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Darwins Stummelkormoran : Prekäres Inselglück

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Der Stummelkormoran der Galápagos-Inseln auf einer Lithographie von John Gerrard Keulemans aus dem Jahr 1912 Bild:

Flügel bracht der Stummelkormoran nicht, den Charles Darwin 1835 auf den Galápagos-Inseln sah. Aber seine Anpassung an die sehr speziellen Bedingungen an den Küsten von Fernandina und Isabela macht ihn verwundbar.

          Der Stummelkormoran verzichtet auf das Fliegen. Statt kraftvoller Schwingen besitzt dieser Bewohner der seit Charles Darwins Besuch im Jahre 1835 berühmt gewordenen Galapagos-Inseln nur kümmerliche Flügelstummel. Mit ihnen kann er keinesfalls vom Boden abheben. Er kann zwar besser tauchen als flugfähige Kormorane, doch letztlich muss er sich mit einem arg begrenzten Aktionsradius und einer engen ökologischen Nische begnügen.

          Welch prekäre Existenz die Evolution hier hervorgebracht hat, beobachteten auch Wissenschaftler um Rory P. Wilson von der University of Wales in Swansea und Hernán Vargas von der University of Oxford. Auf Galapagos statteten sie einige Exemplare des Stummelkormorans (Phalacrocorax harrisi) mit kleinen Messgeräten aus, die Dauer und Tiefe der Tauchgänge registrierten. Anderen gaben sie GPS-Geräte mit, die Ortsveränderungen aufzeichneten. So fanden sie heraus, dass die Vögel nur selten ein paar Kilometer an der Küste entlangwandern. Gewöhnlich fischen sie wenige hundert Meter entfernt von ihrem Nest.

          Immerhin fällt das Tauchen leichter

          Da sie ihre Beute meist auf dem Meeresgrund suchen, kommen ihnen andere Seevögel kaum in die Quere. Männliche Stummelkormorane bleiben bisweilen mehr als drei Minuten unter Wasser und dringen dabei siebzig Meter in die Tiefe vor. Meistens tauchen sie allerdings nicht tiefer als etwa ein Dutzend Meter ("Ecological Monographs", Bd. 76, S. 633). Die Weibchen, minder massig als die mitunter mehr als vier Kilogramm schweren Männchen, fischen gewöhnlich noch dichter an der Meeresoberfläche. Dort ist das Wasser zwar angenehm warm, der Druck der Wassersäule ist jedoch so gering, dass die Luft in Gefieder und Lunge kaum komprimiert wird.

          Gegen den entsprechend starken Auftrieb müssen die tauchenden Kormorane fleißig mit den Füßen paddelnd ankämpfen. Die Flügel sind unter Wasser nutzlos, ja sogar hinderlich. Wenn sie verkümmern, hat der Vogel nicht nur den Vorteil, weniger Luft mitzunehmen, sein Körper wird auch stromlinienförmiger. Darüber hinaus spart er die Stoffwechselenergie, die er in einen funktionsfähigen Flugapparat investieren müsste.

          Lokale Anpassung

          Als es die Vorfahren der Stummelkormorane auf die Galapagos-Inseln verschlagen hatte, begegneten sie keinen Vierbeinern, denen sie nur fliegend entkommen könnten. Dass sie daraufhin eine erdgebundene Lebensweise entwickelten, schränkt ihre Mobilität freilich beträchtlich ein. Weite Strecken zu fliegen kostet nämlich viel weniger Zeit und Energie, als den gleichen Weg schwimmend zurückzulegen. Für lange Fußmärsche taugen die kurzen Schwimmfüße ohnehin nicht.

          Somit sind die Tiere darauf angewiesen, in der Nähe ihrer Nistplätze ein üppiges Nahrungsangebot zu finden. Kein Wunder, dass sie nur an den Küsten von Fernandina und Isabela brüten. Zwischen diesen beiden Galapagos-Inseln sorgt eine nährstoffreiche Meeresströmung für reiche Fischgründe. Unfähig, anderenorts sein Glück zu suchen, ist der Stummelkormoran jeder Veränderung hilflos ausgeliefert. In Zeiten des globalen Wandels keine rosigen Aussichten.

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