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Corona-Studie mit Haustieren : Katzenliebhaber aufgepasst!

Hauskatzen waren schon in früheren Epidemien ansteckungsgefährdet. Bild: dpa

Ob Haustiere das neue Coronavirus übertragen können, ob sie auch selbst krank werden, darüber gab es bisher viel Spekulation. Jetzt sind systematische Experimente von chinesischen Veterinären bekannt geworden. Sie können nur Geflügel- und Schweinezüchter endgültig beruhigen.

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          Noch gibt es keine gesicherten Hinweise, dass sich Haustiere beim Menschen mit dem neuen Coronavirus angesteckt haben, oder dass Tiere zur Verbreitung von Sars-CoV-2 beigetragen haben. Seit gestern allerdings ist klar: In Hauskatzen können sich die Erreger entgegen früherer Vermutungen offenbar durchaus vermehren, und Katzen übertragen das Virus auch auf andere Artgenossen. Der Hund allerdings scheint einigermaßen unempfänglich zu sein. Und in Schweinen, Hühnern und Enten kann sich das Virus überhaupt nicht vermehren.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Das ist das Ergebnis einer in der Zeitschrift „Science“ veröffentlichten Studie von chinesischen Forschern. An der Nationalen Akademie für Agrarwissenschaften haben sie Versuche mit verschiedenen Haustieren und dem Frettchen vorgenommen. Frettchen vor allem deshalb, weil sie seit langem als Tiermodell in der Infektiologie eine Rolle spielen, und zum Beispiel für die Entwicklung von Grippe-Impfstoffen eine entscheidende Rolle in der vorklinischen Forschung gespielt haben. Tatsächlich war schon in anderen Studien seit Ausbruch der Sars-CoV-2-Pandemie gezeigt worden, dass Frettchen zumindest in einigen wichtigen Teilaspekten der Coronavirus-Vermehrung und Übertragung dem Menschen ähneln. Das betrifft vor allem die ersten acht Tage nach der Ansteckung. In den oberen Luftwegen, im Nasen- und Rachenraum, vermehrt sich Sars-CoV-2 nach der Ansteckung ähnlich stark wie bei infizierten Menschen. Einige Tiere bekommen offenbar auch Fieber, sie bilden nach einer gewissen Zeit auch Antikörper. Damit ist das Frettchen für die Impfstoffentwicklung durchaus ein Kandidat.

          Wenn es allerdings um die vom Virus verursachte Krankheit selbst geht, Covid-19, sind auch die  Frettchen ungeeignet. In der Lunge selbst findet man bei den Tieren fast keine Viren, die Frettchen leiden auch nicht an Lungenentzündungen, Atemnot oder gehen an akutem Lungenversagen zugrunde. Auch die anderen Organe, vom Verdauungstrakt abgesehen, werden von den Viren offenbar nicht befallen. Ob sich das Virus im Dünndarm vermehrt, worauf es einige Hinweise beim Menschen gibt, ist völlig unklar. Überhaupt sind die Belege der chinesischen Veterinäre angesichts der geringen Zahl von jeweils etwa einem halben Dutzend Versuchstieren mit Vorsicht zu genießen.

          Relativ klar scheint aus den wenigen Experimenten freilich die Sache mit den Katzen zu sein. Sowohl junge ausgewachsene Katzen wie noch sehr junge Tiere von zwei, drei Monaten waren ähnlich wie die Frettchen sehr empfänglich für das neue Coronavirus - allerdings erkranken auch bei ihnen offenbar die wenigsten wirklich schwer. Über klinische Krankheitsanzeichen, die womöglich auch für Hauskatzenliebhaber zu erkennen wären, berichteten die Wissenschaftler viel zu wenig. Dafür gab es vor allem Testergebnisse und pathologische Ergebnisse: Vor allem die Jungkatzen zeigten schon nach wenigen Tagen der Infektionen schwere Gewebeschäden, sogar in den Lungen. So war es auch möglich, dass andere Katzen im Experiment „offenbar über Tröpfchen“ in den Käfigen angesteckt wurden.

          Das dürfte auch daran liegen, dass die Zusammensetzung des entscheidende Zellrezeptors, ACE-2,  an den sich die Viren in bestimmten Zellen ihres Wirtes binden, um danach ins Innere der Zellen vorzudringen, bei Mensch und Katze recht ähnlich sind. Wie die Frettchen reagiert auch bei den Katzen das Immunsystem: Es bilden sich nach einiger Zeit der Infektion Antikörper gegen das Virus. Auch im Stuhl der Tiere wurde Viruserbmaterial RNA gefunden, allerdings scheint es hier zu sein wie beim Menschen. Infektiös war das Virusmaterial offenbar nicht mehr.

          Insgesamt sehen chinesischen Forscher Katzen offenbar als durchaus wichtigen Faktor in der Ausbreitung der Pandemie an, „die Überwachung  von Sars-CoV-2 in Katzen sollte zusätzlich für die angestrebte Elimination des neuen Coronavirus in Betracht gezogen werden“.

          Bei Hunden, experimentiert wurde mit einigen wenigen drei Monate alten Beagle, hat man bisher nur schwache Hinweise auf eine Infektiosität gefunden. Ansteckungsfähiges Virusmaterial war in keinem der Abstriche nachgewiesen worden, obwohl sich bei einem Teil der Hunde zumindest Antikörper gegen Sars-CoV-2 gebildet hatten. Eindeutige Krankheitsanzeichen waren bei ihnen allerdings – andere als bei einer der sehr jungen Katzen – nicht beschrieben worden.                                                                                                                                   

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