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Robotik : Ein Roboterkoch mit Geschmacksinn

„Okonomiyaki Robot“ kann sogar traditionelle japanische Gerichte kochen. Ob er auch weiß, wie sein Essen schmeckt? Bild: REUTERS

Sie braten, rühren, schütteln und würzen. Nun kann ein Roboterkoch sogar schmecken, was er zubereitet hat. Ein spezieller Sensor macht’s möglich.

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          Sie übernehmen Pflegearbeiten, assistieren im OP, sind als Rettungsroboter unterwegs oder helfen im Garten oder Haushalt. Sensoren und Künstliche Intelligenz haben Roboter in anpassungsfähige und vielseitige Maschinen verwandelt. Keine Aufgabe scheint ihnen mittlerweile zu schwer. Nun erobern Roboter allmählich auch einen Bereich, der ihnen lange verwehrt war: die Küche. Zwar können einige Maschinen – es handelt sich überwiegend um Roboterarme – bereits Pizza belegen, Burger braten, Pasta-Gerichte oder japanisches Essen zubereiten. Und einige Roboter machen nach getaner Arbeit sogar ihren Arbeitsplatz wieder selbständig sauber.

          Manfred Lindinger
          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Die Roboterköche wissen aber nicht, ob das, was sie gerade gekocht haben, auch tatsächlich schmeckt. Wie viel Salz oder Pfeffer oder andere Gewürze zugegeben werden müssen, schreibt ihnen bislang ein Computerprogramm vor, dem ein Rezept zugrunde liegt. Nun haben Wissenschaftler von der University of Cambridge einen autonomen Roboter entwickelt, der auch feststellen kann, ob das Essen ausreichend gewürzt oder versalzen ist.

          Möglich macht das eine spezielle Sonde, die die Forscher um Grzegorz Sochacki ans Ende des beweglichen Roboterarms angebracht haben, wo gewöhnlich Kochlöffel, Rührstab oder anderes Besteck sitzen. Die Sonde misst die elektrische Leitfähigkeit des Gerichts, die im Wesentlichen durch den Salzgehalt bestimmt wird. Zwar kann der Roboter auch selbst kochen – sein ihm antrainiertes Leibgericht ist Omelette mit Tomaten. Für ihre jüngsten Experimente, gingen die Forscher ihrem Roboterarm aber zur Hand. Sochacki und seine Kollegen bereiteten Rührei mit Tomaten auf neun verschiedenen Arten zu. Dabei variierten sie die Zahl der Tomaten und den Salzgehalt der Omelettes.

          Eine Geschmackskarte gibt dem Roboter Orientierung

          Zusätzlich gaben sie jede Variante in ein Mixgerät, drückten unterschiedlich lange auf den Knopf – wenige Sekunden und sechzig Sekunden. Auf diese Weise versuchten die Forscher, den Vorgang des „Kauens“ nachzuahmen. Beim Kauen wird das Essen nicht nur in kleinere, leichter schluckbare Happen zerlegt. Beim Zerkleinern schmecken wir auch intensiver, was wir gerade zu uns nehmen. Jede Speise legten die Forscher nach dem Abkühlen dem Roboterarm zum Probieren vor. Der Roboter tauchte das Ende seines Arms in das dargebotene Essen und ermittelte jeweils an verschiedenen Stellen den Salzgehalt.

          Die Messwerte lieferten für jede Probe eine zweidimensionale „Geschmackskarte“, die dem Roboter als eine Art Geschmacks-Referenz diente. An der Karte konnten die Forscher erkennen, dass der Roboterarm die unterschiedlichen Salzkonzentrationen in den dargebotenen Omelettevariationen sehr zuverlässig (95 Prozent) bestimmen konnte, ebenso wie die Menge der vorhandenen Tomaten und ob diese im Mixer zerkleinert worden waren und wie lange.

          „Wenn Roboter für bestimmte Aspekte der Zubereitung von Speisen eingesetzt werden, sollten sie auch in der Lage sein, zu 'schmecken', was sie kochen“, sagt Grzegorz Sochacki. Und sein Kollege Arsen Abdulali fügt hinzu: „Wenn ein Roboter wie jeder andere Koch lernt, wie man kocht, braucht er auch Hinweise, wie gut er es gemacht hat. In unserem Experiment kann der Roboter den Unterschied in der Nahrung auch sehen, während sie 'gekaut' wird, was seine Geschmacksfähigkeit verbessert.“ Zu diesem Zweck ist der Roboterarm auch mit optischen Sensoren ausgestattet worden.

          In Zukunft wollen die Wissenschaftler den Roboterkoch technisch verbessern, damit er verschiedene Arten von Lebensmitteln schmecken und den Unterschied etwa zwischen süßem und öligem Essen wahrnehmen kann. Den Effekt von menschlichem Speichel wollen die Roboterforscher mit künstlichen Enzymen nachbilden.

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