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Darwins Weg zur Evolutionstheorie : Das Wissenschaftswunder

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Wider den Mythos: nicht Finken, sondern Spottdrosseln waren Darwins hauptsächliches Forschungsobjekt Bild: AP

Über Darwins Weg bis zur Publikation seines Buchs „Die Entstehung der Arten“ sind etliche Mythen im Umlauf. Warum dauerte die Niederschrift so lange, welche Rolle spielte der Darwin-Fink, welche die Schiffsreise auf der „Beagle“? Was aber brachte ihn wirklich auf die Spur der Evolution?

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          Wie kein anderer personifiziert Charles Robert Darwin jene gotteslästerliche Sicht, wonach kein Schöpfer als gleichsam göttlicher Uhrmacher die Welt mitsamt seinen belebten und unbelebten Dingen hervorgebracht hat; vielmehr gebe es natürliche Ursachen für das Werden und Vergehen des Lebens. Zwei Jahrhunderte nach seiner Geburt meinen wir viel zu wissen, vielleicht sogar alles über jenen angeblichen Eremiten aus England, der im April 1882 in der Westminster Abbey mit allen Ehren beigesetzt wurde.

          Jenen Sprössling aus der Oberschicht der britischen Provinzgesellschaft, der am 12. Februar 1809 als fünftes von sechs Kindern des weithin angesehenen Arztes Robert Waring Darwin von Susannah Darwin, geborene Wedgwood, in dem Landstädtchen Shrewsbury in der Grafschaft Shropshire zur Welt kam. Jenem anfangs ziellosen jungen Mann, der nach abgebrochenem Studium der Medizin in Edinburgh und einem mit wenig größerer Begeisterung betriebenen der Theologie in Cambridge fünf Jahre mit dem Vermessungsschiff „Beagle“ auf Weltreise geht, um sich anschließend für den Rest seines Lebens als Privatgelehrter auf sein Landgut Down House in der Grafschaft Kent südlich von London zurückzuziehen.

          Grundprinzipien der belebten Welt

          Die Zahl der Darwin-Biographien ist Legion. Und doch gibt es immer noch Neues zu berichten, nachdem eine regelrechte Darwin-Industrie beinahe jeden Moment seines Lebens akribisch rekonstruiert hat. Wissenschaftshistoriker haben inzwischen den handschriftlichen Nachlass Darwins und seiner Familie nahezu vollständig erschlossen und dabei beinahe jeden Aspekt seines Wirkens und Werkes beleuchtet. Philosophen beschäftigen sich mit den Konsequenzen seines evolutionären Naturalismus für das Denken. Evolutionsbiologen testen bis heute die vielfältigen Implikationen seiner Hypothesen für die Lebenswissenschaften.

          Darwin gehört zu den wenigen herausragenden Naturforschern, die das Weltbild des Menschen in seinen Grundfesten verändert haben. Kein anderer Verfasser wissenschaftlicher Abhandlungen hat unser Weltbild sowohl in der Biologie als auch außerhalb davon mehr beeinflusst. Ähnlich wie Kopernikus oder Einstein Gesetzmäßigkeiten der Gestirne und des Universums erkannten, entdeckte Darwin die Grundprinzipien der belebten Welt.

          Wann wurde er zum Evolutionisten?

          Die Kritik auch an der modernen Fassung seiner Evolutionstheorie wird weiterhin gern und oft allein an der Person Charles Darwins festgemacht. Das Darwin-Jahr 2009 mit seinem Doppeljubiläum – zweihundertster Geburtstag und 150. Jahrestag der Veröffentlichung seines einflussreichsten Werkes „Über die Entstehung der Arten“ – sollte also willkommener Anlass sein, den Einstein der Arten neu zu entdecken.

          Gerade weil wir inzwischen so viel mehr über Darwin wissen, sehen wir ihn heute in einem etwas anderen Licht. So wissen wir nun, dass Darwin nur dank einer Reihe glücklicher Fügungen an Bord der „Beagle“ kam. Es war vor allem seinem Mentor, dem Botanik-Professor John Stevens Henslow, zu verdanken, der ihn – wie er im August 1831 an Darwin schrieb – genau für jenen Mann hielt, den die britische Admiralität und der Kapitän der „Beagle“, Robert FitzRoy, suchten. Heute wissen wir, was Darwin während der Weltumsegelung mit der Beagle zwischen Dezember 1831 und Oktober 1836 tatsächlich entdeckte und was er verpasste. Dabei steht die Frage im Vordergrund, ob die Galápagosinseln wirklich jene entscheidende Rolle für seine revolutionären Erkenntnisse gespielt haben, die die Legende ihnen zuweist. Auch beschäftigt Wissenschaftshistoriker, ob Darwin bereits auf der „Beagle“ zum Evolutionisten wurde und dann aber zwei Jahrzehnte an seiner Theorie zum Wandel der Arten arbeitete.

          Drei Darwin-Mythen

          Darwins Leben wird dominiert von gleich zwei großen Expeditionen. Neben seiner weitaus bekannteren abenteuerlichen Weltumsegelung mit der „Beagle“ steht das sich anschließende intellektuelle Abenteuer, wie Darwin zur Erkenntnis über den Wandel der Arten durch natürliche Auslese kam. Erst im Spiegel dieser doppelten Vermessung der Welt ergibt sich jenes Bild, das wir uns heute von dem Mann machen, der dafür berühmt wurde, den Menschen gleichsam zum Affen gemacht zu haben.

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