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Klug verdrahtet : Der Hautarzt braucht sein drittes Auge

Untersuchung zur Hautkrebs-Früherkennung - was hier ein Arzt aus Fleisch und Blut tut, könnten bald Computerprogramme übernehmen. Bild: dpa

Muttermal oder Krebs? Im Kopf-an-Kopf-Wettstreit mit einem Heidelberger Algorithmus hat eine Auswahl deutscher Uni-Dermatologen das Nachsehen. Alle Anforderungen erfüllt die künstliche Intelligenz trotzdem nicht.

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          Dass das eigene Überleben irgendwann von der sogenannten Intelligenz herzloser und bis auf weiteres auch bewusstloser Automaten abhängen könnte, bereitet vielen Menschen verständlicherweise Kopfzerbrechen. Das hindert die Medizin nicht daran, das Feld der Künstlichen Intelligenz (KI) genau daraufhin abzuklopfen, speziell auch in der wichtigen Vorbeugung von Krankheiten.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Zu verhindern gilt, dass Gesunde unnötig zu Kranken und Kranke fälschlich für gesund erklärt werden. In Heidelberg haben Spezialisten des Deutschen Krebsforschungszentrums, der Universitätshautklinik und des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen einen Algorithmus entwickelt, der im nationalen Kopf-an-Kopf-Wettstreit mit 157 ausgewiesenen Dermatologen von zwölf Universitätskliniken zu unterscheiden hatte zwischen harmlosen Muttermalen und schwarzem Hautkrebs. 12 378 Bilder hatte der lernende Computer fürs Training ausgewertet. Dann ging man an den Start: Dem Automaten und den Dermatologen wurden dieselben hundert Bilder vorgelegt. Ergebnis: Nur sieben Ärzte schnitten besser ab, vierzehn lagen gleichauf und 136 unterlagen der KI. Position und Erfahrung der Mediziner spielten keine Rolle. Heißt das nun, dass der Algorithmus, eingebaut etwa ins Smartphone, den Arzt überflüssig macht?

          Ganz und gar nicht, warnen die Forscher um Titus Brinker im „European Journal of Cancer“, denn die Unterscheidung zwischen Muttermal und Melanom ist quasi nur ein Arbeitsgang der Früherkennung. Der Facharzt muss bei der Untersuchung ein Melanom in der Differentialdiagnose von hundert anderen, zum Teil seltenen Krankheiten abgrenzen. Dafür muss die Hautstelle sorgfältig abgetastet werden. Kein Smartphone, auch keines mit Hybrid-Zoom, ist dazu in der Lage.

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