https://www.faz.net/-gwz-9mx3u

Maschinenverhalten : KI als fremdes Wesen

Bild: Reuters

Während Künstliche Intelligenzen uns immer besser zu verstehen lernen, sind wir mit unserem Verständnis der schlauen Algorithmen oft noch nicht weit. Forscher regen nun an, im Studium der KI neue Wege zu gehen.

          1 Min.

          Die Welt ist bevölkert von black boxes – komplexen Systemen, von denen wir zwar sagen können, was in sie hineingeht und aus ihnen herauskommt, deren Innenleben und interne Funktionsweisen uns aber weitgehend rätselhaft bleiben. Der menschliche Geist zählt nach wie vor dazu, erst recht die mentalen Zustände von Tieren. Wer kann schon sagen, was der eigene Wellensittich wirklich denkt?

          Sibylle Anderl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Man könnte meinen, wir hätten damit schon genug der unverständlichen Agenten. Doch in den vergangenen Jahren haben wir selbst für reichlich Zuwachs gesorgt, indem wir unser Leben mit intelligenten Maschinen angereichert haben. Maschinen, die wir noch weniger verstehen als unsere Mitlebewesen, schon allein aufgrund ihrer internen Komplexität, ihrer Abhängigkeit von Trainingsbedingungen und der Tatsache, dass ihr Design und ihre Architektur oft geheim gehalten werden. Die Notwendigkeit, das Verhalten Künstlicher Intelligenzen trotz dieser Einschränkungen zu durchschauen, liegt dabei auf der Hand. Schließlich beeinflussen sie heute zunehmend unsere sozialen, kulturellen, politischen und ökonomischen Interaktionen.

          Klug verdrahtet
          Klug verdrahtet

          Wenn der Mensch mit der Maschine – Intelligenzen im Labor

          Klug verdrahtet

          Wissenschaftler haben sich vor diesem Hintergrund zusammengeschlossen und, wie sie jüngst im Journal „Nature“ berichteten, ein neues Forschungsfeld initiiert: Unter dem Namen „Maschinenverhalten“ studieren Verhaltensforscher, Informatiker und Ingenieure intelligente Maschinen mit denjenigen Methoden, die sonst beim Studium von Tieren zum Einsatz kommen. Empirisch wird dabei getestet, wie Algorithmen sich in verschiedenen Umgebungen verhalten, wie sie miteinander interagieren, welchen Einfluss sie auf Menschen haben und wie diese gleichzeitig auf sie zurückwirken – Fragen, deren Antworten wir kennen sollten, bevor wir unser Schicksal den Algorithmen anvertrauen. Wenn wir die potentiellen Fallstricke von KI nicht kennen, bringen wir uns möglicherweise um ihren gewaltigen Nutzen, so warnen die Forscher.

          Vielleicht könnte man in dieser Linie einen Vorschlag des Philosophen Daniel Dennett aufgreifen, der jüngst das Äquivalent eines medizinischen Beipackzettels mit bekannten Risiken und Nebenwirkungen für KI anregte – und der, wie Dennett spekuliert, für KI wohl deutlich länger wäre als diejenigen der meisten neuen Medikamente.

          Weitere Themen

          Immer unter Strom

          Netzrätsel : Immer unter Strom

          Es gibt so gut wie nichts, was es nicht gibt im Netz der Netze: Geniales, Interessantes, Nützliches und herrlich Überflüssiges. Diesmal: Teletext zum Selbermachen.

          Topmeldungen

          Gestärkt: Der türkische Staatspräsident Erdogan spricht am Sonntag mit türkischen Journalisten

          Türkischen Offensive : Erdogans Gewinn

          Wieder einmal stärkt eine Krise, die der türkische Staatspräsident ausgelöst hat, seine innenpolitische Stellung. Die ausbleibende internationale Unterstützung aber dürfte einen Preis haben.
          Zweimal Gündogan: Kimmich schreit seine Erleichterung über die Treffer des Kollegen heraus.

          3:0 für Deutschland : Geduldsspiel in Tallinn

          Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft muss einen frühen Platzverweis von Can verkraften, gewinnt aber nach zähem Beginn 3:0 in Estland. Gündogan trifft zweimal, Werner setzt noch einen drauf.
          Was denkt die Queen über den Brexit? Die britische Königin Elisabeth II. im Mai 2019.

          Brexit-Streit : Die Queen liest Johnson

          Elisabeth II. trägt an diesem Montag im Unterhaus das Regierungsprogramm des Premierministers Boris Johnson vor. Im Zentrum steht der Brexit-Prozess, der gerade in einer entscheidenden Phase ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.