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Soziale Medien im Visier : Wie gefährlich sind Facebook & Co. für ihre Nutzer?

  • -Aktualisiert am

Facebook war einmal ihr Arbeitgeber, jetzt sagt Frances Haugen über die Plattform und deren Machenschaften aus, hier vor dem amerikanischen Senat. Bild: Bloomberg

Eine Whistleblowerin veröffentlicht Daten, die den schädlichen Einfluss von Instagram auf Jugendliche belegen sollen. Aus wissenschaftlicher Sicht sind die Beweise eher schwach. Doch das eigentliche Problem bei Facebook liegt woanders.

          5 Min.

          Im amerikanischen Senat sind Repu­blikaner und Demokraten selten einer Meinung. Zu diesem Ausnahmefall kam es allerdings, als die ehemalige Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen am 5. Oktober vor einen Senatsausschuss trat, um über die interne Forschung des Internetgiganten auszupacken. Ein demokratischer Senator bezeichnete ihre Enthüllungen als „Bombe“, ein Amtskollege der Republikaner pflichtete ihm bei, die Kinder Amerikas seien abhängig vom Produkt der Technologie-Götter.

          Die Anhörung ist der vorläufige Höhepunkt des aktuellen Facebook-Skandals, seit September berichtete das „Wall Street Journal“ über die Enthüllungen der zunächst anonymen Whistleblowerin. Im amerikanischen Fernsehen gab sie sich dann doch zu erkennen: Die 37-jährige Datenwissenschaftlerin Frances Haugen arbeitete von 2019 bis 2021 als Produktmanagerin bei Facebook, ihr Team sollte Falschinformationen in den sozialen Medien bekämpfen. Nachdem diese Abteilung aufgelöst wurde, so Haugen, kündigte sie. Nicht ohne sich zuvor Kopien von Zehntausenden internen Dokumenten zu verschaffen.

          Diese sollen belegen, dass Facebook die von sich ausgehende Gefahr verheimlicht, Haugen erklärt den Inhalt wie folgt: Die Algorithmen des Konzerns würden Beiträge bevorzugen, die oft geteilt und kommentiert würden – was eben bei Lügen oder hasserfüllten Kommentaren der Fall sei. Und diese Technologie hätte schon ethnische Konflikte angefacht. Facebook sei sich bewusst, dass es mit den derzeitigen Systemen maximal zwanzig Prozent dieser Inhalte erkennt und löscht. Die Enthüllungen dokumentieren außerdem interne Forschungen des Konzerns, an einer Stelle heißt es: „Wir verschlimmern bei einem von drei Mädchen im Teenageralter Probleme, die es mit seinem Körperbild hat.“

          Die Daten belegen Haugen zufolge, dass die Foto-Plattform Instagram Jugendliche in psychische Probleme stürzt.Das stärkt Politikern in den USA und Europa den Rücken, die Facebook schon länger im Visier haben und stärker kon­trollieren wollen. Das mag moralisch und ethisch richtig sein, die aktuelle Entwicklung ist trotzdem problematisch: Aus Per­spektive der Wissenschaft stehen die Belege für Facebooks jugendschädigende Wirkung bisher auf wackeligen Beinen.

          Stichproben zeigen keine kausalen Zusammenhänge

          Das behauptet Facebook einerseits selbst, denn zu den typischen Methoden, um den Einfluss etwa von Instagram abzuschätzen, gehörte es, Zigtausende Nutzer Fragebögen ausfüllen zu lassen. Sie sollten von negativen Erlebnissen berichten, ob sie traurig gewesen seien, mit ihrem Körper gehadert oder sich einsam gefühlt hätten; dann sollten sie selbst den Einfluss von Instagram darauf einschätzen. Tatsächlich gaben die Befragten in den meisten Fällen an, Instagram würde ihnen guttun.

          Jedoch glaubte jeder dritte weibliche Teenager eben auch, Instagram würde bereits bestehende Probleme mit dem eigenen Körperbild verschlimmern. Außerdem ließ Facebook rund vierzig Teenager noch ausführlich interviewen; anscheinend war der Konzern in der Lage, konkrete Inhalte auf der Plattform zu identifizieren, die bei den Nutzern positive oder negative Emotionen hervorriefen. Beispielsweise fühlten sie sich schlechter, je mehr Bilder von Promis ihnen angezeigt wurden, das geht aus Haugens Unterlagen hervor. Von Facebook ist nun zu hören, diese Forschung hätte einzig dem Zweck gedient, interne Diskussionen anzuregen, sie basiere auf winzigen Stichproben und zeige keine kausalen Zusammenhänge.

          Dass Facebook das Problem herunterspielt, ist das, was alle erwarten. Jedoch stimmen in diesen Punkten renommierte Wissenschaftler dem Netzwerk zu. Der amerikanische Jugendpsychologe Laurence Steinberg schrieb in der „New York Times“: „Keine Studie – weder von Facebook noch von anderen – hat gezeigt, dass die Nutzung von Instagram psychisches Wohlbefinden von Mädchen im Teenageralter beeinträchtigt.“

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