https://www.faz.net/-gwz-wg89

Der Sternhimmel im Februar : Finsterer Mond und strahlender Mars

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Der Februar ist der Monat, in dem alle vier Jahre korrigiert wird, dass der Kalender eigentlich fünf Stunden und 49 Minuten zu kurz ist. Das herausragende Himmelereignis dieses Monats ist eine Mondfinsternis, während der der Mond rotbraun leuchtet.

          3 Min.

          Wir erwarten von einem Kalender, dass die jährlichen Fixpunkte wie etwa der Jahresanfang und der Beginn der Jahreszeiten stets auf denselben Tag im Jahr fallen. Nun umfasst das Jahr kein ganzzahliges Vielfaches der Tage, sondern 365 Tage, 5 Stunden, 49 Minuten. Diese Jahreslänge in einfacher Weise in eine über lange Zeit exakte Tageszählung umzusetzen, beschäftigte die Astronomen viele Jahrhunderte. Dem ägyptischen Pharao Ptolemäus III. Euergetes gelang im dritten vorchristlichen Jahrhundert durch die Einführung eines Schalttages in jedem vierten Jahr eine gute Annäherung. Dieses System wurde von Julius Caesar übernommen.

          Als Schaltmonat wurde der Februar ausersehen, der seit altrömischer Zeit mit 28 Tagen kürzeste Monat des Jahres. Nun war aber dieses Julianische Jahr mit 365 1/4 Tagen gegenüber der wahren Jahreslänge um rund 11 Minuten zu lang. Der Fehler summiert sich in 128 Jahren zu etwa einem Tag, so dass die Differenz im 16. Jahrhundert schon auf zehn Tage gewachsen war. Dies führte zur Gregorianischen Kalenderreform, die 1582 in Kraft trat. Sie verringerte den Fehler durch eine weitere Schaltregel: In je 400 Jahren sollen drei Schalttage ausfallen. Auch nach dieser Reform ist das Jahr noch etwa zwölf Sekunden zu lang, ein Fehler, der jedoch in 3000 Jahren nur einen Tag ausmacht.

          Totale Mondfinsternis am 21. Februar

          Im Februar steigt die Sonne um 9 1/2 Grad auf etwas mehr als 32 Grad zur Mittagszeit über den Südhorizont. Damit wächst die Tageslänge im Februar um 1 Stunde, 39 Minuten. Das herausragende Himmelsereignis im Februar ist die totale Mondfinsternis in der Nacht vom 20. auf den 21. Februar. Um 2.43 Uhr beginnt der Vollmond in den Kernschatten der Erde einzutauchen. Zwischen 4.01 Uhr und 4.52 Uhr ist er total verfinstert. Diese Zeit der Totalität ist besonders reizvoll für den Beobachter, weil dann die Mondscheibe schwach in dem von der Lufthülle der Erde abgelenkten Licht in rotbrauner Farbe leuchtet. Um 6.09 Uhr tritt der Mond aus dem Kernschatten.

          Zur Monatsmitte gegen 21 Uhr finden wir den Schwerpunkt der hellen Wintersternbilder. Er liegt in der an hellen Sternen armen Zone, die das Sternbild Einhorn einnimmt, genau im Süden. Stier, Fuhrmann und Orion sind schon auf die westliche Himmelshälfte gerückt, die nachfolgenden Konstellationen Großer und Kleiner Hund und die Zwillinge halten sich noch östlich der Mittagslinie auf. Die vielen hellen Sterne der Winterbilder bieten einen prachtvollen Anblick, in mondlosen Nächten noch verschönt vom zarten, silbern glänzenden Band der Milchstraße. Vom Südosthorizont ausgehend zieht die Milchstraße durch die Bilder Schiff Argo, Großer Hund und Einhorn hinauf zum zenitnahen Fuhrmann und fällt von dort wieder in Richtung Nordhorizont.

          Die Herbststernbilder räumen das Feld

          Besonders lohnend ist es, den südlich der Gürtelsterne des Orion stehenden Orionnebel (M 42) und die umgebenden Himmelsgebiete mit optischer Hilfe zu durchforschen. In südlicher Richtung fällt der horizontnahe Sirius auf, der Hauptstern des Sternbilds Großer Hund. Er übertrifft bis zum Aufgang von Jupiter und Venus alle anderen Gestirne an Helligkeit.

          Während sich im Osten die Tierkreisbilder Krebs und Löwe weit vom Horizont abgehoben haben, räumen am Untergangshimmel im Westen die Herbststernbilder das Feld. Der Pegasus ist nur noch teilweise zu erkennen, die zum Perseus weisende Reihe der Andromedasterne ist allerdings noch gut auszumachen, ebenso der Widder. Dagegen sind die ohnehin aus schwächeren Sternen bestehenden Bilder Fische, Walfisch und Fluss Eridanus großenteils im Dunst des Südwesthorizonts verschwunden. Im Norden sind die letzten Relikte des Sommers, Deneb und Wega, kaum noch zu erspähen. Während die Zirkumpolarbilder Kassiopeia und Kepheus immer tiefer ins Horizontgebiet im Norden sinken, steigt der Große Wagen im Nordosten empor, Richtung Zenit.

          Saturn in Opposition zur Sonne

          Der abendliche Sternhimmel wird von zwei Planeten bereichert, Mars und Saturn. Der Rote Planet verliert im Verlauf des Monats leicht an Helligkeit, überstrahlt aber immer noch alle Sterne mit Ausnahme des Sirius. Gegen Monatsende ist er dann etwa so hell wie Capella oder Rigel. Am Monatsbeginn wird Mars wieder rechtläufig, das heißt, er bewegt sich ostwärts in Richtung Zwillinge. Saturn steht am 24. Februar in Opposition zur Sonne. Der im Löwen langsam westwärts ziehende Ringplanet hält sich somit während der gesamten Nacht über dem Horizont auf. Der Blick durchs Fernrohr lässt erkennen, dass die Ringöffnung jetzt sehr klein geworden ist; wir sehen den Saturnring jetzt nahezu von der Kante.

          Venus und Jupiter halten sich am Morgenhimmel auf. Die Sichtbarkeitsdauer von Venus schrumpft im Februar um etwa eine Stunde auf nur noch gut eine halbe Stunde; Jupiter verfrüht dagegen seine Aufgänge und tritt gegen Monatsende schon um 5 Uhr über die Horizontlinie. Am 1. Februar zieht die Venus in geringem Abstand nördlich an Jupiter vorbei. Drei Tage später hält sich die schmale, abnehmende Mondsichel südlich dieses Planetenduos auf.

          Merkur steht am Ende des Monats in geringem Abstand nördlich von Venus, kann aber, da viel lichtschwächer, nur mit Hilfe eines Fernglases aufgespürt werden. Uranus und Neptun sind sonnennah und daher nicht zu beobachten.

          Weitere Themen

          Die Schwere des Lichts

          Relativitätstheorie : Die Schwere des Lichts

          Eine Sonnenfinsternis machte Albert Einstein vor hundert Jahren über Nacht zum Popstar der Physik. Dahinter steckt die vielleicht größte Einzelleistung eines Wissenschaftlers und ein erkenntnistheoretischer Krimi.

          Das schmelzende Rückzugsgebiet Video-Seite öffnen

          Alteis in der Arktis : Das schmelzende Rückzugsgebiet

          Das Alteis in der Arktis schmilzt viel schneller als Wissenschaftler bislang angenommen. Das zeigt diese Animation sehr deutlich. Mit dem Eis schmilz auch das Rückzugsgebiet vieler Tierarten.

          Das letzte Eis schmilzt schneller

          Erwärmung der Arktis : Das letzte Eis schmilzt schneller

          Auch Alter und Masse schützen nicht vor dem Klimaschock: Das älteste und dickste Eis – das Walrossen und Eisbären als letzte Refugien dienen soll – schmilzt doppelt so schnell wie der Rest. Die Hitze am Pol ist nicht der einzige Grund.

          Topmeldungen

          Abwahl Brandners : Hetzen als System

          Der Rechtsausschuss hat seinen Vorsitzenden Stephan Brandner abgewählt. Seit Jahren beschimpft der AfD-Politiker alle politischen Gegner – und zeigt dabei eine Vorliebe für sexuell aufgeladene Pöbeleien.
          Baukräne stehen auf einem Baugrundstück neben neugebauten Wohnhäusern in Köln.

          Pläne der KfW : Wer baut, bekommt Geld geschenkt

          Die Staatsbank will erstmals Kredite mit Negativzinsen vergeben. Profitieren sollen Privatleute, Mittelstand und Kommunen. Bis die Negativzinsen beim Endkunden ankommen, könnte es allerdings noch dauern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.