Menschheit aber zunehmend gestört werde.

Die „Guote“ (links) führt den Menschen (Mitte) zu Gott (rechts), welcher ihm in Lehnsherren-Manier die Hände entgegenstreckt.

„Wodurch stand die Welt früher besser da als heute?“, fragt Thomasin. Seine Antwort: „Man hatte damals große Hochachtung vor Tugend und Bildung. Heute strebt jeder verbissen danach, wie er reicher und reicher wird“ – und diese Unruhe bringt Thomasin in das schöne Bild eines Hündchens, dem eine Glocke an den Schwanz gebunden worden sei. Der Hund trage seine Unruhe, das bimmelnde Glöckchen, immer mit sich herum und werde sie nicht los. Das Streben nach Besitz aber und der Verlust der naturgegebenen „staete“ gehören für Thomasin zusammen, und wenn er davon schreibt, dass der Mensch auf diese Weise auch die Natur beeinflusse und aus ihrem Takt bringe, so dass das Wetter unberechenbar geworden sei, dann liest man das aus dem Abstand von 800 Jahren mit anderen Augen. Von „staete“ jedenfalls wissen wir nicht mehr viel.

Der nächste Gegner ist immer der schwerste: Eine Ritterschar (rechts) unterliegt zu ihrer eigenen Überraschung der anderen.

Alle Abbildungen: aus der „Der Welsche Gast“. Nach der Faksimile-Edition des Quaternio Verlags Luzern

Das Faksimile von „Der Welsche Gast“ ist gerade im Quaternio Verlag Luzern erschienen.
Christoph Schanzes Studie „Tugendlehre und Wissensvermittlung“ liegt im Verlag Dr. Ludwig Reichert (Wiesbaden) vor.


Nächstes Kapitel:

Frag nach bei Gurnemanz



Frag nach bei Gurnemanz

Von TILMAN SPRECKELSEN

Thomasin und die mittelhochdeutsche Literatur seiner Zeit

D iese Herren haben Ermahnung bitter nötig, ja, vermutlich ist es für belehrende Worte sogar längst zu spät, so dass man ihnen lieber Aufpasser an die Seite stellt. Denn beim Festmahl auf der Gralsburg, bei dem vierhundert Ritter tafeln, wird von schweren Goldtellern gegessen, im Angesicht des Heiligen Grals, der ihnen jede gewünschte Speise herbeizaubert. Hinter jedem der Gäste aber läuft ein Schreiber hin und her, der über die Zahl des Goldgeschirrs Buch führt – als deutliches Signal an die schmausenden Ritter, nichts davon mitgehen zu lassen.

Der Ruhmgierige (Mitte) beschenkt den Spielmann (links), der sein Lob singen soll. Dem Armen (rechts) gibt er nichts.

Fünf der sieben freien Künste, jeweils mit einer Koryphäe des Fachs (v. o.): Grammatik mit Priscian, Dialektik mit Aristoteles, Rhetorik mit Cicero, Geometrie mit Euklid sowie Arithmetik mit Pythagoras


So steht es im „Parzival“ des Wolfram von Eschenbach, entstanden zwischen 1200 und 1210, und dass Thomasin von Zerklaere, der Autor des wenig später verfassten „Welschen Gastes“, dieses Beispiel an Ungezogenheit noch im Angesicht des Heiligsten kannte, zeigt sein Werk, in dem er auch den „Parzival“ und andere damals aktuelle Ritterromane erwähnt.


In einem langen Exkurs spricht er darüber, was junge Leute lesen sollten, und plädiert dafür, sie mögen sich literarische Gestalten zum Vorbild nehmen: Den Damen werden etwa Hektors Gattin Andromache oder Odysseus’ Penelope angepriesen, aber auch Enite aus dem „Erec“ des Hartmann von Aue oder Blanscheflur aus Gottfrieds „Tristan“. Den Herren rät Thomasin zur Lektüre der Abenteuer von Gawein, Erec und Iwein, sämtlich Helden der mittelalterlichen Romane um König Artus, welcher ihnen ebenfalls als Vorbild hingestellt wird: „Volget artuse dem chuonich here / der treit iu vor vil guoter lere“ – in der Übersetzung von Eva Willms: „Ahmt den edlen König Artus nach / der hält euch viele guten Lehren vor.“


Thomasin untermauert seinen Rat dann noch mit dem Hinweis, nicht nur das höfische Betragen dieser Romanhelden sei nachzuahmen, auch an ihrer Aktivität sollten sich die jungen Männer seiner Zeit ein Beispiel nehmen. Nur in Bezug auf Keie, den berüchtigten Truchsess des König Artus, gelte dieser Rat nicht. Überhaupt scheine es inzwischen in der ritterlichen Gesellschaft nicht mehr wie zur Zeit der Tafelrunde nur einen solchen Missgünstigen zu geben, sondern alles sei voll von ihnen – während Gestalten wie der edle Held Parzival, der Keie einmal im Zweikampf besiegt, wohl ausgestorben seien: „O weh, wo bist du, Parzival! / Denn gäbe es noch irgendwo einen Gral, / und wäre er für einen Pfennig verpfändet, / eines Keies Hand würde ihn nicht auslösen.“


Unmittelbar darauf aber macht Thomasin eine bemerkenswerte Kehrtwende, wiederum mit Blick auf die Rezipienten seiner Lehre: Die Lektüre dieser „Aventiuren“ passe zu jungen, noch unverständigen Menschen. Wer aber dieses Alter hinter sich gelassen habe, der solle auch mit dieser Literatur nichts mehr zu tun haben. Denn Aventiuren seien im Kern eben Lügengeschichten, wenn auch schöne und wenn auch bisweilen mit einem wahren Kern. Sie könnten daher gutes Benehmen sogar befördern. Aber noch besser wäre es, wenn sich die Dichter mit der Wirklichkeit beschäftigten und ihre Lehren an das Publikum in wahre Geschichten kleideten.

Thomasins Polemik gegen den Dichter Walther von der Vogelweide im achten Teil seines „Welschen Gastes“ belegt neuerlich seine Vertrautheit mit der Literaturproduktion seiner Zeitgenossen – sie ist eine direkte Reaktion auf die sogenannten „Opferstock-Strophen“ Walthers, in dem dieser wiederum dem damaligen Papst Innozenz III. vorwirft, sich mittels der Vorbereitungen zum Kreuzzug bereichern zu wollen („Ahi, wi kristenliche nu der babest lachet“).

Einst Weltenherrscher, jetzt Mordopfer: Cäsar zwischen Brutus und Cassius steht für die Vergänglichkeit der Macht.

Seine kurze Erwähnung des „Parzival“ aber in der Aufzählung romanhafter Vorbilder für junge Menschen könnte auf seine eingehende Beschäftigung mit einer anderen Stelle des Romans hindeuten, die wiederum ein zentrales Thema seines eigenen Werks streift. Der junge Parzival, dem von seiner Mutter ausdrücklich jede ritterliche Erziehung versagt bleibt, versteht die wenigen Lehren, die sie ihm auf den Weg gibt, gründlich falsch und begeht in Unkenntnis des höfischen Tugendkatalogs wenig später sogar einen Mord. Dann trifft er den alten Gurnemanz, der ihn im Verlauf weniger Tage so weit zu erziehen versucht, dass er sich damit unter Rittern bewegen kann. Auch diese Lehren führen in die Katastrophe: Weil Gurnemanz ihm geraten hatte, nicht zu viel zu fragen, versäumt er die erlösenden Worte auf der Gralsburg, so dass sein Onkel Anfortas weiter leiden muss.

Dass sich eine gute Lehre in ihr Gegenteil verkehren kann, ist ein häufiges Thema im „Welschen Gast“. Erziehung, so könnte man diese Passagen zusammenfassen, ist etwas, an dem Lehrer und Schüler gemeinsam wirken und bei dem sie gemeinsam Erfolg haben oder scheitern können. Es ist die Aufgabe des Erziehers, seine Lehren auf den Horizont des Zöglings abzustimmen, und umgekehrt muss sich der Schüler um diese Lehren auch bemühen. Wenn man sich aber nicht gut kennt – so wie Parzival und Gurnemanz im Rahmen ihrer kurzen Zusammenkunft –, geht die Sache leicht schief.

Der Sitzende bezichtigt den Gekrönten des Hochmuts – und vergisst seine eigenen Laster Zorn, Trunkenheit und Unkeuschheit.

Im Wissen darum setzt Thomasin all seine Beredsamkeit ein, um seine Lehren dennoch an die Hörer und die ihm naturgemäß fremden Leser zu bringen. Seinen Stil prägt das erheblich.

Alle Abbildungen: aus der „Der Welsche Gast“. Nach der Faksimile-Edition des Quaternio Verlags Luzern

Quelle: F.A.S.

Veröffentlicht: 17.03.2019 19:03 Uhr