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Kooperative Roboter : Maschinen sagen, was sie denken

Sag mir, was Du denkst: Wenn Mensch und Roboter sich besser austauschen könnten, würden viele Probleme und Missverständnisse verhindert. Bild: ZB

Wenn sich elektronische Geräte seltsam verhalten, würde man sich manchmal wünschen, sie könnten ihre inneren Beweggründe offenbaren. Dass das tatsächlich sinnvoll wäre, zeigt nun eine Robotik-Studie.

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          Das Verhältnis von Mensch und Maschine ist nicht selten von Konflikten und Missverständnissen geprägt. Der Computer denkt, er soll ein Update machen, während die Nutzerin ihn eigentlich gerade für das Artikelschreiben brauchte. Der Lautsprecher weigert sich plötzlich, das Mobiltelefon als Musikquelle anzuerkennen. Was in den Geräten dabei vorgeht, wüsste man schon manchmal gerne.

          Im schlimmsten Fall bleibt zwar der Gang zum IT-Experten, der als Paartherapeut der Mensch-Maschine-Beziehung so manchen Beweggrund des unverstandenen Elektronikgerätes offenzulegen vermag. Und doch würde man sich wünschen, auch im Alltag besser eingebunden zu sein in die oft erratisch wirkenden Entscheidungsprozesse unserer maschinellen Begleiter.

          Einen ersten Schritt in diese Richtung haben nun Arianna Pipitone und Antonio Chella von der Universität Palermo unternommen. Im Journal iScience berichten sie von Experimenten, in denen sie die Performance eines Roboters einmal mit und einmal ohne die Fähigkeit des von ihnen implementierten lauten Denkens miteinander verglichen haben. Der Roboter sollte, sprachlich angeleitet durch einen Menschen, einen Tisch decken. Dabei kam es mitunter zu Situationen, in denen die geäußerten Befehle den Roboter in ein Dilemma stürzten: etwa weil er etwas holen sollte, das bereits auf dem Tisch stand, oder weil er Besteck anders legen sollte als der ihm bekannten Etikette entsprechend.

          War der kleine Gehilfe in der Lage, sein Problem zu artikulieren („Entschuldigung, das Glas steht schon auf dem Tisch. Was wollen Sie wirklich?“), gelang es, zusammen mit dem Menschen Wege aus dem Dilemma zu finden. Behielt er sein Problem dagegen für sich, scheiterte die Aufgabe. Dass das Ganze einen Preis hat, weiß man von menschlicher Kooperation: Wer immer alles erklären muss, was er sich denkt, arbeitet langsamer.

          Das könnte man wohl noch verschmerzen. Beunruhigender scheint es aber, wenn man ins Auge fasst, was die Autoren zumindest andeuten. In Psychologie und Philosophie gilt die innere Rede immerhin als ein erster Schritt in Richtung des Bewusstseins. Und wenn sich dieses früher oder später gleichsam aus Versehen bei elektronischen Geräten ausbilden sollte, der Computer also sagen würde: „Ich habe das Update einfach gemacht, denn ich habe durchschaut, dass Sie mich anlügen, wenn Sie mich damit immer wieder auf später vertrösten“, dann wäre das eindeutig noch schlimmer als das derzeitige Unverständnis.

          Sibylle Anderl
          Redakteurin im Feuilleton.

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