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Das Kennedy-Attentat : Das Ende der Verschwörungstheorien

Der angesehene Ballistiker Lucien (Luke) Haag von der Firma Forensic Science Services in Arizona hat Ende September auf der Jahrestagung der National Association of Forensic Scientists einmal alle verfügbaren Befunde zum Fall JFK zusammengetragen. Unter anderem zeigte er dabei Bilder des „Magic Bullet“, die klar eine Stauchung des Querschnitts erweisen. Das ist nun typisch für ein Langwaffengeschoss, das beim Durchschlagen eines Mediums mit den Eigenschaften von Körpergewebe eine Taumelbewegung ausführt – genau so, wie es die längliche Eintrittswunde im Rücken des Gouverneurs und die erheblichen Verletzungen in seiner Brust nahelegen.

Aber kann dies dann dasselbe Projektil gewesen sein, das vorher Kennedys Hals so glatt durchschlagen hat? Durchaus, konnte Haag zusammen mit seinem Sohn Michael zeigen. „Das 6,5 mm Carcano Geschoss verlässt das Gewehr völlig stabilisiert“, sagt Luke Haag. „Denn durch seine zylindrische Form wird es in seiner gesamten Länge von den Zügen des Laufes erfasst.“ Solch ein Geschoss dringt daher 61 Zentimeter in ballistische Gelatine ein, ohne ins Taumeln zu geraten. Doch das ändert sich, sobald das Projektil das Medium verlässt und nun – nach Abbremsung in der Gelatine mit geringerer Geschwindigkeit – wieder durch die Luft fliegt. Nun wird es infolge des plötzlich abfallenden Staudrucks instabil.

Der Schuss durch die Gelantine

Das zeigten die Haags, indem sie mit einem 6,5 mm Carcano Gewehr durch 15 Zentimeter Gelatine schossen. Das entspricht etwa dem Abstand zwischen den Ein- und Austrittswunden am Nacken beziehungsweise am Hals Kennedys. Dabei verfolgten sie das Projektil mit einem Dopplerradar. Tatsächlich war es hinter der Gelatineschicht nicht nur langsamer, sondern trudelte auch durch die Luft – genau so, wie das Geschoss aus Oswalds zweitem Schuss, nachdem es Kennedys Hals verlassen hatte und bevor es Gouverneur Connally traf.

Beide können also absolut von ein und demselben Projektil getroffen worden sein. Und da keine Hinweis auf einen weiteren Schuss existiert, weder ein Knall, noch eine Einschlagspur noch ein Munitionsteil, war es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit genau so.

„Head Snap“

Und was ist nun mit dem dritten Schuss und dem „Head Snap“? Dass er nicht von dem Aufprall eines Projektils rühren kann, lernt man im Physikunterricht unter dem Stichwort „Impulserhaltung“. Prallt ein bewegter Körper auf einen ruhenden, kann er diesen in merkliche Bewegung versetzen, wenn beide nicht allzu verschiedene Masse besitzen, wie etwa bei Billardkugeln – aber nicht wenn der eine ein zehn Gramm-Projektil ist und der andere ein ausgewachsener Mensch. Dass von Schüssen getroffene Personen dadurch umgeworfen oder gar durch die Luft geschleudert werden, das gibt es nur im Kino.

Um zu demonstrieren, was den „Head Snap“ stattdessen verursachte, haben Vater und Sohn Haag ebenfalls Versuche angestellt. Dabei simulierten sie den Kopf des unglücklichen Präsidenten durch eine mit Klebeband eingewickelte Wassermelone. Das Ergebnis des Beschusses eines solchen Ziels ist nebenstehend gezeigt: Die Melone fliegt in die Richtung, aus der auf sie geschossen wurde. Grund ist der Rückstoß der Trümmer der an der Austrittsstelle berstenden Melone.

Die Radarmessungen zeigten auch, dass das Geschoss in einem solchen Ziel fragmentiert. Und wie die Funde von Geschossresten in der Präsidenten-Limousine belegen (siehe Abbildungen oben), ist genau das auch bei dem dritten und entscheidenden Schuss des vielleicht folgenreichsten Attentat seit 1914 passiert. Es ist das Grauen auf Abraham Zapruders Einzelbild Nummer 313.

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