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Darwin : Finken lügen nicht

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Auf der richtigen Spur: Die Finken, wie sie in der zweiten Auflage von Darwins Reisebericht zu finden sind. Bild: Archiv

Die Finkenarten der Galápagos-Inseln wurden zu Kronzeugen der Darwinschen Evolutionstheorie. Doch ihre steile Karriere begann nicht etwa, als der junge Darwin sie zum ersten Mal sah, sondern erst geraume Zeit später.

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          Wer einmal ohne Hilfe aus der Reiseapotheke mit dem Postboot der Galápagos-Inseln über die Pazifikwellen von Santa Cruz zum Nachbar-Eiland Isabela geschippert ist, fühlt sich hinterher wie Darwin. Man hat endlich wieder festen Boden unter den Füßen, und die Seekrankheit lässt einen erst mal in Ruhe.

          Der junge englische Naturforscher betritt jenen festen vulkanischen Grund im September 1835, dem Jahr, als in Belgien die erste Eisenbahnlinie auf europäischem Festland in Betrieb genommen wird, in Gütersloh der Drucker Carl Bertelsmann einen Verlag gründet, in München die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank die Arbeit aufnimmt und Hegels "Vorlesungen über die Ästhetik" in Buchform erscheinen. 1835 ist aber vor allem das Jahr, in dem Charles Darwin jene Eindrücke, Tierbälge und tieferen Einsichten sammelt, die entscheidend für seine Theorie der Evolution sind.

          Sprechende Schnäbel

          So will es zumindest die Legende: Der Naturforscher sieht auf jeder Insel neue Tierarten, die denen von der Nachbarinsel immer sehr ähneln. Er folgert daraus, dass diese verschiedenen Spezies einen gemeinsamen Vorfahren hatten, dass Arten also veränderlich sind und nicht - wie es in der Bibel steht - unveränderlich von Gott erschaffen wurden. Besonders eine Tiergruppe soll ihm diese in der Tat revolutionäre Einsicht vermittelt haben, als er auf dem Archipel zusammen mit Kapitän Fitz-Roy Insel-Hopping machte: die dort lebenden Finken mit ihren unterschiedlich großen Schnäbeln.

          Die sogenannten "Darwin-Finken" stehen heute samt Illustration in jedem Lehrbuch, zusammen mit der Erklärung, wie sie zu ihren unterschiedlichen Schnäbeln kamen. Auf einer der jungen, im Wortsinne noch vogelfreien Vulkaninseln war demnach in einem Sturm einst ein Finkenweibchen vom fast tausend Kilometer entfernten Festland angeweht worden. Es trug befruchtete Eier in sich. Ihre Nachkommen besiedeln die Insel, pflanzen sich fort. Und ähnlich wie in dem Sturm, der die Eva-Finkin einst herüber blies, verschlägt es in den folgenden Jahrtausenden auch ab und an Gründer-Finken von dort auf die anderen Inseln. Und je nach Nahrungsangebot - Insekten, Kakteen, hartschalige Früchte - passen sich die Tiere über Generationen an, vor allem in der Form ihrer Schnäbel. Sie finden ihre jeweilige ökologische Nische.

          Evidenzen fallen nicht vom Himmel

          So lautet Darwins Evolutionstheorie - nicht in einer Nussschale, sondern in ein paar Finkenschnäbeln. Wie entstehen Arten? Nicht durch Millionen Schöpfungsakte, sondern aus anderen Arten. Warum entstehen sie? Weil sie sich, wenn sich die Umweltverhältnisse verändern, ebenfalls verändern, sich "adaptieren", anpassen müssen. Wie kommt es zu dieser Anpassung? Durch "natürliche Selektion". Die Individuen einer Art unterscheiden sich leicht voneinander, und die Eigenschaften, die in der jeweiligen Umwelt von Vorteil sind, setzen sich nach Generationen durch. Warum gibt es so viele Arten? Weil aus einer Art eben viele neue Arten werden können, zum Beispiel durch eine "adaptive Radiation", in der von den Nachkommen verschiedene ökologische Nischen besetzt werden. So, wie es die Finken auf Galápagos gemacht haben.

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