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Soziologie der Berufe : Wie angesehen ist die Hausfrau?

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Bei den Darstellerinnen der amerikanischen Fernseh-Show „the real housewives“ geht es meist aufregender zu als im Alltag der gewöhnlichen Hausfrau. Bild: NBCUniversal/Getty Images

Der Beruf „Hausfrau“ wird belächelt und gilt als veraltet. Die Meinungen gehen jedoch deutlicher auseinander, als man meinen würde: Gerade Jüngere bringen dem Beruf Respekt entgegen – ebenso wie Menschen mit niedrigerem Bildungsstand.

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          Hausfrau und Mutter – diese Berufsbezeichnung klingt altbacken, ein wenig muffig, unzeitgemäß. Wer sich als Frau damit zufriedengibt, stellt sich einem anscheinend gesellschaftsübergreifenden Ansehensverlust entgegen und muss mit Rechtfertigungsdruck rechnen. Unterstellt wird ein antiquiertes Rollenverständnis der Ehe, der Mann als Ernährer, die Frau als Hausmütterchen am Herd – wer „nur“ Hausfrau sein will, sehnt sich wohl in die Fünfzigerjahre zurück. Moderne Konzepte, die mit Berufstätigkeit verbunden werden – Selbstverwirklichung, Sinnerfüllung, Gleichstellung und so weiter –, scheinen im Haushalt unauffindbar zu sein. Wer es dennoch tut, etwa weil er sich mit der Erziehung von Kindern oder der Pflege von Angehörigen ausgelastet fühlt, kann das anscheinend unmöglich aus freien Stücken tun. Das gilt für beide Geschlechter: Verlässt der Mann mal die Welt der Berufstätigkeit, lässt sich dieser Rollenwechsel bestenfalls temporär legitimieren, etwa als Papa in der Elternzeit. Aber als dauerhaft der Arbeitswelt entzogener Hausmann trägt dieses Modell männlicher Selbstoptimierung bis heute Züge der Karikatur. Die Gesellschaft hält Kritik an der Doppelbelastung insbesondere von Frauen als Mutter und Berufstätige für legitim, erlaubt aber nur eine Lösung: Man muss es eben irgendwie vereinbar machen, auch wenn das eindeutig zulasten der Frauen geht.

          Die Hausfrau ist finanziell von ihrem Mann abhängig.
          Die Hausfrau ist finanziell von ihrem Mann abhängig. : Bild: picture-alliance

          Auch in der Soziologie tun sich erstaunliche Forschungslücken auf: Lange stand eine Erfassung des gesellschaftlichen Ansehens von Hausfrauen auf Basis einer quantitativen Befragung in Deutschland noch aus. Katrin Stache, Christian Ebner und Daniela Rohrbach-Schmidt fragen daher jetzt, ob dieses Ansehen eigentlich quer durch die Bevölkerung gleich ist. Sollten Alter, Bildungsstand, Geschlecht und Familienstand wirklich keinen Effekt haben auf die Wert- oder Geringschätzung der Hausfrauenrolle? Die Daten dafür liegen inzwischen mit einer Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) von 2018 vor. Der auffälligste Befund der Studie: Das Ansehen von Hausfrauen variiert mit dem Alter. Aber nicht wie erwartet: dass ältere Geburtskohorten – hier die in den 1950er-Jahren Geborenen – die Rolle der Hausfrau positiver einschätzen als die jüngeren, ließe sich noch mit konservativeren Prägungen in der eigenen Herkunftsfamilie und dem damaligen Zeitgeist erklären. Doch die Untersuchung zeigt, dass das Prestige der Hausfrau beim Alter der Befragten einen nahezu u-förmigen Verlauf aufweist. Das Ansehen ist bei den ältesten Befragten am höchsten, sinkt dann bei den heute Vierzig- bis Fünfzigjährigen auf seinen niedrigsten Wert, um dann wieder anzusteigen. Die ab dem Jahr 2000 Geborenen wiesen sogar fast identische Werte wie die vor 1950 Geborenen auf. Das ist in der Tat überraschend.

          Das Ansehen der Hausfrau nimmt mit Bildungsstand ab

          Wenig überrascht hingegen, dass das Ansehen der Hausfrau mit Zunahme des Bildungsstandes abnimmt. Wer einen hoch qualifizierten Beruf ausübt oder zumindest entsprechend seiner Ausbildung ausüben könnte, bringt der Hausfrau wenig Sympathie entgegen. Manchen mag überraschen, dass Frauen die Hausfrauenrolle wesentlich schlechter beurteilen als Männer. Vielleicht weil Frauen stärker bewusst ist, wie wenig die Gesellschaft diese Tätigkeit schätzt? Bei Männern sind es die Geringqualifizierten und die Arbeitslosen, die der Hausfrauenrolle die größte Wertschätzung entgegenbringen. Sie empfänden Hausfrauen als eine geringere Bedrohung ihres ohnehin prekären Zugangs zur Männerdomäne der Arbeitswelt, so die Autoren. Das lässt sich aus der Perspektive traditioneller Rollenerwartungen nachvollziehen, aber warum sollten jüngere Menschen egal welchen Geschlechts die Rolle der Hausfrau tendenziell eher wertschätzen als etwa ihre eigenen Eltern?

          Die „tendenzielle Wiederaufwertung des Hausfrauenprestiges“ von Zwanzigjährigen könnte schlicht daran liegen, dass sie die Herausforderungen der „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ noch nicht am eigenen Leib erlebt haben. Es könnte also Naivität sein, die sich spätestens mit dem Eintritt in die raue Welt der Erwerbstätigkeit zugunsten einer realistischeren Einsicht in die Unvereinbarkeit dieser beiden Wertsphären auflösen wird. Oder, und das wäre eigentlich eine viel interessantere Erklärung, es ist Ausdruck von Erfahrungen aus der eigenen Kindheit. Wer heute Anfang zwanzig ist, hat vermutlich Eltern, die während der eigenen Kindheit beide berufstätig waren. Man könnte diesen jungen Menschen also zugestehen, dass sie wissen, was es für ein Kind bedeutet, wenn auch die Mutter arbeitet. Oder wenn sie – oder der Papa – eben nicht gearbeitet hat. Könnte hinter der höheren Wertschätzung der Hausfrauenrolle gar der Wunsch stehen, es einmal nicht so machen zu wollen wie die eigenen Eltern?

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