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Angriff auf die Ukraine : Krieg im Internet

  • -Aktualisiert am

Russland flankiert seine Angriffe auf die Ukraine durch Attacken im Internet. Bild: F.A.Z.

Russland flankiert seinen Angriffskrieg in der Ukraine mit Cyberattacken. Die können auch Deutschland treffen. Wieso sich unser Land auch hier besser wappnen muss. Ein Gastbeitrag.

          12 Min.

          Am 24. Februar begann Russland einen An­griffskrieg gegen die Ukraine. Schon im Vorfeld und auch jetzt wird dieser Krieg flankiert von Cyberangriffen auf ukrainische Einrichtungen wie Regierungsstellen, kri­ti­sche Infrastrukturen und Telekommunikationsanbieter. Die Bandbreite der be­kannt gewordenen Cyberangriffe reicht von Desinformationskampagnen über das Fälschen von offiziellen Webseiten (Defacing) und Lahmlegen von IT-Systemen mittels sogenannter DDoS-Attacken bis hin zu Cyberspionage etwa mittels gezielten Phishings und der Zer­störung ziviler IT- und Kommuni­ka­tionssysteme mittels Schadsoftware. Für Letzteres wurden speziell auf die Ukraine abgestimmte Schadprogramme verwendet, die sich hinter Namen wie „WhisperGate“ und „Hermetic Wiper“ verbergen. Diese machen IT-Systeme dauerhaft unbrauchbar, etwa indem sie für den Start von Rechnern notwendige Systemdateien unwiederbringlich lö­schen. Zeitgleich mit dem Kriegsbeginn wurde auch das Satellitennetzwerk KA-SAT des amerikanischen Unternehmens Viasat lahmgelegt, das in der Ukraine zur Notfallkommunikation verwendet wird. Dieser Angriff war auf der ganzen Welt spürbar, zum Beispiel auch in Deutschland, wo KA-SAT etwa von Ener­con zur Kommunikation mit Windkraftanlagen verwendet wird.

          Forensische Untersuchungen der in der Ukraine eingesetzten Schadprogramme legen nahe, dass die Cyberangriffe mindestens seit dem Dezember des vergangenen Jahres vorbereitet wurden. Tatsächlich war die Ukraine aber auch in den Jahren davor häufig Schauplatz ähnlicher At­tacken, beispielsweise im Dezember des Jahres 2015, als Hacker Teile des ukrai­nischen Stromnetzes lahmlegten, oder im Juni 2017, als die NotPetya-Schadsoftware zunächst in der Ukraine und nachfolgend rund um den Globus Schäden von ge­schätzt mindestens 10 Milliarden Dollar verursachte. Als Urheber der aktuellen wie der damaligen Angriffe gelten gemeinhin staatliche oder staatsnahe Hackergruppen in Russland. Laut einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft gehen mehr als 80 Prozent aller signifikanten Cyberangriffe seit dem Jahr 2011 auf die Ukraine von Russland aus. Die Attributierung, also die Zuweisung der Verantwortung für ei­nen Cyberangriff zu einer bestimmten Hackergruppe oder einem bestimmten Land, ist allerdings meist mit einer gewissen Unsicherheit behaftet.

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