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Ausstellung: Darwin und die Kunst : Darwinismus ist eine Kunstepoche

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Gabriel von Max: Kunstrichter. o.J. Bild:

Die Schirn Kunsthalle Frankfurt zeigt zum ersten Mal, wie Maler und Bildhauer von Arnold Böcklin über Gabriel von Max bis zu Max Ernst auf Charles Darwins Evolutionstheorie reagierten.

          4 Min.

          Gleich links, wenn man die Ausstellungsräume in der Schirn betritt, steht auf einem Sockel ein ausgestopfter Argusfasan. Die langen Schwanzfedern zeigen senkrecht nach oben, die Flügel sind so ausgebreitet, dass die Augenflecken, die die Flügelfedern in Reihen zieren, gut sichtbar sind.

          Es sind diese Augenflecken, die der Fasanenhahn in einer Fächerbewegung des Flügels während der Balz den Hennen zeigt – und diese Augenflecken waren es auch, mit denen Charles Darwin in seinem 1871 erschienenen Buch „Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl“ die Wirkung der sexuellen Selektion illustriert hat. Denn die Flecken sind eine seltsame Laune der Natur: Zufällig durch eine Mutation entstanden, wurden die Federfarbmuster und die langen Schwanzfedern zu auffälligen Merkmalen von Fasanen und Pfauen – was erst einmal nicht unbedingt ein Vorteil war: Die langen Federn sind schwer zu tragen und eine schlechte Tarnung, also eigentlich bloß ein Nachteil. Dass aus dem zufällig entstandenen Muster ein Vorteil wurde, lag einzig daran, dass es gefiel: Sie konnten sich offensichtlich auf den Federn der Flügel der Argushähne zu so kunstvollen Ornamenten entwickeln, weil sie den Hennen gefielen.

          Bildnerische Reaktionen

          Das Muster diente zu nichts, außer zu gefallen, es war angeblich zufällig entstanden, es hatte überhaupt nichts Zwingendes – das war selbst für Darwins aufgeschlossenere Leser zu harter Stoff. So viel Schönheit, wie sie der Argusfasan auf seinen Flügeln oder bunte Kolibris zeigen, konnte kein Werk des Zufalls sein – und sie dann auch noch mit einer schnöden Begründung wie gesteigerten Chancen bei der Fortpflanzung zu erklären, war zu viel für das viktorianische England.

          Frantisek Kupka: Antropoides, 1902
          Frantisek Kupka: Antropoides, 1902 :

          Man ist damit mittendrin im Spannungsfeld der Ausstellung „Darwin. Kunst und die Suche nach den Ursprüngen“. Für die Ausstellung hat die Kuratorin Pamela Kort die unterschiedlichsten bildnerischen Reaktionen auf die Darwinsche Theorie der Veränderbarkeit der Arten versammelt – Werke, die zwischen 1859 und 1959 in den Vereinigten Staaten, Frankreich, Deutschland und Großbritannien entstanden. Die Kunstgeschichte hat vielfach einen Bogen um diese Bilder gemacht, sie verschwanden in den Depots und mit ihnen eine entscheidende Fragestellung. Was nämlich bedeuteten Darwin und seine Evolutionstheorie für die ästhetische Produktion der Zeit? Die Antwort ist zum ersten Mal in der Schirn ausgestellt: Darwinismus war nicht nur eine Geistesströmung. Darwinismus müssen wir ab jetzt auch als eine kunsthistorische Epoche betrachten.

          Im Bilderstreit

          Zu sehen sind Gemälde des amerikanischen Landschaftsmalers Frederik Edwin Church, Illustrationen aus Alfred Brehms „Thierleben“, Karikaturen, Urmenschenphantasien von Frantisek Kupka, Mischwesen von Arnold Böcklin, Odilon Redon oder Alfred Kubin, metaphysische Gemälde vom Ende der Naturgeschichte eines Max Ernst und Plakate zu Filmen wie John Hagenbecks Tragödie „Darwin oder im Fieber unter Afrikas Sonne“.

          Wobei das disparate Material, zu dem auch eine ganze Wand der einzelnen Tafeln aus Ernst Haeckels „Kunstformen der Natur“ gehören, gar nicht erst den Verdacht aufkommen lässt, hier würde nach einer Synthese gesucht, die den Streit um Darwin und die Evolutionstheorie löst; die Bilder bleiben im Streit wie die uralten Echsen auf Charles Knights Gouache „Dryptosaurus“ aus dem Jahr 1897. Es geht in der Schirn nicht darum, Darwin als unangefochtene Ikone zu feiern. Die Exponate entfalten – selbst wenn sie leblos sind wie das Modell einer Kolonie von Hydropolypen oder einer Wurzelmundqualle aus dem Berliner Naturkundemuseum – eine Lebendigkeit, wie sie Darwins Werken etwa in der Beschreibung des Zusammenwirkens von Orchideen und Wespen eigen ist.

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