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Down House (19) : Darwins Schildkröten

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1835 interessierte sich Darwin nicht für den Artenreichtum der Riesenschildkröten auf den Galápagos-Inseln, sondern für ihren kulinarischen Genuss. Die Kochtöpfe an Bord der „Beagle“ waren voll von ihnen.

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          Um es gleich zu sagen: Keine der Riesenschildkröten, die während Darwins Besuch auf den Galápagos-Inseln als lebende Konservenbüchsen an Bord der „Beagle“ geschafft wurden, findet sich heute nachweislich in einer Museumssammlung. Zwar ritt Darwin „zum Spaß“, wie er später berichtete, auf einem der riesigen Tiere, die sechs Mann kaum tragen konnten, auf dem Rücken. Doch das Geheimnis der Schildkröten entging ihm.

          Auf der Insel James (heute heißt sie Santiago) begegnete Darwin im September 1835 den Schildkröten zum ersten Mal. In seinem Reisejournal berichtet er von einer merkwürdigen Eigentümlichkeit jener Tiere, die bei ihm noch Testudo indicus heißen, die heute aber wissenschaftlich korrekt als Geochelone nigra geführt werden. „Ich wurde auf diese Tatsache zuerst von Vice-Governor Mister Lawson hingewiesen, der erklärte, dass die Schildkröten der Inseln voneinander verschieden seien und dass er mit Sicherheit sagen könne, von welcher Insel eine Schildkröte stamme.“ Doch statt die Rückenpanzer der Riesenschildkröten daraufhin näher zu untersuchen, vermerkte Darwin nur, dass sie tatsächlich bei einigen vorn wie ein spanischer Sattel aufwärts gebogen, bei anderen Tieren dagegen runder und dunkler seien. Letztere, so versäumt Darwin nicht anzufügen, sollten angeblich auch besser schmecken.

          An den Panzern scheitern die Forscher

          Tatsächlich landeten insgesamt achtundvierzig dieser Riesenschildkröten erst im Laderaum der „Beagle“ und anschließend im Kochtopf. Eine Ausnahme machten nur zwei kleinere Tiere, die Darwin für eine Weile als Schiffsmaskottchen hielt, sowie zwei weitere, die Robert FitzRoy von der Fahrt mit zurückbrachte. Bei den Riesenschildkröten kapitulierte sein Naturforscher-Instinkt vor dem kulinarischen Genuss. „Die schönste grüne Seeschildkröte nimmt sich gegen sie aus wie Rindfleisch gegenüber dem feinsten Kalbfleisch. Und wer erst einmal die Galápagos-Riesenschildkröte gekostet hat, dem schmeckt jede andere tierische Nahrung lange nicht mehr so gut“, hatte bereits ein seefahrender Landsmann lange vor dem Besuch der „Beagle“ geschwärmt.

          Mit den Details, von welcher Insel des Archipels die eine oder andere Schildkröte nun genau kam, hat sich weder Darwin noch einer der anderen an Bord der „Beagle“ beschäftigt. Sie alle schenkten dem Vizegouverneur Nicholas Lawson keinen Glauben. In seiner Autobiographie schrieb Darwin zwar später, dass es ihn erstaunt habe, „wie insbesondere die Tierarten auf jeder Insel der Galápagos-Gruppe sich doch leicht voneinander unterscheiden“. Aber weil zurzeit seines Besuches niemand damit rechnete, dass es voneinander verschiedene Formen auf diesen eng benachbarten Inseln geben könnte, entging auch Darwin vor Ort der entscheidende artliche Reichtum des Archipels. Bis heute diskutieren Fachleute, ob die elf noch lebenden und vier ausgestorbenen Formen sämtlich zu einer oder doch zu verschiedenen Arten zu zählen sind; an ihren Panzern allein vermögen selbst geübte Forscher sie kaum auseinanderzuhalten.

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