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Zwischenfazit der Pandemie : Was uns die Forschung zu Corona bisher gelehrt hat

Fortschritt oder immer wieder von vorne? In Hong Kong ist die Lage angesichts einer unbefriedigenden Impfquote abermals dramatisch. Bild: EPA

Selten konnte man den Fortschritt in der Forschung so gut verfolgen wie in den vergangenen zwei Jahren der Pandemie. Was aber können wir für die Zukunft lernen?

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          Nie war es einfach, den weiteren Verlauf der Pandemie vorherzusagen. Mittlerweile aber müssen angesichts der wachsenden Zahl unbekannter Parameter auch erfahrene Modellierer kapitulieren. „In Sachen Covid gab es in letzter Zeit von meiner Seite wenig zu sagen, da wir aktuell keine präzisen Vorhersagen machen können“, meldete kürzlich die Göttinger Modelliererin Viola Priesemann auf Twitter. Der Einfluss der anstehenden Lockerungen sei zu wenig vorhersehbar, genau wie die existierende Immunität der Bevölkerung gegen die Omikron-Variante BA.2.

          Sibylle Anderl
          Redakteurin im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Tatsächlich ist es interessant, zu verfolgen, wie stark sich seit Beginn der Pandemie die Herausforderungen und Fragen für die Modellierer verändert haben: Zunächst waren die allgemeinen Eigenschaften des neuen Coronavirus – etwa dessen Basisreproduktionszahl oder das serielle Intervall – anhand von Modellen aus den vorliegenden Daten abzuleiten. Danach ging es um die Wirksamkeit der verschiedenen Maßnahmen und die relevanten Ansteckungswege und -kontexte, bevor schließlich der Einfluss der Impfkampagnen und der verschiedenen Virusvarianten in die Modelle zu integrieren waren – und diese immer komplexer machte.

          Die Zeitschrift „Science“ hat die Pandemie aus der Perspektive der epidemiologischen Modellierer jüngst von amerikanischen Forschern noch einmal nachzeichnen lassen. Das Fazit der Wissenschaftler: Während der vergangenen Jahre sind in den Modellen immer mehr allgemeine Annahmen über das Virus durch empirisches Wissen ersetzt worden. Gleichzeitig ist nun ein Punkt erreicht, an dem längerfristige Prognosen durch das Auftreten neuer Varianten und die mit der Zeit schwindende Immunität in der Bevölkerung erschwert und Hoffnungen auf die Möglichkeit einer noch besseren Kontrolle des Infektionsgeschehens gedämpft werden.

          Wie viele Tote sind akzeptabel?

          Vielmehr stellt sich nun die Frage, wie unser Leben mit dem Virus künftig aussehen soll – Optionen dafür diskutiert ein weiterer Überblicksartikel in „Science“ in Hinblick auf die zukünftige Impfstrategie. In denjenigen Ländern mit hoher Impfquote sei es bereits gelungen, die Infektionszahlen von den Hospitalisierungen und Verstorbenenzahlen zu entkoppeln. Nun müsse aber entschieden werden, ob uns das reiche: Wenn die derzeitige Situation etwa in Großbritannien hochgerechnet werde, müsse man dort schließlich immer noch pro Jahr mit rund 50.000 zusätzlichen Toten rechnen, in den USA wären es rund 400.000. Ist das eine Bilanz, die wir dauerhaft akzeptieren wollen? Auch dann noch, wenn Long-Covid-Patienten berücksichtigt werden? Und wenn nicht, wie sollte eine praktikable Impfstrategie für die Zukunft aussehen, die auf das regelmäßige Auftreten neuer Varianten eingestellt ist? Ist es realistisch, jeweils auf neue Varianten angepasste Impfstoffe zu entwickeln, oder sollte die Forschung lieber auf breitbandige Impfstoffe setzen?

          In jedem Fall müsse die aktuelle Pandemie als Aufruf verstanden werden, sich besser für die Zukunft zu wappnen, mahnen amerikanische und kanadische Wissenschaftler in einem weiteren „Science“-Artikel. SARS-CoV-2 sei keineswegs ein Härtetest gewesen. Das Virus habe ein relativ stabiles Genom und teile viele Eigenschaften mit SARS-CoV-1 und MERS-CoV. Man habe daher insbesondere bei der Impfstoff- und Medikamentenentwicklung auf vieles zurückgreifen können, das schon vorbereitet existierte – und trotzdem gab es weltweit bisher schon mehr als sechs Millionen Todesfälle: „Bei der nächsten Pandemie müssen wir deutlich besser vorbereitet sein.“

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